Finanzminister entlassen Zuma feuert unliebsamen Widersacher

In Südafrika wird über die Gründe für die Absetzung von Pravin Gordhan spekuliert. Sie könnte das Land in eine Krise stürzen.

Ein Mann mit Krawatte und Anzug.

Bildlegende: Pravin Gordhan muss gehen. Der bisherige Finanzminister stand für eine restriktive Haushaltspolitik. Reuters

Nach tagelangen Spekulationen hat der südafrikanische Präsident Jacob Zuma den bei Investoren geschätzten Finanzminister Pravin Gordhan entlassen. Sein Nachfolger werde der bisherige Innenminister Malusi Gigaba, teilte das Präsidialamt mit. Er gilt weitherum als unbeschriebenes Blatt.

Teil einer Regierungsumbildung

Der Schritt sei Teil einer Kabinettsumbildung, die unter anderem die Bereiche Energie, Polizei oder Tourismus betrifft, hiess es. Gordhan galt für Investoren als Stabilitätsgarant in dem Schwellenland, das unter einer stagnierenden Konjunktur leidet. Er setzte sich für eine Belebung der Wirtschaft ein. Es wird befürchtet, dass ohne ihn eine niedrigere Bonitätsnote droht.

Ein Afrikaner in einem Anzug mit Krawatte in einem Büro.

Bildlegende: Malusi Gigaba wird neuer Finanzminister. Er war als «Home Affairs»-Minister bisher zuständig für Migrationsfragen. Imago

Südafrikas Währung unter Druck

Über seine Ablösung gab es seit Tagen Gerüchte, nachdem der Minister eine Werbetour bei Unternehmern in Grossbritannien auf Geheiss Zumas abbrechen musste. Die Landeswährung Rand geriet daraufhin unter Druck.

Neben Gordhan entliess Zuma weitere neun Minister, fast ein Drittel seines Kabinetts. Die Regierungsparteien sind in Aufruhr. Die Opposition kündigte ein Misstrauensvotum an und drohte mit einem Amtsenthebungsverfahren gegen den ohnehin umstrittenen und von Korruptionsvorwürfen belasteten Präsidenten. Vom Büro Zumas wurde kein Grund für die Aktion des Präsidenten genannt.

Einschätzung der in Südafrika lebenden Journalistin Leonie March:

Seit Monaten war zwischen Präsident Zuma und Finanzminister Gordhan ein Machtkampf im Gange. Gordan ging die Misswirtschaft in den Staatsbetrieben an und stand für mehr Haushaltsdisziplin – das passte nicht zu Zumas Plänen. Nun hat Zuma seinen Widersacher entsorgt. Für Südafrika ist die Entlassung ein Schock: Medien und Beobachter sind sich einig, dass Zuma seine Macht zementieren, seine Verbündeten noch enger an sich binden und die Kritiker entmachten will.

Nach dem neusten Streich Zumas ist seine Partei, der ANC, noch tiefer in Zuma-Treue und -Gegner gespalten als bisher. Entsprechend wird die Kritik an Zuma innerhalb des ANC immer lauter. Es ist durchaus möglich, dass beim angekündigten Misstrauensvotum gegen den Präsidenten auch viele ANC-Mitglieder mit der Opposition stimmen werden. Bislang scheiterten diese Abstimmungen stets an der grossen ANC-Mehrheit im Parlament. Das könnte diesmal anders sein. Für Zuma, der im Dezember als ANC-Chef abgelöst wird, wird die Luft dünner.