Arzt und Patient Alles klar, Doc?

Wer ein Hotel buchen oder ein Auto kaufen will, schaut im Internet nach. Geht es jedoch um die eigene Gesundheit, sind viele nachlässig und tun, was der Arzt sagt – auch wenn sie sich unwohl und unverstanden fühlen. Dabei ist eine gute Arzt-Patient-Beziehung entscheidend für den Heilungsprozess.

Video «Kompetent als Patient – Was kann ich meinen Arzt fragen?» abspielen

Kompetent als Patient – Was kann ich meinen Arzt fragen?

18 min, aus Puls vom 27.3.2017

Wer krank ist oder ein Leiden hat, erkundigt sich gerne zuerst im Internet, sucht Erklärungen, Diagnosen und Gleichgeplagte. Das kann hilfreich sein, doch das alleine reicht nicht, wenn jemand zum Arzt geht.

«Auf einen Arztbesuch sollte man sich vorbereiten wie auf eine wichtige Sitzung», sagt Delia Schreiber, die Patienten coacht, wenn sie nicht mehr weiter kommen mit ihrem Arzt.

«Das heisst, ich überlege mir zuerst, was ich überhaupt will, was mein Ziel ist, welches meine Beschwerden sind. Am besten notiert man sich das alles möglichst präzis und nimmt diesen Zettel dann mit zum Arzt.»

Kompetente Patienten

Der Effekt ist unbestritten: Hier sitzt eine kompetente Patientin dem Arzt gegenüber und kann genau Auskunft geben, wie das Befinden ist. «Das ist zeitsparend, und der Arzt nimmt mich automatisch ernster, wenn er merkt, dass ich informiert bin und ganz klar weiss, wie es mir geht und was ich möchte», sagt die Psychologin Delia Schreiber.

«  Auf einen Arztbesuch sollte man sich vorbereiten wie auf eine wichtige Sitzung. »

Delia Schreiber

Wer zum Arzt geht und sich erst in der Praxis überlegt, was genau das Leiden und die Beschwerden sind, läuft auch Gefahr, den Arzt oder die Ärztin auf eine falsche Fährte zu bringen. Studien belegen zudem: Wenn sich Arzt und Patient nicht verstehen, lenkt das vom eigentlichen Problem ab und begünstigt Fehldiagnosen.

Über Befindlichkeit reden

Heute weiss man auch: Ist die Beziehung zwischen Arzt und Patient gut, stärkt das den Heilungsverlauf. Doch wie gut eine Beziehung ist, liegt in der Verantwortung beider Parteien. Wer meint, er oder sie sei den Launen und Diagnosen des Arztes ausgeliefert, übernimmt zu wenig Selbstverantwortung.

Wer sich unwohl, nicht verstanden oder nicht aufgehoben fühlt, sollte reden, statt den Arzt oder die Ärztin zu wechseln. «Ein Arztwechsel kostet in der Regel unglaublich viel Kraft. Zudem wird man dadurch zusätzlich verunsichert, zweifelt an sich selber – und im Krankheitsprozess ist einem nicht im Geringsten damit gedient, wenn man das Vertrauen in sich selber verliert», sagt Delia Schreiber.

Sie rät darum, den Arzt darauf anzusprechen, wenn man sich nicht wohl oder nicht verstanden fühlt.

Eine Sonderkonsultation verlangen, um ausschliesslich über das Unbehagen zu reden. Darf man das? «Ja, das kann man verlangen. Nur steigt nicht jeder Arzt darauf ein. Aber wenn er das nicht macht, dann wissen Sie ja, woran Sie bei ihm sind.»

Freundin oder Partner mitnehmen

Die eigene Befindlichkeit wahrnehmen und sich gut auf einen Arztbesuch vorbereiten, verhindert wohl schon manchen Konflikt und führt wohl auch schneller zum Ziel. Wer unsicher ist, sollte sich mit Freunden oder dem Partner besprechen, das schafft Sicherheit. Ebenfalls nützlich: Eine Vertrauensperson mitnehmen zum Arztbesuch. Vier Ohren hören mehr.

«  Suchen Sie sich in gesunden Tagen einen guten Hausarzt, dem Sie 100 Prozent vertrauen und der ein gutes Netzwerk von Fachärzten hat. »

Delia Schreiber

Am wichtigsten jedoch ist die Vorsorge, sagt Delia Schreiber. «Wir sind sehr nachlässig mit unserer Gesundheit, solange wir gesund sind. Am besten sucht man sich in gesunden Tagen einen guten Hausarzt, dem man 100 Prozent vertraut und der ein gutes Netzwerk von Fachärzten hat. Wenn ich mich dort gut aufgehoben fühle, stehe ich bereits auf sicherem Boden.» Aber darum sollte man sich eben kümmern, solange man gesund ist und nicht erst, wenn man krank wird.

Sendung zu diesem Artikel