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Analyse zum TV-Duell «Zwei Schauspieler, zwei Rollen, zwei Filme»

Millionen Franzosen haben das TV-Duell zwischen Le Pen und Macron verfolgt. Die gegenseitigen Angriffe verhinderten eine sachliche Diskussion, sagt SRF-Korrespondent Liebherr.

Legende: Audio Duell Macron gegen Le Pen: Provokationen statt Argumente abspielen. Laufzeit 2:55 Minuten.
2:55 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.05.2017.

SRF News: Welcher der beiden Kandidaten hat Sie mehr überzeugt?

Charles Liebherr: Wenn es um die Sache geht, also die Programme der Kandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben mich beide nicht überzeugen können. Bedauerlicherweise war das auch gar nie das Thema im gestrigen Fernsehduell. Gegenseitige Angriffe verhinderten eine Diskussion. Immerhin: Emmanuel Macron hat das eine oder andere Mal eine Frage der beiden Gesprächsleiter einigermassen klar beantwortet. Darauf liess sich Marine Le Pen gar nie ein. Insofern war Macron etwas überzeugender.

Umfrage: Macron gewinnt TV-Duell

  • Das Institut Elabe hat 1314 Zuschauer der zweieinhalbstündigen Debatte befragt. Resultat: Macron entschied den Kampf um die Gunst des Publikums offenbar für sich.
  • Eine Mehrheit der befragten Zuschauer fand Macron in der Debatte laut der Umfrage überzeugender als Le Pen. Dies sei der Eindruck von 63 Prozent der Teilnehmer.
  • 34 Prozent der Befragten fanden die Rechtspopulistin überzeugender.

Le Pens Strategie bestand offenbar darin, Macron zu provozieren. Wie gut hat das funktioniert?

Das war sehr bemühend. Und über die Länge des Duells – fast zweieinhalb Stunden – wurde es immer noch bemühender. Diese ewigen Sticheleien gehören zwar zum Spiel. Aber irgendwann sollte jeder Kandidat, jede Kandidatin auch einmal mit einem guten Argument zu den politischen Versprechen punkten. Es gab Momente, in denen sich Macron hat provozieren lassen. Dann sahen wir ein Lächeln auf Le Pens Gesicht. In der Regel blieb Macron aber eher ruhig. Er argumentierte differenziert und in gepflegter Sprache. Das kann man als Zuschauer natürlich auch wiederum als überheblich und belehrend werten. In meinen Augen waren das zwei Schauspieler in zwei Rollen in zwei verschiedenen Filmen: Das eine hatte mit dem anderen nichts zu tun.

In meinen Augen waren das zwei Schauspieler in zwei Rollen in zwei verschiedenen Filmen: Das eine hatte mit dem anderen nichts zu tun.

Was bedeutet das für die Wahl am Sonntag: Bleibt Macron der Favorit?

Ja, Macron ist weiterhin der Favorit. Le Pen konnte Macron nicht destabilisieren oder «entlarven», wie sie es zu Beginn der Sendung versprach. Le Pen müsste gegenüber der ersten Runde die Anzahl ihrer Stimmen mehr als verdreifachen, um überhaupt in die Nähe der Stimmenzahl zu kommen, die ihr einen Sieg erlauben könnte. Das ist, in den zwei Tagen Kampagne, die noch bleiben, doch eher unrealistisch. Dieses Fernsehduell, das kein gutes Bild abgab von der aktuellen französischen Politik, wird an der Ausgangslage kaum noch etwas ändern. Macron geht als grosser Favorit in die Stichwahl am Sonntag.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Studie prophezeit Sieg von Macrons Partei bei Parlamentswahl

Die Bewegung des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron könnte bei der Parlamentswahl im Juni einer Studie zufolge auf Anhieb stärkste Kraft werden.
Die von der Zeitung «Les Echos» veröffentlichte Untersuchung geht davon aus, dass die 2016 gegründete Bewegung «En Marche!» 249 bis 286 Sitze in der Nationalversammlung holen könnte. Für die Wahl zur Nationalversammlung werden 577 Wahlkreise gebildet, in dem jeweils ein Abgeordneter gewählt wird.
Das Umfrageinstitut OpinionWay und das Unternehmen SLPV analytics modellierten die Kräfteverhältnisse in den Wahlkreisen. Sie stützten sich insbesondere auf Umfragen für den ersten Wahlgang der Parlamentswahlen und die Wählerstrukturen bei früheren Abstimmungen.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    2) Es ist eher zu vermuten, dass sich mit der Zeit Parteien herausbilden werden, die die Belange der zugewanderten Volksteile vertreten. Denn man darf nicht vergessen, dass diese Gruppe auf Dauer am stärksten wächst in den EU-Staaten. Ob es den sozalistischen Parteien zukünftig gedankt wird, dass sie sich für ein "buntes" Europa einsetzen, ist fraglich. Vermutlich wird das noch ein böses Erwachen geben, wenn sich irgendwann ähnlich grosse Gruppen politisch gegenüberstehen.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    1) Nicht anzunehmen, dass M. Le Pen gewinnen wird, dafür sind ihren Ansichten und Vorhaben den Franzosen wohl doch zu radikal. Der Rechtspopulismus mag bisher in Europa entweder nur knapp, oder gar keine Siegerrolle bei den Wahlen und Volksentscheiden haben. Letztlich wird es aber die Zukunft zeigen, wie die Reise weitergeht, denn genauso wenig dürfte die Zukunft den politischen Zuwanderungsbeklatschern und selbsternannten Demokratiewächtern gehören.
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  • Kommentar von Stephanie von Walterskirchen (SVW)
    Ich habe mir das ganze angesehen&ganz klar die Reaktionen der beiden beobachtet Le Pen ist keine Schauspielerin&sie hat das Herz am richtigen Fleck.Sie ist stabil, stark,Präsidial.Macron sieht daneben aus wie eine Püppchen wirkt charakterlos hat&braucht ein Präsident etwa keinen?ICh meine natürlich einen guten.Ich glaube sie wird gewinnen weil sie gut ist&er verlieren weil die Mehrheit ihm nicht traut&was kann dagegen sein wenn eine versucht den Armen "Geschenke" zu machen statt den reichen
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