45,5 Stunden Stau

Am Gotthard staute sich der Osterverkehr in diesem Jahr wie nie zuvor. Fast zwei Tage lang löste sich die Blechlawine nicht auf. Auch bei der Rückreise mussten sich die Autofahrer in Geduld üben.

Autofahrer im Stau hält seinen Fuss aus dem Fenster.

Bildlegende: Genug Zeit zum Beine strecken: Vor dem Gotthard staute sich der Verkehr durchgehend fast zwei Tage lang. Keystone

Der Osterstau hat dieses Jahr alle Rekorde gebrochen. Noch nie stauten sich die Autos so lange vor dem Gotthard-Nordportal. Die Blechlawine löste sich erst nach über 45,5 Stunden auf. Die milden Wetteraussichten hatten viele Kurzentschlossene in den Süden gelockt.

Bereits am Gründonnerstag knackte das Thermometer im Süden und im unteren Misox die 20-Grad-Marke. Auch danach blieb es auf der Alpensüdseite mit Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad freundlich. Im Norden und Osten der Schweiz war der Start ins Osterwochenende dagegen buchstäblich ins Wasser gefallen.

Kalter Samstag im Norden – Flucht in den Süden

Laut SRF Meteo tobte im Norden vielerorts erneut der Sturm und es gab teilweise viel Regen. Die Schneefallgrenze sank am Samstag gar unter 1000 Meter. Im Mittelland erreichten die Temperaturen an den Ostertagen maximal zehn Grad.

Das Resultat war ein Rekordstau in Richtung Süden, der sich nicht alleine mit dem Ferienbeginn in der Schweiz erklärte. Das freundliche Wetter habe viele Deutsche und Holländer bewogen, spontan in den Süden zu reisen, schreibt der Verkehrsinformationsdienst viasuisse.

Dauerstau von Mittwoch bis Freitag

Doch bereits am Mittwoch war es vor dem Gotthard-Nordportal zu Staus gekommen, als sich viele Reisende auf den Weg in Richtung Süden machten. Am frühen Donnerstagmorgen bildete sich dann ein Dauerstau bis Karfreitagabend.

Bei der Rückreise am Ostermontag war am Gotthard erneut Geduld gefragt. Ab Mittag begann sich vor dem Südportal Stau zu bilden, zeitweise standen die Autos am Nachmittag gemäss viasuisse auf einer Länge von acht Kilometern im Stau. Und auch am frühen Abend betrug die Staulänge noch immer sieben Kilometer.

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Stau am Gotthard (unkommentiert)

0:21 min, vom 6.4.2015

Gross war das Verkehrsaufkommen aber nicht nur vor dem Gotthard-Tunnel. Viele Reisende versuchten, die kilometerlangen Staus über die A13 zu umfahren. Nach Angaben der Bündner Kantonspolizei staute sich der Verkehr am Nachmittag vor dem San-Bernardino-Tunnel auf einer Länge von rund 15 Kilometern.

Auch vor dem Grossen St. Bernhard-Tunnel betrug der Zeitverlust bis zu einer Stunde. Beim Autoverlad durch den Simplon mussten die Autofahrer zeitweise bis zu zwei Stunden warten.

Der Kluge reist im Zuge

Wer mit dem Zug ins Tessin verreiste, konnte den Stau umgehen: Die SBB schickte über Ostern fünf Zusatzzüge ins Tessin und ins Wallis und wieder zurück. Diverse Regelzüge wurden zudem verlängert. So stellte die SBB über Ostern 18'000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung.

Pech hatte allerdings, wer ins Engadin reisen wollte. Die RhB-Strecke Chur - St. Moritz war am Karfreitag wegen Steinschlaggefahr zwischen Thusis und Tiefencastel unterbrochen. Nach einer Sicherheitssprengung konnte die RhB das Stein- und Felsmaterial bis am Samstagabend wegräumen.

«Manche brauchen den Stau»

Polizist mit roter Warnweste und Aufschrift Polizei von hinten neben einer Autokolonne

Wichtigste Aufgabe der Polizei bei Stau ist es, die Autos so zu lenken, dass die Unfallzahl möglichst klein bleibt. Keystone

30 Jahre lang hat Werner Kappeler von der Kantonspolizei Uri an den Ostern jeweils die Blechlawine vor dem Gotthard gemanagt. SRF News sprach mit ihm über den Umgang mit gestressten Autofahrern. Lesen Sie das Interview hier.