Modi trifft Trump «Zwei gleich gepolte Magnete»

Der indische Premier Narendra Modi trifft heute in Washington auf US-Präsident Donald Trump. Laut Südasien-Korrespondent Thomas Gutersohn wird das Gespräch kompliziert, weil beide das Gleiche wollen.

Thomas Gutersohn

Bildlegende: Thomas Gutersohn ist SRF-Südasien-Korrespondent. SRF

SRF News: Worum geht es beim heutigen Gespräch?

Thomas Gutersohn: In erster Linie um eine Kontaktaufnahme. Unter der Regierung von Barack Obama hatten sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Indien und den USA verbessert. Davon ist unter Trump wenig zu spüren. Die Beziehungen haben sich sehr stark abgekühlt. Trump fokussiert wirtschaftlich stärker auf China. Modis primäres Ziel wird es deshalb sein, Indien als zweite Macht in Asien – also als Alternative zu China – zu präsentieren.

«  Es scheint fast ein bisschen, als prallen hier zwei gleich gepolte Magnete aufeinander, die sich halt eben doch abstossen. »

Thomas Gutersohn
Südasien-Korrespondent

In welchen Bereichen hofft man auf Fortschritte?

Hauptsächlich militärisch. Indien möchte von den USA Überwachungsdrohnen für die Sicherung des Meeresraumes kaufen. Bei diesem Deal scheint man relativ weit zu sein und es ist gut möglich, dass man zu einem Abschluss kommt. Sicherlich wird man auch auf die Auslagerung der Produktion der F16- Kampfflugzeuge zu sprechen kommen. Da gab es kürzlich einen Deal. Künftig werden diese komplett in Indien produziert, sehr im Sinne von Modi. Indien muss seine Flugzeugflotte komplett erneuern und will das mit den F16 machen. Modi stellt aber die Bedingung, dass die Flugzeuge komplett in Indien und von Indern produziert werden. Das ist Teil seiner grossen «Make in India»-Strategie.

Der indische Premierminister Narendra Modi.

Bildlegende: Umstritten und erfolgreich: der indische Premierminister Narendra Modi. Keystone

Trump hat sein «America first», Modi die «Make in India»-Strategie. Beide wollen Arbeitsplätze im Inland schaffen. Sitzen Sie im gleichen Boot?

Man sitzt im gleichen Boot aber rudert in unterschiedliche Richtungen. Beide Regierungen wollen möglichst viele ihrer Landsleute beschäftigen und dabei driften die Interessen auseinander. Indien hat «America first» ganz klar gespürt – zum Beispiel bei der geplanten Revision der Visapolitik in den USA. Momentan können indische Ingenieure und IT-Spezialisten relativ einfach in den USA arbeiten. Das will die US-Regierung überdenken. Für Modi wird das sicher ein Punkt, den er in Washington ansprechen wird.

Trump hat erst gerade geklagt, Indien profitiere zu stark vom Pariser Klimaabkommen. Wird Klimapolitik ein Thema sein?

Ich denke kaum. In der Klimapolitik gehen die beiden klar andere Wege, seitdem Trump gesagt hat, dass er das Pariser Klimaabkommen künden will. Indien versucht sich jetzt fast schon als Saubermann darzustellen und sagt, es wolle unbedingt im Abkommen bleiben – und das, obwohl es weiterhin zu den grössten Verschmutzern des Planeten gehört. Ich denke aber nicht, dass Modi das Thema bei seinem Besuch in Washington ansprechen wird. Die Militärdeals werden wichtiger sein.

Eine Gruppe von Indern füttert ein Trump-Plakat mit Kuchen.

Bildlegende: Torte für Trump: Bei rechtsnationalistischen Hindus war der US-Präsident während seines Wahlkampfes beliebt. Archivbild Keystone

Treffen sich mit Trump und Modi zwei Gleichgesinnte?

Es treffen sich zwei, die das Heu auf der gleichen Bühne haben. Beide Politiker sind konservativ, protektionistisch und populistisch. Zwischenmenschlich werden sie sich wohl gut verstehen. Politisch gehen ihre Pläne aber weit auseinander. Es scheint fast ein bisschen, als prallen hier zwei gleich gepolte Magnete aufeinander, die sich halt eben doch abstossen.

Das Gespräch führte Romana Costa.