«Angeber-Anglizismen»: Duden für schlechtes Deutsch ausgezeichnet

Wer mit der Sprache Deutsch nicht umgehen kann, wird in Bayern langjähriger Ministerpräsident. Wer krude Regeln für Deutsch aufstellt, erhält den Titel «Sprachpanscher des Jahres». Nun hat es eine gelbe Institution getroffen – den Duden.

Duden-Seite.

Bildlegende: Der Duden bringt unter G gleich mehrere Anglizismen hintereinander. Reuters

Ausgerechnet der Duden erhält vom Verein Deutsche Sprache (VDS) den Negativ-Titel «Sprachpanscher des Jahres 2013». Der VDS begründete die Wahl mit der Aufnahme «lächerlicher Angeber-Anglizismen».

Duden weist Kritik von sich

«Wo bleiben der Nachsteller statt Stalker, der Netzhandel statt E-Business oder der Klapprechner, der über 34'000 Treffer bei Google aufweist?» Laut VDS fusst die Entscheidung, in diesem Jahr den Duden als «Sprachpanscher» zu brandmarken, auf einer Abstimmung unter den rund 36'000 Mitgliedern des Vereins.

Eine Sprecherin der Duden-Redaktion wies die Kritik zurück. «Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab», sagte sie. Etwa jedes vierte Wort unter den aktuell rund 140'000 Begriffen im Duden habe fremdsprachliche Wurzeln. Mit einem Anteil der Anglizismen von 3,5 Prozent sei der Prozentsatz noch vergleichsweise niedrig. Eine Zunahme habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

«Full of Life»

Ebenso hoch sei der Anteil von Übernahmen aus der französischen Sprache. Weit häufiger seien sprachliche Wurzeln aus dem Lateinischen und Griechischen.

«  «Leute mit Halbbildung glauben, sie könnten sie dadurch steigern, dass sie sich, weil es als schick gilt, plötzlich nicht mehr in Deutsch ausdrücken» »

Helmut Schäfer
Staatsminister im Auswärtigen Amt, Berlin 1999

Im vergangenen Jahr hatte Karstadt-Chef Andrew Jennings die Sprachschützer auf die Barrikaden getrieben. Mit Sprachschöpfungen wie «Full of Life» oder «Midseason-Sale» hatte der Brite für Unmut gesorgt. Auf der Panscher-Liste standen auch schon René Obermann der Telekom oder Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn.