33 Jahre unschuldig im Knast

Ein Matrose in den USA soll 1982 eine Frau vergewaltigt und dessen Mann getötet haben. Vier Jahre später wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun steht fest: Keith Harward sass unschuldig hinter Gittern. Und er ist in den USA kein Einzelfall.

Ein Bild von Keith Harward, der in den USA 33 Jahre unschuldig hinter Gitter war. (reuters)

Bildlegende: 2015 kamen in den USA 149 Menschen frei – nach Jahren unschuldig hinter Gittern. Keith Harward ist also keine Ausnahme. Reuters

Bundesstaat Virginia, 1982: Ein Mann vergewaltigt eine Frau und tötet deren Mann. 1983 wird der 26-jährige Matrose Keith Harward deswegen inhaftiert, drei Jahre später wird ihm der Prozess gemacht. Die Richter urteilen: lebenslange Haft. Zur Verurteilung reichte damals der angebliche Zahnabdruck Harwards am Hals der Frau.

Nun hat der oberste Gerichtshof in Virigina dieses Urteil widerrufen. Denn neueste DNA-Tests haben gezeigt: Harward war nicht der Täter des Verbrechens. Er sass also 33 Jahre lang unschuldig hinter Gittern. Generalstaatsanwalt Mark Herring sagte, das Justitzsystem habe falsch gelegen: «Es ist eine Tragödie. Keith Harward war über 30 Jahre im Gefängnis für eine Tat, die er nicht begangen hat.»

«  Wir können ihm diese Jahre nicht zurückgeben. Aber wir können versuchen, es diesmal richtig zu machen – so schnell wie möglich. »

Mark Herring
Generalstaatsanwalt Bundesstaat Virigina

Die neusten DNA-Tests hatten einen anderen Täter ans Licht gebracht – ebenfalls ein Matrose. Dieser sass wegen anderen Delikte im Gefängnis. Dort soll er mittlerweile verstorben sein.

Harward ist kein Einzelfall

2015 waren in den USA insgesamt 149 Menschen freigelassen worden, nachdem sie durchschnittlich jeweils 14,5 Jahre unschuldig im Gefängnis sassen. Zu diesem Schluss ist die Rechtsfakultät der Universität von Michigan im Februar gekommen.

Zwei Drittel der Betroffenen gehörten demnach ethnischen Minderheiten an – die Hälfte von ihnen waren Schwarze. Die Dunkelziffer der unschuldig Verurteilten in den USA liegt den Autoren der Studie zufolge sogar noch deutlich höher.