Zypern hat offenbar einen Rettungsplan

Wie weiter in Zypern, und vor allem: wer soll bezahlen? Diese Frage steht nach dem Nein zu einer Sonderabgabe im Mittelpunkt. Nach einem schwierigen Verhandlungstag soll tatsächlich ein «Plan B» auf dem Tisch sein. Offiziell ist aber noch nichts.

5,8 Milliarden Euro. So viel muss Zypern auftreiben, damit die EU ihrerseits Geld zur Rettung freigibt. Seit gestern ist klar: Die Kleinsparer werden nicht zur Kasse gebeten.

Es braucht also einen «Plan B». Wie dieser aussehen soll, davon gibt es erste vage Vorstellungen. Am Abend dann erste Gerüchte. Gemäss mehreren Politikern ist eine Verhandlungslösung gefunden. Unter anderem soll den Informationen zufolge der zyprische Präsident eine «gemilderte» Zwangsabgabe für Bankeinlagen vorschlagen. Summen unter 100 000 Euro würden dabei nicht angetastet, berichteten einige Politiker. Andere meinten, diese Geldeinlagen sollten mit drei Prozent belastet werden.

Zu den Lösungsvorschlägen gehört offenbar auch die Ausgabe von Staatsanleihen. Diese sollen von Rentenkassen und der Kirche sowie anderen Institutionen in Zypern gekauft werden. Eine offizielle Bestätigung für diese Informationen steht noch aus.

Parlament soll bald entscheiden

Das Parlament ist nach Informationen des Staatsfernsehens «in Alarmbereitschaft» versetzt worden. Es müssten in den kommenden Tagen neue Gesetze gebilligt werden, mit denen die Banken vor dem Kollaps bewahrt werden. Darunter sei auch ein Verbot von Überweisungen ins Ausland, hiess es.

Falls es zu einer Einigung kommt, könnte im zyprischen Parlament bereits am Donnerstag abgestimmt werden. Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden soll um 9.30 Uhr Ortszeit (8.30 MEZ) beginnen.

Ob auch Russland Zypern unterstützt ist unklar. Erste Gespräche zwischen Zyperns Finanzminister Michael Sarris und seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow waren zunächst ohne Einigung verlaufen. Doch die Gespräche gingen weiter.

Individuelle Lösung für individuelles Problem

Zypern hatte Russland um eine Verlängerung eines existierenden Kredits im Volumen von 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre sowie um einen Zinsnachlass gebeten. Viele Russen haben ihr Geld in Zypern angelegt.

Laut SRF-Korrespondent Christof Franzen befindet sich der russische Präsident Wladimir Putin in einer Zwickmühle. «Wieso sollte Russland eine Steueroase unterstützen, in der jahrelang russische Schwarzgelder versickert sind?» Anderseits befänden sich rund 30 Milliarden an russischen Guthaben in Zypern – viel Geld. «Von einem Bankrott Zyperns wäre auch die russische Machtelite betroffen.»

Ohne Gegenleistung kein Geschäft, so scheint es. Russland werde sich die Hilfe an Zypern sicher vergolden lassen, ist Franzen überzeugt. Moskau verlange in Zukunft sicher mehr Informationen über russische Investoren auf Zypern. Es sei auch die Rede von Förderrechten für die grossen Gasvorkommen, die in Zypern entdeckt wurden. «Gemunkelt wird auch, Russland könne verlangen, einen Marinestützpunkt auf Zypern zu eröffnen.» Offenbar scheint hier eine Einigung erzielt worden sein.

Die Europäische Zentralbank bekräftigte ihre Entschlossenheit, Zypern «innerhalb der bestehenden Regeln nach Bedarf Liquidität zur Verfügung zu stellen». EZB-Direktoriums-Mitglied Jörg Asmussen hat Zypern aufgefordert, auf die Verabschiedung eines Rettungspakets hinzuwirken. «Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ein Hilfsprogramm im besten Interesse Zyperns und aller Mitgliedstaaten der Eurozone ist», sagte Asmussen in einem Interview der «Zeit».

Merkel hofft auf Alternativen

Asmussen bekräftigte, dass Zypern innerhalb der Eurozone ein Einzelfall sei. Die von der Eurozone gefundene Lösung trage «den in Europa einzigartigen Gegebenheiten des dortigen Bankensektors Rechnung. Ausserdem sehe ich kein anderes Land in Europa mit einer annähernd vergleichbaren Schieflage im Bankensektor.»

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangt von Zypern alternative Lösungsvorschläge. «Wir werden jetzt sehen, welche Vorschläge Zypern der Troika macht», sagte Merkel in Berlin. «Zypern ist unser Partner im Euro-Bereich», erklärte die Bundeskanzlerin. «Deshalb sind wir verpflichtet, gemeinsam eine Lösung zu finden.»

Banken bleiben bis Dienstag zu

Die zyprischen Banken sind seit mehreren Tagen geschlossen. Und das könnte auch noch eine Weile so bleiben. Zuerst hatte es geheissen, am Donnerstag sollten die Finanzinstitute wieder aufmachen. Doch jetzt teilte die zyprische Nationalbank mit: Die Finanzhäuser bleiben diese Woche gleich ganz zu. Damit öffnen sie frühestens am Dienstag wieder. Am Montag ist in Zypern ein Feiertag.

Die vier Szenarien

Es gibt vier Szenarien zur Zukunft des Inselstaates. Doch alle vier sind mehr schlecht als recht. Lesen Sie hier mehr dazu.