Bergung kommt nur langsam voran

Nach dem Erdbeben in Taiwan bangen verzweifelte Angehörige um ihre Liebsten. Die Bergungsmannschaften können nur langsam vorangehen, um Verschüttete nicht zu gefährden. Noch immer werden dutzende Menschen in den Trümmern vermutet.

Trümmer eines Hauses und zwei Kräne.

Bildlegende: Die Rettungsarbeiten an dem umgestürzten Wohnhaus kommen nur langsam voran. Keystone

Einen Tag nach dem Erdbeben im Süden Taiwans suchen die Rettungskräfte weiter nach 152 Vermissten in den Trümmern. Die Zahl der Toten in der Metropole Tainan stieg auf 18, wie das Katastrophenzentrum berichtete. Rund 500 Menschen wurden verletzt, 98 sind noch in Krankenhäusern.

Behörden vermuen Baupfusch

Die Suche nach den Verschütteten dauerte die Nacht auf Sonntag über an. Rund 100 Menschen wurden allein in den Trümmern eines 16-stöckigen Wohnhauses vermisst, das komplett umgestürzt war. Die Behörden haben den Verdacht, dass Pfusch am Bau die Ursache gewesen sein könnte, warum das Haus dem Beben der Stärke 6,4 nicht standhalten konnte. Vor dem Haus versammelten sich verzweifelte Angehörige.

Am Sonntagmorgen holten die Bergungskräfte drei Bewohner aus den Trümmern, darunter ein kleiner Junge und sein Vater, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur CNA berichtete. Kurz nach Mitternacht waren aber auch drei weitere Tote geborgen worden.

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Erdbeben in Taiwan

1:30 min, aus Tagesschau vom 6.2.2016

Suche kommt nur langsam voran

Die meisten Verschütteten in dem Weiguan-Jinlong-Wohnkomplex wurden in den zerstörten unteren Stockwerken vermutet, zu denen sich die Rettungskräfte nur schwer Zugang verschaffen könnnen. Die Helfer müssen teils schweres Gerät einsetzen und Wände mit Trägern stützen, da befürchtet wird, dass die Hausreste weiter in sich zusammenbrechen und so Verschüttete und Rettungskräfte in Gefahr geraten. Entsprechend langsam kommt die Suche voran.

In der Zwei-Millionen-Metropole Tainan sind insgesamt mehr als zehn Gebäude eingestürzt. Unter den Vermissten in der Stadt sind nach offiziellen Angaben auch mindestens 35 Kinder. Bei den Rettungsarbeiten konnten bislang 356 Menschen lebend geborgen werden. Wegen Einsturzgefahr wurden 424 Menschen bei Evakuierungen in Sicherheit gebracht.

Madonna spricht ihr Beileid aus

Musikstar Madonna beschrieb das Erdbeben als «furchterregend». Bei ihrem zweiten Konzert in Taipeh, wo die Sängerin im Hotel von den Erdstössen überrascht worden war, sprach sie am Samstagabend den Familien der Todesopfer ihr Beileid aus. «Uns tut es sehr leid. Wir sollten sie in unserer Erinnerung halten und daran denken, wie viel Glück wir gehabt haben», zitierte sie die Nachrichtenagentur CNA.

Sie habe in Los Angeles bereits Erdbeben erlebt, «aber das war am Boden, nicht im 17. Stock des Mandarin Oriental Hotels.» Die 57-Jährige zeigte sich erleichtert, dass ihrem Team und anderen Menschen in der Hauptstadt 350 Kilometer nördlich vom Epizentrum nichts passiert ist.

Das Erdbeben passierte nur einen Tag vor dem traditionellen chinesischen Neujahrsfest, das am Sonntagabend gefeiert wird. Es ist das grösste Familienfest der Chinesen. Nach der vorübergehenden Unterbrechung der Hochgeschwindigkeitsbahn im Süden Taiwans verkehrten die Züge wieder normal.