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«Es ist nie ratsam, aus stehenden Gewässern zu trinken»
Aus Info 3 vom 31.07.2020.
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Algengift im Neuenburgersee «Kinder und Hunde vom Trinken abhalten»

Die Kantonspolizei warnt vor dem Baden im Neuenburgersee – und das ausgerechnet an einem heissen Tag wie heute. Der Grund dafür sind mehrere vergiftete Hunde. Die Behörden in Neuenburg vermuten, dass Cyanobakterien dafür verantwortlich sind. Untersuchungen dazu laufen. Doch was hat es mit diesen Bakterien genau auf sich? In kleinen Mengen seien sie nicht gefährlich, sagt SRF-Wissenschaftsredaktioin Katharina Bochsler.

Katharina Bochsler

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Katharina Bochsler arbeitet seit 2006 in der SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Psychologie und Germanistik studiert. Ihre Spezialgebiete sind Psychologie, Anthropologie, Ethik und Raumfahrt.

SRF News: Wie aussergewöhnlich ist es, dass solche Cyanobakterien – auch Blaualgen genannt – in einem See vorkommen?

Katharina Bochsler: Das ist an und für sich nichts Aussergewöhnliches. In stehenden Gewässern hat es immer Cyanobakterien. Aber problematisch wird es, wenn es zu einer extremen Vermehrung dieser Algen kommt. Man spricht dann in diesem Fall von einer Algen- oder Cyanobakterienblüte. Und solche Blüten gibt es immer häufiger, und zwar weltweit. In der Schweiz kennt man sie vor allem von kleinen Seen wie dem Baldegger- oder dem Greifensee.

Warum kommt das gerade in kleineren Seen öfter vor?

Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die Umweltbedingungen verändern, und zwar zugunsten der Algen. Es sind zwei Faktoren, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind: Zum einen der erhöhte Nährstoffeintrag in den Gewässern, zum Beispiel Dünger oder Gülle aus der Landwirtschaft.

Zum anderen ist der Klimawandel eine wichtige Ursache – das heisst, die Erwärmung der Gewässer. Denn die Algen haben es gerne warm. Und diese Kombination aus Nährstoffeintrag und Klimaerwärmung führte in den vergangenen Jahren dazu, dass solche Cyanobakterienblüten immer häufiger und auch immer extremer werden.

Wie gefährlich sind diese Bakterien?

In niederen Konzentrationen sind sie nicht gefährlich, in Höheren aber schon. Dabei ist nicht das Bakterium an sich gefährlich, sondern sein Stoffwechsel beziehungsweise die Stoffe, die das Bakterium ins Wasser entlässt. Cyanobakterien produzieren einen ganzen Cocktail an unterschiedlichen potenziellen Giften. Am bekanntesten sind die sogenannten Microcystine, die vor allem für die Leber giftig sind. Der Cocktail kann aber bei Kontakt auch zu Hautirritationen führen, zu Bindehautentzündungen oder Ohrenschmerzen.

Die Gefährlichkeit hängt natürlich auch davon ab, wie viel getrunken wird.

Wenn zum Beispiel Kinder oder Tiere das Wasser schlucken, dann kann das zu Erbrechen, Durchfall, Gliederschmerzen und neurologischen Problemen führen. Aber die Gefährlichkeit hängt natürlich auch davon ab, wie viel getrunken wird. Ein Schluck Wasser ist natürlich nicht dasselbe, wie wenn ein Hund zum Beispiel in grösseren Mengen trinkt, um den Durst zu stillen.

Im Neuenburgersee raten die Behörden vorerst davon ab, baden zu gehen. Was heisst das für andere Seen? Kann man da bedenkenlos baden gehen?

Vorläufig schon. Trotzdem: Man muss einfach wissen, es ist eigentlich nie ratsam, aus stehenden Gewässern zu trinken oder das Wasser zu schlucken. Denn da hat es auch andere ungemütliche Wesen und Verunreinigungen drin. Daher rate ich, Kinder und Hunde vom Trinken abzuhalten.

Das Gespräch führte Mario Sturny.

Info3, 31.07.2020, 12:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von guenther wuesten  (g.wuesten)
    Es gibt keine Alternative zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Weniger Gülle, weniger Algenwachstum im See, sauberes Wasser eigentlich nicht kompliziert. Und die Landwirtschaft kann es sich nicht leisten Quelle der Umweltverschmutzung zu sein.
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  • Kommentar von Günter Rieker  (guedi)
    Aber eigentlich ist ja ein weiteres Mal Nitrat und Stickstoff für das Algenwachstum verantwortlich. Wahrscheinlich im März 21 werden wir über die Trinkwasser-Initiative abstimmen, die den sorgfältigen Umgang mit unserem Wasser auch wirtschaftlich attraktiv machen wird.
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    1. Antwort von Daniel Keller  (d.keller)
      Woher kommt wohl die Redensart "Bauernopfer"? Beim Schwarzpeterspiel kämpfen sie immer an vorderster Front.
      @ guedi: Sie scheinen sich in Chemie ja offenbar auch auszukennen!
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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Nach einer grossen Algenblüte sterben die Bakterien irgendwann in grosser Anzahl ab und durch die dadurch entstehenden Prozesse wird dem Wasser Sauerstoff entzogen, was dann zu einem Fischsterben führen kann.
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    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Ist das nicht ein geschlossener Kreislauf? Die Algen wachsen aus Organica (Dreck) im Wasser, nachher zerfallen sie wieder zu diesen? Zwischendrin haben die Algen noch Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, der beim Zerfall auch wieder wo hin muss. Die Algen machen die Wasserqualität (auch beim Absterben) nicht schlechter sondern besser. Und die Bakterien sind in diesem Kreislauf drin.- Schuld am Fischsterben sind also nicht die Bakterein, sondern der Dreck im Wasser von dem sich die Algen nährten.
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    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Ging mir auch weniger um die Schuldfrage, denn natürlich sind äussere Einflüsse ursächlich für die ganze Geschichte. Die Erklärung ist etwas gar lang für dieses Forum aber sehr interessant. Googeln Sie mal "lgln cyanobakterien". Das FAQ dort erklärt es ganz gut.
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