Aufstieg, Blütezeit und Untergang der Luftschiffe

Die Briten haben mit der «Airlander 10» das derzeit grösste Luftschiff gebaut. Doch wozu? Die Blütezeit der eiförmigen Himmelsriesen war in den 1930er-Jahren. Heute fristen sie ein trauriges Dasein als Werbeträger und Touristenattraktion. Erleben die Luftschiffe jetzt doch noch einmal ein Revival?

Seit dem späten 17. Jahrhundert versuchten Forscher und Tüftler, Heissluftballons lenkbar zu machen und somit nicht mehr auf günstige Winde angewiesen zu sein. Die ersten Luftschiffe stiegen dann aber erst im 19. Jahrhundert in die Lüfte. 1852 gelang dem Franzosen Henri Giffard eine 27 Kilometer lange Fahrt von Paris nach Trappes – die Geschwindigkeit betrug rund neun Stundenkilometer. Die ersten Flugzeuge wurden erst 50 Jahre später gebaut.

Mit Aluminium zum Durchbruch

Das erste Luftschiff, das es wieder an seinen Ausgangspunkt zurück schaffte, war 1884 die «La France» von Charles Renard und Arthur H. C. Krebs. Es gilt als das erste wirkliche Luftschiff überhaupt.

Die bekannteste Persönlichkeit der Luftschifffahrt war der Deutsche Ferdinand Graf von Zeppelin. Seine Luftschiffe wurden nach ihm genannt – Zeppeline eben. Sein Zeppelin LZ 1 stieg im Juli 1900 am Bodensee zu seiner Jungfernfahrt auf. Zeppelin baute so genannte Starrluftschiffe aus Aluminium – sie besassen also ein inneres Gerüst und damit eine feste Struktur.

Die drei Arten von Luftschiffen

Prallluftschiffe
Diese Luftschiffe erhalten ihre Form durch einen Überdruck in der Hülle. Wie bei einem Ballon ist lediglich die Hülle aufgeblasen, Gondel und Leitwerk sind direkt daran befestigt.
Halbstarre Luftschiffe
Diese Luftschiffe besitzen eine zusätzliche Tragstruktur innerhalb der Hülle, an der Motoren, Gondel und Leitwerk angebracht sind. Die Hülle wird vom Innendruck des Traggases in Form gehalten.
StarrluftschiffeDiese Luftschiffe haben durch ein inneres Gerüst eine feste Struktur, das die Form des Körpers vorgibt. Alle Komponenten sind an diesem Gerüst befestigt. Alle von Graf von Zeppelin gebauten Zeppeline gehören dieser Kategorie an.

Hauptsächlich kamen die Zeppeline zu militärischen Zwecken im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Die Flugzeug-Technologie steckte damals noch in den Kinderschuhen. Sie konnten lediglich kleinere 5-Kilo-Bomben fassen. Die Luftschiffe dagegen waren in der Lage, von Deutschland aus mit 100-Kilo-Bomben nach London zu fliegen. Erst gegen Kriegsende, also im Jahr 1918, gab es erste Kriegsflugzeuge, die mit den Luftschiffen mithalten konnten.

Nach dem Weltkrieg haben alle Herrenländer Luftschiffe gebaut – ausser die deutschen Pioniere. Als Kriegsverlierer wurde ihnen dies verboten. Erst in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren nahmen die Deutschen die Luftschifffahrten wieder auf – und führten sie in ein neues, goldenes Zeitalter: das der Atlantiküberquerungen.

«Hindenburg» und Untergang

Die Zeppeline wurden für Passagierfahrten nach Übersee eingesetzt. «In den 30er-Jahren war das die einzige Gelegenheit für Privatpassagiere, auf dem Luftweg in die USA zu gelangen», sagt Aviatik-Experte Peter Brotschi zu SRF News. Die Gondeln waren gross, bequem, es gab Salons und Restaurants – und die Fahrt dauerte viel weniger lang als auf dem Seeweg. Die Luftschifffahrt erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er-Jahren. Die Ära wurde jedoch getrübt durch zahlreiche Unfälle.

Brennende Hindenburg.

Bildlegende: Die «Hindenburg» fing im US-Ort Lakehurst Feuer. Dutzende Menschen starben. Keystone

Den Deutschen war es als Kriegsverlierer verboten, Helium als Gas einzusetzen. Also mussten sie auf den brennbaren Wasserstoff zurückgreifen. Der wohl bekannteste Unfall ist der Absturz des Zeppelins LZ 129 «Hindenburg» in Lakehurst (USA) bei der Landung. Im Mai 1937 fing das Heckteil der «Hindenburg» Feuer, welches sich rasch ausbreitete. 35 der 97 Personen an Bord kamen ums Leben.

Dies – und das Aufkommen von grösseren, mehrmotorigen Flugzeugen – führte zum Untergang der Luftschiffe. Immer wieder haben verschiedene Länder versucht, den Luftschiffen ein Comeback zu verpassen – ohne Erfolg. Sie sind gross, sie brauchen viel Platz und sie sind Wind und Wetter ausgesetzt. Das bringt sie gegenüber Flugzeugen und Helikoptern in den Nachteil.

Viel Platz für Werbung

Trotz allem: Jetzt haben die Briten mit der «Airlander 10» ein neues Riesenluftschiff gebaut. Die US-Armee plante, das Luftschiff zu für Überwachungen einzusetzen. Doch das Vorhaben ist am Budget gescheitert.

Dennoch bieten Luftschiffe auch einige Vorteile. Sie sind leise, sie können lange in der Luft bleiben, sie sind sparsam im Verbrauch und ihre Manövrierbarkeit ist mit derjenigen eines Helikopters vergleichbar. Sie können also punktgenau praktisch überall landen. Möglich wäre, die «Airlander 10» als Transporter in unwegsamem Gelände einzusetzen, sagt Peter Brotschi.

Hauptsächlich fristen Luftschiffe ihr Dasein aber als Touristenattraktion oder als Werbeträger. Die grosse Fläche ist geradezu prädestiniert dazu, sie mit bunten Werbeslogans zu bedrucken. Dazu ist das kugelige Ding weitherum sichtbar. Und Touristen schätzen die gemächlichen Rundflüge in ruhiger Umgebung, bei denen sie die Landschaften ausgiebig bestaunen können. Einen Flug über den Nordatlantik würde sich heute aber im Luftschiff wohl niemand mehr antun.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erstflug des „Airlander“

    Aus Tagesschau vom 18.8.2016

    Das neue Riesenluftschiff "Airlander" - oder „Flying Bum“, wie es mit Kosenamen genannt wird – hat zum ersten Mal abgehoben. Es ist eine Mischung aus Luftschiff und Zeppelin und fliegt mit Helium.