Zwei Jahre Hass und Hetze – Pegida feiert sich

Im Oktober 2014 waren es ein paar Hundert. Sie gingen in Dresden gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes mit fremdenfeindlichen Parolen auf die Strasse. Schnell wurden es Tausende. Doch der grosse Andrang ist längst vorbei – auch beim zweiten Geburtstag der Protestbewegung.

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Zwei Jahre «Pegida»

0:16 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 16.10.2016

Unter starkem Polizeiaufgebot haben auf dem Theaterplatz in Dresden mehrere Tausend Anhänger des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses demonstriert. Hunderte Gegendemonstranten protestierten in einiger Entfernung gegen die Veranstaltung.

Laut der Forschungsgruppe «Durchgezählt» versammelten sich zwischen 6500 und 8500 Menschen. Zum einjährigen Bestehen der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) hatten im vergangenen Jahr noch etwa 15'000 bis 20'000 Anhänger der Bewegung demonstriert.

Neu-Rechte und Rechtspopulisten als Redner

Anwesend war auch Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann, der in Dresden wegen Volksverhetzung vor Gericht steht. Unter Rufen wie «Merkel muss weg» und «Volksverräter» wurden die Bundesregierung wegen der Flüchtlingspolitik attackiert und ein Stopp der Zuwanderung gefordert.

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Bildlegende: Pegida in Dresden verliert weiter an Zulauf. Nur noch wenige Tausende feierten den 2. Geburtstag der Protestbewegung. Keystone

Als Redner traten auf dem symbolträchtigen historischen Theaterplatz zwischen Semperoper und Schloss unter anderem der Österreich-Chef der in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung, Martin Sellner, auf. Auch der Chefredaktor des neu-rechten «Compact»-Magazins, Jürgen Elsässer, und der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Kleinpartei «Die Freiheit», Michael Stürzenberger, sprachen in Dresden.

Polizeibeamte aus mehreren Bundesländern

Die Anhänger der Pegida wollten mit der Kundgebung ihr zweijähriges Bestehen feiern. Laut Polizei ist es zu keinen grösseren Zwischenfällen gekommen. Die Polizisten in Sachsen werden von Beamten aus anderen deutschen Bundesländern unterstützt.

Die Dresdner Versammlungsbehörde war im Vorfeld kritisiert worden, weil Gegenproteste zunächst nicht nah an die Pegida-Kundgebung herangelassen werden sollten. Angeblich war dies mit Hinweis auf eine Bedrohungslage begründet worden. Die Stadt wies dies zurück. Auch die Polizei twitterte, dass es keine konkreten Hinweise auf eine Anschlagsgefahr gebe.

Während der Pegida-Kundgebung wurden dann von der Polizei doch Proteste in Sicht- und Hörweite zugelassen. Bei Demonstrationen zum einjährigen Bestehen von Pegida war es im vergangenen Jahr noch zu gewalttätigen Zusammenstössen gekommen.

Bundespräsident und Bundeskanzlerin angepöbelt

Als Geburtsstunde der Pegida-Bewegung gilt ein «Abendspaziergang» am 20. Oktober 2014. In den darauf folgenden Monaten nahmen immer wieder tausende Menschen an den Kundgebungen teil.

Zuletzt sorgten Pegida-Anhänger für Empörung, als sie am Einheitsfeiertag am 3. Oktober Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Festveranstaltungen in Dresden beschimpften.