Zwei Tage nach Davos: Atomgespräche in Zürich

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hatten sich die Aussenminister der USA und Irans bereits für raschere Verhandlungen im Atomstreit ausgesprochen. Nun haben sich die Vize-Aussenminister zu Gesprächen in Zürich getroffen.

Irans Aussenminister Sarif stehend vor zwei Sesseln und einer iranischen Fahne.

Bildlegende: Aussenminister Sarif gibt nach Gesprächen in Davos vorsichtig optimistische Signale. Reuters

Nach zweitägigen Verhandlungen mit den USA hat sich der Iran vorsichtig optimistisch gezeigt, dass der Atomstreit mit dem Westen beigelegt werden kann. «Die Differenzen sind zwar immer noch vorhanden, aber beide Seiten sind ernsthaft bemüht, die auszuräumen», sagte Vize-Aussenminister Abbas Araghchi iranischen Medien am Samstag. Daher gebe es nach den Treffen mit seiner US-Kollegin Wendy Sherman in Zürich weiterhin Hoffnung auf eine Einigung.

Gespräche im Februar in München

Während des WEF hatten sich die Aussenminister der beiden Länder, John Kerry und Mohammed Dschawad Sarif, für eine Beschleunigung der Verhandlungen ausgesprochen. Laut Araghchi will der Iran am kommenden Donnerstag die Unterhändler des EU-Trios – Deutschland, Frankreich und Grossbritannien – zu Gesprächen in Istanbul treffen. Ein Gespräch in grosser Runde und mit allen Vertretern der fünf UNO-Vetomächte sowie Deutschlands könnte Anfang Februar bei der Sicherheitskonferenz in München stattfinden.

Bei dem Treffen mit Kerry hatte Sarif am Freitag mit einer harten Reaktion des iranischen Parlaments gedroht, falls der US-Kongress mit den Stimmen der Republikaner neue Sanktionen gegen den Iran verhängen sollte. Dann könne es zur Annullierung aller bisherigen Einigungen kommen, so der iranische Chefdiplomat.

Terminplan sieht Einigung bis Juli vor

Unterstützt von Israel versucht die amerikanische Rechte, die Gespräche zu bremsen. Das Parlament in Teheran hatte mit einer höheren Uran-Anreicherung von 5 bis auf 60 Prozent gedroht, sollte es während der laufenden Verhandlungen zu erneuten Sanktionen kommen. Eine Urananreicherung auf 60 Prozent würde Teheran dem Bau einer Atombombe ein grosses Stück näher bringen.

Nur noch bis kommenden März haben der Westen und der Iran nach einem selbst auferlegten Terminplan Zeit, eine Grundsatzeinigung in dem zwölfjährigen Konflikt zu erzielen. Eine umfassende Einigung soll bis Juli stehen. Der Westen will dabei sicherstellen, dass Teheran keine Atombomben entwickelt. Dem Iran, der diese Absicht stets dementiert, geht es um die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Atomgespräche mit Iran: Seit Wochen wird unter Hochdruck verhandelt  - aber hinter den Kulissen. Die Beteiligten lassen sich nicht in die Karten blicken.

    Atomstreit mit Iran - die Stunde der Wahrheit naht

    Aus Echo der Zeit vom 17.11.2014

    Wenn sich am Dienstag in Wien die Chefunterhändler der UNO-Vetomächte plus Deutschland und Iran treffen, haben sie weniger als eine Woche Zeit, um eine Lösung im Atomstreit zu finden. Beiden Seiten würde eine Einigung nützen.

    Fredy Gsteiger