Merkel bei Trump Zwei «Opfer» von Lauschangriffen

  • US-Präsident Donald Trump und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel haben sich das erste Mal getroffen.
  • Trump fand eine Gemeinsamkeit zwischen ihm und Merkel: Sie seien beide von der früheren Regierung abgehört worden, sagte er.
  • Merkel wollte Trump das Freihandelsabkommen schmackhaft machen: Dieses hätte stets beiden Seiten genützt.

Mit Spannung wurde das erste Treffen zwischen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump erwartet. Er hatte ihre Flüchtlingspolitik im Wahlkampf scharf kritisiert. Sie hatte ihn am Tag seiner Wahl mit deutlichen Worten ermahnt, die westlichen demokratischen Grundwerte zu achten.

Bei ihrem gemeinsamen Auftritt blickten schliesslich beide geradeaus. Bundeskanzlerin Merkel sprach sachlich und distanziert. US-Präsident Trump in seinen Eröffnungsworten ebenfalls – nur um schliesslich seinen üblichen Monolog anzustimmen: Die USA würden jetzt stärker als je; Fabrikstellen würden zurückkehren; er sei noch nie so beliebt gewesen, nur die Journalisten seien unfair. Er fand gerade einmal eine Gemeinsamkeit zwischen sich und Angela Merkel.

«Wir wurden beide abgehört von der früheren Regierung», sagte er. Im Fall von Merkel ist das wahr. Was Trump angeht, so bleibt es weiterhin eine reine Behauptung.

«  Wir wurden beide abgehört von der früheren Regierung. »

Donald Trump
US-Präsident

Bundeskanzlerin Merkel lächelte etwas gezwungen, sofort wechselte sie das Thema und zeigte sich zufrieden damit, dass Trump seine Unterstützung für das Nordatlantische Verteidigungsbündnis (Nato) wiederholt bekräftigte und ebenso für das Minsker Abkommen für Frieden in der Ukraine.

Sie warb für den Handel, in dem sie sagte, dass Freihandelsverträge der EU mit anderen Ländern stets beiden Seiten genützt hätten: «Und in diesem Geiste würde ich mich freuen, wenn wir die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika auch wieder aufnehmen könnten.» Das steht aber in Washington nicht zuoberst auf der Prioritätenliste.

Merkel und Trump bemühten sich insgesamt, Eintracht zu signalisieren. Die Stimmung war nicht jovial – aber auch nicht feindselig. Das könnte zumindest eine Grundlage für die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren bieten.