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Horrende Annullationskosten für abgesagte Kulturreise
Aus Espresso vom 06.04.2021.
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Abgesagte China-Reise Stures Reisebüro foutiert sich um Rückerstattung

Ein Ehepaar soll Annullationskosten übernehmen, weil der Reiseveranstalter keinen Grund sieht für eine Rückerstattung.

Ein Ehepaar meldet sich beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: Es fühlt sich im Stich gelassen. Eigentlich hatten sie sich auf die geplante China-Reise gefreut. Im Oktober 2020 wäre es losgegangen. Auf die Kultur-Reise aufmerksam wurden sie durch das Museum Rietberg in Zürich. Die Museumsgesellschaft offeriert immer wieder Kultur-Reisen in ferne Länder, zusammen mit Experten und Expertinnen des Museums und in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter «Reisen und Kultur» in Zürich.
Wie viele andere Reisen fiel auch diese der Pandemie zum Opfer. Das Reisebüro informierte: Entweder das Paar verschiebe die Reise um ein Jahr (mit Zusatzkosten), oder es verzichte auf die Reise und müsse mit Annullationskosten rechnen.

Annullationskosten – zu Unrecht

Die beiden entschieden sich, ganz auf die Reise zu verzichten und erhielten prompt die Rechnung: Knapp 2800 Franken mussten sie für die Annullation bezahlen, von der geleisteten Anzahlung erhielten sie nur noch einen Bruchteil zurück.

Auf seine Reklamation hin beschied «Reisen und Kultur» dem Ehemann, er könne den Verlust ja bei seiner Reiseversicherung anmelden. Doch diese winkt ab: In einem solchen Fall sei vorgesehen, dass der Reiseveranstalter sämtliche Kosten rückerstatte. Vom Ombudsmann der Reisebranche erhält der Kunde dieselbe Einschätzung: Ein Reisebüro könne in solchen Fällen für seine Aufwände zwar eine Bearbeitungsgebühr verlangen, aber grundsätzlich hätten die Kunden Anspruch auf Rückerstattung.

Reiseverbands-Präsident: «Volle Rückzahlung»

Die gesetzliche Grundlage für diese Einschätzung bildet das Pauschalreisegesetz. Dieses sagt klar, dass wenn eine Reise nicht stattfinden kann, der Konsument Anspruch hat auf Rückerstattung von bereits bezahlten Kosten. Wie schon in früheren Berichten zum Thema bestätigt dies auch Rechtsprofessor Vito Roberto von der Hochschule St. Gallen.

Wenn die Reise vom Reisebüro annulliert wird, hat der Kunde grundsätzlich immer Anspruch auf die Rückzahlung des vollen Arrangement-Betrags.
Autor: Walter KunzSchweizer Reiseverband

Und sogar bei der Organisation der Reiseveranstalter, beim Schweizer Reiseverband, heisst es vom Präsidenten Walter Kunz: «Wenn die Reise vom Reisebüro annulliert wird, hat der Kunde grundsätzlich immer Anspruch auf die Rückzahlung des vollen Arrangement-Betrags.» Auch er hält aber eine Bearbeitungsgebühr für die Aufwände des Reiseveranstalters für gerechtfertigt, maximal 200 Franken.

Argumente und Kritik stossen auf Widerstand

Für alle diese Argumente haben die Verantwortlichen von «Reisen und Kultur» kein Verständnis. Sie wähnen sich im Recht und schreiben «Espresso» eine Stellungnahme über fünf A4-Seiten. Darin heisst es unter anderem, der Veranstalter hafte laut Pauschalreisegesetz nicht, wenn die Reise aus Gründen der höheren Gewalt nicht habe durchgeführt werden können. Hier liegt aber ein Missverständnis vor: Im entsprechenden Abschnitt des Gesetzes (Artikel 15) geht es um die Haftungsfrage. Diese betrifft Schäden. Wenn also ein Kunde Schadenersatz fordern würde, könnte der Reiseveranstalter eine Haftung ablehnen. Das Ehepaar fordert aber lediglich die bereits bezahlten Kosten zurück.

Weiter verweist «Reisen und Kultur» auf die Reiseversicherungen, welche für solche Fälle einspringen. «Espresso» hat jedoch bei drei grossen Anbietern von Reiseversicherungen nachgefragt, ob sie in einem solchen Fall die Kosten übernehmen würden. Alle schreiben, dies sei nur in Ausnahmen vorgesehen, denn das Pauschalreisegesetz sei klar und die Reiseveranstalter seien in der Pflicht.

Espresso, 06.04.2021, 08:13 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Frömelt  (Heinz Frömelt)
    Es ist zu einfach, alles auf den Reiseveranstalter abzuwälzen. Ich muss dem Veranstalter in grossen Teilen zustimmen. Er konnte gemäss Art.15 (Pauschalreisegesetz) die Leistung auf Grund eines Ereignisses nicht erbringen, dass er trotz aller Sorgfalt nicht vorhersehen konnte. Somit gilt für mich: Bei Buchung der Reise 2019, konnte der Veranstalter das Ereignis nicht vorhersehen. Bei Buchung 2020, hätte er das Ereignis vorhersehen können und ist haftbar. Bei Buchung2019 gilt die Reiseversicherung
    1. Antwort von Redaktion «Espresso» (SRF)
      @Heinz Frömelt In Artikel 15 des Pauschalreisegesetzes handelt es sich um Haftungsfragen gegenüber dem Konsumenten, der Konsumentin. Es geht also um allfällige Schadenersatzforderungen des Kunden. Im «Espresso»-Fall geht es aber um die Rückerstattung der bereits bezahlten Kosten, wie sie in Artikel 10 und 11 völlig klar geregelt ist.
  • Kommentar von Heinz Hirter  (Imagine)
    Wenn ich selber nicht gewillt oder nicht fähig bin, eine Reise zu organisieren, und diese Arbeit einem Reiseveranstalter übertrage, heisst dies auch, dass ich Vertragsbedingungen des Veranstalters unterschreibe und akzeptiere. Der Veranstalter hat die Reise organisiert und vorbereitet – seine Arbeit somit geleistet. Wer die geleistete Arbeit eines Veranstalters nicht honorieren will, darf aus meiner Sicht seine Reisen auch selber organisieren oder zuhause bleiben. Eigenverantwortung ist gefragt.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Heinz Hirter, eine Kulturteise selber zu buchen ist unmöglich. Eine Kulturreise ist nicht einfach ein Flug, Transfer zum Hotel und das Hotel buchen. Es ging bei der oben genannten Reise um Kultur zu geniessen eventuell ist es mit einer Rundreise verbunden. Ich habe schon viele Male Ferien selber geplant und gebucht. Wenn es dann Probleme gibt wie bei Corona muss man dann selber schauen wie man heimkommt.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Rechnungstellung, Betreibung, Rechtsöffnung, gerichtliche Feststellung, fertig.