Ein Jahr in zwölf Bildern

Krisen, Kriege, Katastrophen. Nur wenige Lichtblicke durchbrachen im Jahr 2015 die Negativschlagzeilen. Die zwölf wichtigsten Ereignisse im Überblick.

Unvergessliche Momente

    • 1.
      Die Flüchtlinge
      Hunderttausende Menschen suchen in diesem Jahr Zuflucht in Europa. Während die Menschen zunächst über das Mittelmeer nach Italien kommen, verschiebt sich ihre Reiseroute im Verlauf des Jahres zusehends auf den Balkan. Eine Reise der Hoffnung – vielfach ohne gutes Ende. Tausende sterben beim Versuch, Europa in Booten zu erreichen. Diejenigen, die den sicheren Hafen erreichen, sind nicht immer willkommen. Zwar betont die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel: «Wir schaffen das!» Doch die EU-Länder gehen bei der Aufnahme der Migranten getrennte Wege.
      Bundeskanzlerin Angela Merkel macht ein Selfie mit einem Flüchtling.

      Bildlegende: Kritiker werfen Merkel vor: Mit solchen Selfies habe sie die Flüchtlinge erst angelockt. Keystone

    • 2.
      Mindestkurs adé
      Die Schweizerische Nationalbank hebt zu Beginn des Jahres den Mindestkurs von 1.20 Franken zum Euro auf. Die Entscheidung lässt Franken in die Höhe schiessen und die Schweizer Börse abstürzen. Die starke Aufwertung des Frankens schadet vor allem der schweizerischen Exportindustrie und Tourismusbranche. Viele Firmen behelfen sich mit Kurzarbeit und Entlassungen.
      Ein Porträt von Thomas Jordan.

      Bildlegende: Ein einschneidender Schritt für die Wirtschaft: Thomas Jordan setzt dem Mindestkurs ein Ende. Keystone

    • 3.
      Nous sommes Charlie
      Am 7. Januar 2015 stürmen zwei schwer bewaffnete und vermummte Männer das Redaktionsbüro der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris. Sie schiessen auf die Anwesenden und fliehen. An diesem Tag töten sie zwölf Menschen. Sie werden später von der Polizei gestellt und erschossen. Zwei Tage später überfällt ein dritter Mann einen jüdischen Supermarkt und nimmt Mitarbeiter und Kunden als Geiseln. Vier Menschen sterben. Weltweit wird der islamistisch motivierte Anschlag auf die Satirezeitschrift als Angriff auf die Presse-und Meinungsfreiheit gewertet. In den sozialen Netzwerken bekunden viele Menschen mit dem Hashtag #JesuisCharlie ihre Solidarität mit den Opfern.
      Jugendliche mit Kerzen und Schildern.

      Bildlegende: Alle sind Charlie: Die Solidarität nach den Anschlägen auf die Satirezeitschift ist gross. Keystone

    • 4.
      Erdbebenkatastrophe in Nepal
      Ende April bebt die Erde in Nepal so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr. Weitere starke Nachbeben folgen. 600'000 Häuser stürzen ein, Millionen Menschen werden obdachlos. Nahezu 9000 Menschen sterben an den Folgen der Beben, 22‘000 werden verletzt. Während die internationale Hilfe langsam anrollt, kommt es zu Protesten wütender Bürger über fehlende staatliche Hilfe. Nepal ist eines der ärmsten Länder Asiens. Die weltweite Solidarität ist gross. Allein die Schweizer Glückskette sammelt 32 Millionen Franken an Spendengeldern. Der Wiederaufbau ist allerdings eine Mammutaufgabe und geht bis heute nur schleppend voran.
      Eine Frau mitten in Ruinen.

      Bildlegende: Ihr Haus ist nur noch Schutt und Staub: Eine Frauen in den Ruinen von Kathmandu. Keystone

    • 5.
      Co-Pilot reisst Passagiere in den Tod
      Beim Absturz eines Airbus A320 in den französischen Alpen kommen alle Insassen ums Leben – insgesamt 150 Personen. Die Ermittlungen zum Linienflug der Lufthansa-Tochter Germanwings von Barcelona nach Düsseldorf fördern eine traurige Tatsache zu Tage: Der Co-Pilot hat die Maschine willentlich zum Absturz gebracht. Der 27-Jährige litt unter psychischen Problemen und verschwieg seine Erkrankung.
      Zwei Männer und ein Trümmerteil der abgestürzten Germanwings-Maschine.

      Bildlegende: Unfassbar: Eine Maschine zerschellt. Keystone

    • 6.
      Ein Ausnahmesommer
      Im Juli reiht sich Temperaturrekord an Temperaturrekord. Die höchste Temperatur wird mit 39,7 Grad in Genf gemessen. Der bisherige Genfer Hitzerekord liegt 94 Jahre zurück. Auch im Tessin ist es so warm wie noch nie. Doch nicht nur in der Schweiz, sondern auch weltweit ächzen Flora und Fauna unter der Gluthitze. 2015 wird global als wärmstes Jahr in die Geschichte eingehen. Die Klimabehörden der UNO und der USA geben dem Klimawandel die Schuld. Auch das gefährliche Klimaphänomen El Niño, bei dem der Ozean viel gespeicherte Wärme wieder abgibt, trägt zum Temperaturanstieg bei. Zudem werden extreme Wetter-Phänomene beobachtet. Dazu gehören die schweren Regenfälle in Teilen Südamerikas, in Nordafrika und in China.
      Drei Knaben springen ins Wasser.

      Bildlegende: Rein ins Vergnügen: Diesen Sommer war jede Abkühlung willkommen. Keystone

    • 7.
      «Grexit» in letzter Minute abgewendet
      Im Januar werden in Griechenland vorgezogene Wahlen nötig. Alexis Tsipras vom Linksbündnis Syrzia gewinnt die Wahl mit dem Versprechen, er werde alle Sparprogramme «zerreissen». In der Folge entbrennt mit den internationalen Geldgebern ein Streit um ein neues Reformpaket. Der erhoffte Kompromiss bleibt zunächst aus. Doch die neue Regierung wird schnell von der Realität eingeholt. Die «Grexit»-Debatte wird hitziger. So sehr, dass die Banken schliessen müssen, die Griechen können nur noch 60 Euro am Tag abheben. Tsipras organisiert eine Volksabstimmung gegen die Sparpolitik – und siegt erneut. Doch dann macht er eine radikale Kehrtwende und unterzeichnet noch härtere Sparmassnahmen im Gegenzug für Finanzhilfen. Der Regierungschef setzt Neuwahlen am 20. September an – und gewinnt auch diese souverän. Die finanzielle Zukunft Griechenlands ist allerdings weiterhin nicht dauerhaft gesichert.
      Menschen stehen Schlange vor einer Bank.

      Bildlegende: Die Unsicherheit ist gross: Schafft Griechenland den Sprung in die Normalität. Keystone

    • 8.
      Wahlen 2015
      Am 18. Oktober wird das Schweizer Parlament neu bestellt. SVP und FDP sind die grossen Sieger der Wahlen 2015. Herbe Stimmverluste müssen hingegen die Grünen und die BDP hinnehmen, gefolgt von den Grünliberalen und der CVP. Auf personeller Ebene kommt es zu einigen Überraschungen. Unerwartet schafft Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher für die SVP und den Kanton Graubünden den Einzug in die grosse Kammer. Das Glanzresultat gelingt «Weltwoche»-Chef Roger Köppel. Er schafft es vom SVP-Listenplatz 17 an die Spitze – und wird damit zum bestgewählten Nationalrat überhaupt. Dafür müssen Christoph Mögeli (SVP/ZH) und Hans Fehr (SVP/ZH) ihren Sitz räumen. Ebenfalls abgewählt wird der Schwyzer Andy Tschümperlin – bisher Fraktionschef der SP. Dafür schafft Daniel Jositsch (SP/ZH) die Wahl in den Ständerat auf Anhieb.
      Roger Köppel umringt von Journalisten.

      Bildlegende: Mit dem besten Resultat: Verleger Roger Köppel schafft für die SVP den Sprung ins Parlament. Keystone

    • 9.
      Die Abgas-Affäre
      Anfang September kommt der VW-Skandal ins Rollen. Die US-Umweltbehörde wirft dem deutschen Autobauer Manipulationen bei Dieselfahrzeugen vor, um Abgasnormen zu umgehen. Zunächst geht VW von weltweit etwa elf Millionen betroffenen Autos aus – Ende Jahr relativiert der Autobauer diese Zahl. Dennoch: Aus den USA drohen Schadensersatzforderungen von bis zu 18 Milliarden Dollar. VW-Chef Martin Winterkorn tritt am 23. September zurück. Sein Nachfolger wird Porsche-Chef Matthias Müller.
      Das VW-Logo sticht in den Himmel.

      Bildlegende: Wolken ziehen auf: Der VW-Skandal bremst den Autobauer aus. Keystone

    • 10.
      Der Fifa-Skandal
      Der Fussball-Weltverband Fifa wird 2015 in seinen Grundfesten erschüttert. Ende Mai, kurz vor Beginn des Fifa-Kongresses in Zürich, werden sieben hochrangige Funktionäre wegen Verdachts auf Bestechung von der Polizei verhaftet. Der nächste Paukenschlag folgt sogleich: Der 79-jährige Joseph S. Blatter gibt, nur vier Tage nach seiner Wiederwahl, seinen Rücktritt als Fifa-Präsident bekannt. Der Weltfussballverband steht im Fokus des FBI und der Bundesanwaltschaft. Ermittelt wird gegen Funktionäre wegen Korruption, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei. Die Fifa-Ethik-Kommission suspendiert den Präsidenten des Fussballverbands Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini für jeweils 90 Tage von allen Aktivitäten. Beiden droht eine lebenslange Sperre.
      Ein leerer Stuhl.

      Bildlegende: Der Paukenschlag folgt kurz nach der Wiederwahl: Joseph S. Blatter räumt seinen Stuhl. Keystone

    • 11.
      Freitag der 13. in Paris
      An einem lauen Freitagabend im November attackieren IS-Terroristen mehrere Ziele in der Innenstadt von Paris. 130 Menschen sterben, 352 werden verletzt. In der Konzerthalle «Bataclan» richten die Attenäter ein Massaker an, Bars und Restaurant werden beschossen. Am Nationalstadion Stade de France sprengen sich während des Fussball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Attentäter in die Luft. Insgesamt sterben sieben Terroristen. Präsident François Hollande ruft den Ausnahmezustand aus. Hollande spricht von einem «Kriegsakt» und befiehlt massive Luftangriffe auf die Terrorgruppe IS in Syrien.
      Der Eiffelturm in rot-weiss-blau.

      Bildlegende: Nach den Anschlägen in Paris erleuchtet der Eiffelturm in den Farben der Trikolore. Reuters

    • 12.
      Ein weiterer Westschweizer im Bundesrat
      Ende Oktober erklärt Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ihren Rücktritt nach acht Amtsjahren. Die SVP pocht nach ihrem klaren Wahlsieg auf einen zweiten Sitz im Bundesrat und präsentiert ein Dreier-Ticket: Thomas Aeschi (ZG), Norman Gobbi (TI), Guy Parmelin (VD). Zwar anerkennen die anderen Parteien den Anspruch der Volkspartei auf einen weiteren Sitz, bemängeln allerdings die Auswahl. Kurz vor den Wahlen Anfang Dezember jagen sich Gerüchte über Sprengkandidaten. Am Wahltag fällt die Entscheidung dann verhältnismässig schnell: Der Waadtländer Weinbauer Guy Parlmelin macht das Rennen im dritten Wahlgang. Er übernimmt das Verteidigungsministerium von seinem SVP-Bundesratskollegen Ueli Maurer. Dieser wechselt ins Finanzministerium. Ebenfalls neu gewählt wird der Nachfolger von Corina Casanova. Das Bundeskanzleramt übernimmt Walter Thurnherr (CVP).
      Sieben Bundesräte und der Bundeskanzler im Porträt.

      Bildlegende: Die Schweizer Regierungsriege hat zwei neue Mitglieder: Guy Parmelin (ganz rechts) und Walter Thurnherr (ganz links). Reuters