Zypern: Kommt nun die Retourkutsche aus Moskau?

Zypern ist eng mit mit Russland verbandelt. Viele reiche Russen haben ihr Geld bei zyprischen Banken angelegt. Entsprechend schmerzhaft ist das Rettungspaket für Moskau. Der Kreml könnte es nun Zypern und der EU heimzahlen.

Zwei Frauen stehen vor einem Laden. Dort hängt ein Bild des Kremls.

Bildlegende: Strassenszene in Limassol: Russen bestimmen nicht nur den zyprischen Finanzplatz – auch der Alltag wird mitgeprägt. reuters

Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, dass OIigarchen aus Russland und der Ukraine ihr Schwarzgeld in Zypern waschen würden. Tatsächlich liegt einiges russisches Kapital auf zyprischen Konten. Schätzungsweise 20 bis 30 Milliarden Euro aus russischem Besitz lagern derzeit auf zyprischen Banken.

Für die Russen ist Zypern attraktiv, weil Zypern ein Steuerparadies innerhalb der EU ist, wie der in Moskau tätige Unternehmensberater Ulf Schneider zu «ECO» sagte. «Zypern ist aber auch ein sehr intransparentes Land», so Schneider. Über 30'000 Russen sollen mittlerweile auf Zypern leben.

Die wirtschaftliche Verflechtung ist gross: Laut der russischen Wirtschaftszeitung «Wedomosti» stammen 40 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen im Riesenreich aus Zypern. Russische Banken mit einem starken Engagement in Zypern verloren am Montag an den Börse deutlich an Wert. Offenbar fürchteten Investoren, dass die geplante Zwangsabgabe auf Einlagen in Zypern die russische Konjunktur beeinträchtige.

Putin: Abgabe ist «gefährlich»

Zypern setzt neben den EU-Hilfen auch auf Unterstützung von Russland. Moskau hatte dem Inselstaat 2011 einen Kredit von 2,5 Milliarden Euro gezahlt. Nun gab es Bemühungen, dass Russland diese Geldspritze um fünf Jahre bis 2021 verlängert. Dies ist nun aber fraglich.

Die Zwangsabgaben für Anleger in Zypern schmerzen nicht nur russische Kleinanleger, sondern auch Russland. Guthaben ab 100'000 Euro sollten nach den ursprünglichen Plänen mit 9,9 Prozent besteuert werden. Präsident Wladimir Putin warnte eindringlich vor der Verabschiedung der Sonderabgabe. Diese sei «unfair, unprofessionell und gefährlich», liess sein Sprecher verlauten.

Moskau könnte Hilfe abweisen

Regierungschef Dmitri Medwedew doppelte nach: die Abgabe sehe nach Enteignung aus. Sie erinnere an Praktiken in Sowjetunion. Russland solle daraus Konsequenzen ziehen und seine Position zu Zypern ändern, so Medwedew. Details liess er aus.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow mache schon klarere Andeutungen. Die Entscheidung der Euroländer sei ohne russische Beteiligung gefallen. Dies obwohl ein koordiniertes Vorgehen abgesprochen war. Der EU-Alleingang beeinflusse auch Russlands Entscheidung über einen Kredit für Zypern.

Der Streit ist kein gutes Vorzeichen für das geplante Treffen der EU-Kommission mit Medwedew Ende dieser Woche in der russischen Hauptstadt.

Wie es mit der Zypern-Hilfe aus Moskau wirklich weitergeht, wird sich schon bald zeigen. So oder so ist Zypern aber als Anlageplatz – auch für russisches Geld – unattraktiver geworden.

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Zypern: Oligarchen-Finanzparadies in Geldnot

6:56 min, aus ECO vom 18.3.2013