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Arbeiten in der Kälte «Ich ziehe das ‹Gnägi› vom Militär an»

Stechend im Gesicht, messerscharf in der Lunge, die Hände spröde: Die Kälte dieser Tage macht klamm. Hartgesotten, wer eine Stunde im Freien verbringt. Hartgesotten? SRF News hat mit jenen geredet, die acht oder gar mehr Stunden im Freien verbringen – den Männern auf dem Bau. Wie sie mit den eisigen Temperaturen umgehen.

«Ein richtiges Frühstück gibt einen guten Boden»

Simon Lütolf
Legende: SRF

Simon Lütolf, Vorarbeiter: «In dieser Kälte ziehe ich mich mehrschichtig an, oben trage ich fünf Schichten. Es kommt auch aufs Material an. Ich ziehe gerne Baumwoll-Sachen an, so stimmt die Zirkulation der Luft und das Material saugt den Schweiss gut auf. Gut sind auch Wollsocken und Schuhe mit dicken Sohlen. Darüber braucht es noch etwas, das den Wind abhält. Ich habe auch das «Gnägi» vom Militär an, das grüne mit dem hohen Kragen. Wichtig ist auch, dass man gut isst. Ein richtiges Frühstück gibt einen guten Boden. Ich nehme immer eine Tasse voll Milch und tunke das Brot darin. Man müsste auch mehr Pausen machen. Aber wir haben eben Zeitdruck. Das geht nicht.»

«Im Alter wird man empfindlicher punkto Kälte»

René Cejka, Maschinist
Legende: SRF

René Cejka, Maschinist: «Ich bin 68 Jahre alt. Ich arbeite noch, weil ich wegen meiner Scheidung dazuverdienen muss, aber ich arbeite auch gerne. Im Alter wird man schon empfindlicher punkto Kälte, Nässe oder Hitze. Wenn ich in meiner Maschine sitze, habe ich die Türe immer offen. Jene Maschinisten, die die Türe bei dieser Kälte zumachen, sind unfair. Die Kollegen müssen draussen arbeiten und der Maschinist hockt an der Wärme. So etwas gibt es bei mir nicht. Aber es ist natürlich in der Kabine doch ein bisschen wärmer. Man ist etwas geschützter.

Ich brauche im Alter auch mehr Erholungszeit als jüngere Kollegen. Bei diesen Temperaturen ist die Belastung hoch. Das frisst viel Energie. Wenn ich daheim geduscht und gegessen habe und dann vor dem Fernseher bin, schlafe ich sofort ein. Ich liege vor dem Fernseher, ich kann nicht sitzen. Ich arbeite 100 Prozent.»

«Die Backsteine wärmen wir mit dem Bunsenbrenner an»

Kai Lütolf, Maurer
Legende: SRF

Kai Lütolf, Maurer: «Am schnellsten friere ich im Gesicht. Auch die Hände sind schnell kalt, wenn man etwa mit den Eisen arbeiten muss. Heute mit der Bise fühlt es sich an wie minus 20 Grad. Vor allem, wenn man in der Höhe arbeitet, dort, wo der Wind einem noch stärker um die Ohren pfeift.

Auch das Arbeiten ist mühsam. Wir wärmen zum Beispiel die Backsteine mit dem Bunsenbrenner an, damit sie sich überhaupt mit dem Mörtel verbinden. Oder manchmal müssen wir auch das Eis an gewissen Stellen wegkratzen. Alles geht etwas langsamer.»

«Heute habe ich Holz in der Feuerschale aufgeschichtet»

Kamberi Milaim, Magaziner
Legende: SRF

Milaim Kamberi, Magaziner: «Wir haben nicht mehr Pause als sonst. Aber wenn wir Pause machen, können wir in der Baracke heissen Tee oder Kaffee trinken oder eine warme Suppe essen. Die Baracke ist auch beheizt. Da können wir uns etwas aufwärmen. Heute habe ich Holz in der Feuerschale aufgeschichtet. Das ist das kleingehackte Restholz von der Baustelle. Das machen wir immer so, wenn es kalt ist. Da kommen wir dann zusammen und wärmen uns am Feuer auf.»

«Das Stillstehen in der Kälte ist das Schlimmste»

Gashi Ferad, Vorabeiter
Legende: SRF

Ferad Gashi, Vorabeiter: «An so einem Tag wie heute komme ich nicht gern zur Arbeit. Ich muss als Vorabeiter oft kontrollieren, packe aber auch selber mit an. Wenn wir die Kanalisation ausgraben müssen, dann muss immer einer dabeistehen und kontrollieren. Das stillstehen in der Kälte ist das Schlimmste. Am meisten friere ich im Gesicht, meine Augen tränen manchmal. Man kann sich im Gesicht auch am schlechtesten schützen.

Die Feinarbeit müssen wir heute lassen, zum Beispiel Betonkosmetik, also das Ausflicken des Betons, das kann man ohne Handschuhe nicht machen. Auch Betonieren geht nicht. Zudem springen die Maschinen nicht gut an.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Kaum haben wir ein paar Tage richtig Winter, reklamieren Funktionäre der Unia schon über Arbeitsbedingungen von Bauarbeitern. Doch diese reklamieren nicht, sondern wissen sich zu helfen, indem sie mehrere Schichten Kleider anziehen. Nennt sich Zwiebellook. Ist bei kalten Tagen allen Menschen, welche sich im Freien aufhalten zu empfehlen. Im Sommer mit über 30 Grad im Freien arbeiten zu müssen ist viel schlimmer. Aber Respekt für alle diese Menschen, welche bei jeder Witterung ihre Arbeit machen.
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  • Kommentar von Jonas Bless (Jonas Bless)
    Respekt an alle Büezer da draussen! Dieser ewige Kampf "Arbeiter gegen Akademiker" geht sowieso auf die Nerven. Nur zusammen funktionierts.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
    Vermisse diese „Lebenserfahrung“ hier in den Tropen nicht mehr und kann mit den Bauarbeitern mitfühlen. Verbrachte als Baustromer Ende 70er, Anfang 80er auch einige Zeit auf Neubauten im Winter. Besonders fies in Erinnerung: Im Schneegestöber auf einer Decke zwischen Moniereisen steife KRF verlegen und Unterputzdosen an die Schaltafeln nageln. Kaum besser, mit klammen, gefühllosen Fingern Lichtschalter und Steckdosen anschliessen. Ein Trost bleibt. Der nächste Sommer kommt bestimmt :-)
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