Zum Inhalt springen

International Zwei Schweizer bei blutigem Attentat in Mali verletzt

Bei einem Angriff auf ein Restaurant in der malischen Hauptstadt Bamako sind fünf Menschen getötet worden, darunter mindestens zwei Europäer. Zwei Schweizer Armeeangehörige wurden verletzt. Islamisten reklamieren die Urheberschaft des Anschlags für sich.

Legende: Video Schweizer bei Anschlag in Mali verletzt abspielen. Laufzeit 2:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.03.2015.

In Malis Hauptstadt Bamako haben vermummte Attentäter das Feuer auf Gäste eines Restaurants eröffnet. Dabei starben mindestens fünf Personen. Unter den Toten seien ein Franzose, ein Belgier und drei Einheimische. Dies sagte ein Polizeivertreter.

Laut der mauritanischen Newsseite Al Akhbar steckt die islamistische Gruppe Al Mourabitoun hinter dem Anschlag. Die Gruppe wurde von Al Kaida-Anhänger Mokhtar Belmokthar gegründet.

Wie die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini mitteilte, war eines der Opfer ein belgischer Sicherheitsoffizier der EU-Delegation in Bamako. Zudem wurden mindestens acht Menschen verletzt. Unter den Verletzten befinden sich zwei Schweizer Armeeangehörige. Die beiden Schweizer wurden mit schweren Verletzungen in Bamako in ein Spital gebracht. Dort wurden sie von UNO-Ärzten notfallmässig operiert. Im Verlauf des Tages wurden sie ins benachbarte Senegal geflogen, wo sie weiter behandelt werden.

Die beiden verletzten Armeeangehörigen sind Experten für Munitionslagerung und Munitionsbewirtschaftung. Das sagte Mirco Baumann vom Kompetenzzentrum Friedensfördernde Einsätze des Verteidigungsdepartements (Swissint). Sie befanden sich aufgrund eines UNO-Mandates im Land und arbeiteten im Rahmen der Vernichtung und Lagerung von Munition mit der malischen Regierung zusammen. Einer der beiden verletzten Schweizer stammte aus der Westschweiz, der zweite aus der Deutschschweiz.

Fünf Schweizer Armeeangehörige in Mali

Ein weiterer Schweizer Armeeangehöriger vor Ort überstand den Anschlag unverletzt. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten gab es bisher keine Hinweise, dass weitere Schweizer Staatsbürger beim Attentat verletzt wurden.

Insgesamt seien aktuell fünf Schweizer Armeeangehörige in Mali: Ein Stabsoffizier in der UNO-Mission in Mali und zwei weitere fix stationierte Armeeangehörige. Zusätzlich befänden sich zwei Armeeangehörige auf Dienstreise in Mali. Gemäss Baumann wurden ein fest stationierter und ein dienstreisender Armeeangehöriger verletzt.

Islamistischer Hintergrund?

Nach den Angaben der Polizei attackierte eine Gruppe Bewaffneter kurz nach Mitternacht das in einer belebten Strasse gelegene Restaurant «La Terrasse». Sie eröffneten das Feuer auf die Gäste. Die Täter griffen mit einem Maschinengewehr und Granaten an. Einer von ihnen habe laut «Allahu Akbar» (Gott ist der Grösste) gerufen, berichtete ein Augenzeuge.

Der Manager des Restaurants sagte, es habe zuvor keine Drohungen gegen sein Restaurant gegeben. «Der Franzose, der als erstes getötet wurde, sass in der Nähe der Tür. Es ist schwer zu sagen, ob der Anschlag ihm galt oder ob der Täter den ersten Weissen erschossen hat, den er gesehen hat.» Anschliessend seien die vier Angreifer in einem Auto und auf einem Motorrad geflohen, berichtete ein Augenzeuge. Zwei Verdächtige seien wenig später in der Nähe des Tatorts festgenommen worden. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.

Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Die Polizei sprach in einer ersten Reaktion von einem «Terroranschlag». Dutzende Polizisten riegelten den Bereich um das Restaurant ab. Die französische Botschaft in Bamako rief Franzosen in der Stadt zu äusserster Vorsicht auf, sollten sie ihre Wohnungen verlassen müssen. Die Sicherheitsvorkehrungen für französische Einrichtungen in Mali wurden verstärkt.

Frankreich, Belgien, die Schweiz, die USA und die UNO-Mission in Mali (Minusma) verurteilten den Anschlag. Der französische Präsident François sicherte dem malischen Premierminister die Hilfe seines Landes zu. Der belgische Aussenminister Didier Reynders zeigte sich «schockiert über die feige Tat», bei der auch ein belgischer Staatsbürger ums Leben gekommen sei.

Chaos nach Putsch

Mali wurde im März 2012 durch einen Militärputsch ins Chaos gestürzt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden Malis zu stoppen und das Militär zu unterstützen. Später übergaben die Franzosen die Verantwortung an die Blauhelm-Mission.

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fritz Leisinger, Lörrach
    Vielleicht würde die Schweiz ihre im Ausland tätigen Soldaten wenigstens mit einer Waffe zur Selbsverteidigung mitgeben. Die armen Jungs müssen sich vorkommen wie Schülerlotsen, die vom Schulbus überfahren werden. Da schickt ihr Eure Söhne und Töchter in die Gefahr sich verteidigen zu müssen, aber gebt ihnen nichts mit um dies zu tun. Wie im Balkankrieg, als Östreicher und Deutsche den bewaffneten Schutz für die CH Soldaten übernahmen. Denkt mal drüber nach. Hü-oder Hot.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Küng, Biel
    @ Zelger & Co.: motzen weil CH-Soldaten Auslandeinsätze leisten, aber kein Wort des Beileids an die Angehörigen der Verstorbenen! Pfui Teufel! @ SRF: im Titel sowie im Beitrag selber ist von den verletzten Soldaten groß die Rede, die Toten werden kaum erwähnt; es waren ja auch nur Ausländer. Die CH-Soldaten haben in Mali eine wichtige Arbeit geleistet, dafür verdienen sie Hochachtung. Ich entbiete mein Beileid an die Angehörigen der Toten und wünsche gute Besserung an ALLE Verletzten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Was haben Schweizer Soldaten in Krisengebieten verloren? Ich dachte, die Schweiz ist neutral!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen