Alternativer Nobelpreis für Philantropen – und für «Cumhuriyet»

Die Auszeichnungen, die in kritischer Distanz zu den regulären Nobelpreisen verliehen werden, gehen in die politischen Hexenkessel: nach Syrien und in eine türkische Redaktion.

Schon im 2015 abgeriegelt: der Eingang zur Redaktion von «Cumhuriyet».

Bildlegende: Schon im 2015 abgeriegelt: der Eingang zur Redaktion von «Cumhuriyet». Reuters

Für ihren Einsatz bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg ist die Organisation Weisshelme mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Zum ersten Mal geht der Preis damit nach Syrien, wie die Right Livelihood Award Stiftung in Stockholm berichtet.

Ausserdem wurden die ägyptische Feministin Mozn Hassan, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die türkische Zeitung «Cumhuriyet» geehrt. Die vier Preisträger teilen sich das Preisgeld von drei Millionen schwedischen Kronen (rund 340'000 Franken).

Den Alternativ Nobelpreis erhalten alljährlich ausgewählte Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden. Die Auszeichnung, die offiziell Right Livelihood Award («Preis für die richtige Lebensführung») heisst, wird in seit 1980 in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen verliehen. Die Idee zu dem aus privaten Spenden finanzierten Preis hatte der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll.

Prominente Preisträger seit 1980

Prominente Preisträger seit 1980
Edward Snowden
Der US-amerikanische Whistleblower bekam den Preis 2014, «weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmass staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmässige Rechte verletzt». In der schwedischen Regierung löste die Vergabe an den Geheimdienst-Enthüller viel Aufregung aus. Abholen konnte Snowden, der seit 2013 in Russland im Exil lebt, die Auszeichnung bis heute nicht.
Bianca Jagger
Die frühere Ehefrau von Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger hat den Preis 2004 für ihren Einsatz für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz bekommen. Jagger habe gezeigt, «wie man Berühmtheit in den Dienst von Ausgebeuteten und Benachteiligten stellt», begründete die Stiftung die Wahl damals.
Astrid Lindgren
Auch die wohl berühmteste Schwedin hat den Alternativen Nobelpreis bekommen. 1994 verlieh die Stiftung der
Kinderbuchautorin den nicht dotierten Ehrenpreis für ihren «lebenslangen Kampf für die Rechte von Kindern».