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Long-Covid: Was mittlerweile bekannt ist
Aus Echo der Zeit vom 16.09.2022.
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Langzeitfolgen von Covid-19 Wissensstand über Long Covid wird immer solider

Mehr und mehr Erkenntnisse über Long Covid werden gewonnen. Ein Blick auf die Forschung, kurz vor der Herbstwelle, für die mit steigenden Fallzahlen zu rechnen ist.

Viren machen krank, und zwar akut. Fieber, Schnupfen, Husten, Gliederschmerzen. Dass Viren auch längerfristig krank machen können, hat man noch kaum auf dem Radar. Es dominiert das Bild der Infektion, die vollständig ausheilt – obwohl Long Covid heute ein bekanntes Stichwort ist.

«Dieses falsche Bild ist eines der grossen Missverständnisse dieser Pandemie», sagt Al-Aly Ziyad, Mediziner am Institut für Public Health an der Washington University in St. Louis, Missouri, in den USA. Von ihm stammt die bisher grösste Studie über Folgen einer Corona-Infektion für Herz und Blutkreislauf.

Spätfolgen bei 4 von 100 Infizierten

Demnach erleiden vier Prozent der Coronainfizierten innerhalb des ersten Jahres nach der Infektion einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, eine schwere Thrombose oder eine andere schwere Komplikation.

Es waren alles Menschen, die ohne Corona-Infektion keine solche Herzerkrankung entwickelt hätten.
Autor: Al-Aly Ziyad Institut for Public Health, Washington University, St. Louis

Betroffen seien allesamt Personen gewesen, die ohne Corona-Infektion keine solche Herzerkrankung entwickelt hätten, sagt Ziyad. Dies schliesst er aus dem Vergleich mit der Studiengruppe ohne Corona-Infektion und wie häufig dort solche Herzerkrankungen waren.

Keine schwere Infektion nötig

Ziyads Studie ist eine von inzwischen vielen zu Long Covid. Eine weitere aus Deutschland zeigte kürzlich, dass bei vielen Betroffenen eine milde, aber hartnäckige Herzmuskelentzündung die Ursache für Herzrasen und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit nach einer Sars-CoV2-Infektion ist.

90 Prozent jener Menschen, die Long Covid entwickeln, hatten ursprünglich keine schwere Infektion.
Autor: Milo Puhan Long-Covid-Experte, Universität Zürich

«90 Prozent jener Menschen, die Long Covid entwickeln, hatten ursprünglich keine schwere Infektion», sagt Long-Covid-Experte Milo Puhan von der Universität Zürich. Unklar ist bisher, welche Faktoren das Risiko für Long Covid bestimmen. Es scheint nach derzeitiger Datenlage jeden und jede treffen zu können. Weitere Studien sollten in Zukunft mehr Klarheit schaffen.

Impfung senkt Risiko für Long Covid

Was sich laut Puhan mittlerweile schon deutlich abzeichnet: «Bei einer Durchbruchsinfektion, also einer Infektion nach einer Impfung, ist das Risiko für Long Covid deutlich reduziert.» Allerdings liegt der Schutzeffekt nicht bei rund 90 Prozent, wie beim Schutz der Impfung vor schweren akuten Verläufen, sondern eher bei etwa 50 Prozent.

IV: Noch keine harten Zahlen zu Long Covid

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In der Invalidenversicherung (IV) gibt es nach wie vor relativ wenige Fälle von Menschen, die ganz offiziell wegen Long Covid eine Rente beziehen. Die Zahl jener Personen, die durch Long Covid mehr oder minder lang und mehr oder minder stark eingeschränkt sind oder waren, liegt deutlich höher. «Viele von ihnen werden im persönlichen und beruflichen Umfeld aufgefangen, sodass sie ohne staatliche Hilfe auskommen», sagt Milo Puhan, Long-Covid-Experte an der Universität Zürich.

Überraschend sei das nicht, so Puhan: «Die Immunantwort durch eine Impfung wirkt direkt gegen das Virus, also direkt auf das, was die Infektion antreibt. Long Covid ist deutlich komplizierter.»

Die Immunantwort durch eine Impfung wirkt direkt gegen das Virus. Long Covid ist deutlich komplizierter.
Autor: Milo Puhan Long-Covid-Experte, Universität Zürich

Ähnlich sieht es für Menschen aus, die eine erste Infektion schon durchgemacht haben. «Bei einer Reinfektion ist das Risiko, im zweiten Anlauf noch Long Covid zu entwickeln, weiter substanziell», sagt US-Forscher Al-Aly Ziyad. Das gelte auch, wenn die erste Infektion folgenlos ausgeheilt sei.

Hinweise auf kleines Parkinson-Risiko

US-Forscher Richard Smeyne fügt dem Mosaik an langfristigen Corona-Folgen einen weiteren Stein hinzu: Parkinson. Den Effekt von Grippeviren auf die Häufigkeit von Parkinson untersuchte er bereits vor der Corona-Pandemie.

Menschen, die sich während der Pandemie 1918 als junge Menschen angesteckt hatten, waren Jahrzehnte später zwei- bis dreimal häufiger an Parkinson erkrankt. Auch nach der Schweinegrippe 2009 fanden dänische Forscher eine erhöhte Zahl von Patienten mit einer Parkinson-Erkrankungen.

Wie gross der Effekt von Coronainfektionen auf die Häufigkeit von Parkinson sein kann, untersucht Smeyne nun.

Smeynes Studie mit genesenen Mäusen

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Der US-Forscher Richard Smeyne infiziert für seine Studie Mäuse mit Sars-CoV2 und wartet, bis sie wieder gesund sind und verabreicht ihnen dann eine kleine Menge eines Gifts, das in dieser Dosierung normalerweise kein Parkinson auslösen würde. Bei Mäusen, die die Infektion durchgemacht hatten, genügte die kleine Dosis, um die Krankheit auszulösen. Ähnliche Ergebnisse fand Smeyne mit Grippeviren.

Parkinson wird häufig durch zwei aufeinanderfolgende Ereignisse ausgelöst. Smeynes Studie zeigt, dass Sars-CoV2 eines davon sein kann. Klar ist: Das relative Risiko für Parkinson bleibt auch nach einer Corona-Infektion sehr niedrig. Doch die Versuche mit Mäusen zeigen, dass die Infektion das Risiko spürbar steigen lässt. Smeyne schätzt, es sei etwa vergleichbar stark wie die Grippevirenvarianten von 1918.

Echo der Zeit, 16.09.2022, 18:00 Uhr

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