Zum Inhalt springen

Panorama Berlin legt den Grundstein für die nächste Bau-Diskussion

Das Debakel um den Flughafen-Neubau ist noch nicht vorüber. Und schon wird der Grundstein gelegt für das nächste umstrittene Grossprojekt: das neue alte Berliner Stadtschloss. Klar ist, dass der Bau teuer wird. Weniger klar ist dagegen, wozu es ihn braucht.

Architektur-Modell des geplanten Berliner Stadtschlosses.
Legende: Umstrittenes Grossprojekt: Das Berliner Stadtschloss, hier im Modell. Keystone

«Schloss jetzt!» titelte heute der Berliner «Tagesspiegel». Soll heissen: Jetzt wird der Grundstein gelegt für das Berliner Stadtschloss, Schluss mit den Diskussionen. Über Sinn und Unsinn des Bauprojekts wird schon lange debattiert. Ein Ende dieser Debatten ist auch mit der feierlichen Grundsteinlegung nicht in Sicht.

An der Stelle, an der der Prunkbau dereinst stehen wird, stand schon einmal ein Schloss. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich dort nämlich das Hohenzollern-Schloss, ein 200 mal 120 Meter grosser Bau mit barocker Fassade. Der Bau bildete das architektonische Zentrum der historischen Mitte Berlins.

Prunkbau mit bewegter Geschichte

Mit dem Ersten Weltkrieg endete auch die Monarchie in Deutschland, zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss weitgehend weggebombt. 1953 sprengte die DDR-Führung die letzten Reste dieses feudalistischen Bauwerks. An seiner Stelle entstand der «Palast der Republik». Nach der Wende entfernte die Bundesrepublik diesen Palst. Und seither wurde darüber diskutiert, was an seiner Stelle entstehen sollte.

2002 beschloss der Bundestag, dass an der alten Stelle ein neues Schloss entstehen soll. Kostenpunkt: 500 Millionen Euro. Gefüllt werden soll der Bau mit dem Humboldt-Forum, benannt nach den berühmten Forscher-Brüdern. Das Forum soll einer alle Disziplinen übergreifenden Auseinandersetzung mit den Kulturen und Entwicklungen dieser Welt dienen.

Ein Schweizer soll's richten

Beides, der Neubau und sein Zweck, blieben umstritten. Der Bau, weil Kritiker den Sinn im Wiederaufbau eines Königsschlosses im 21. Jahrhundert nicht sehen – zumal das Projekt mit einer halben Milliarde Euro zu Buche schlägt. Zudem hat Berlin eine ganze Reihe weiterer Baustellen, die finanziell total aus dem Ruder laufen: Der Flughafen, die Staatsoper, die neue U-Bahn-Linie mitten durchs Zentrum, das gigantische Gebäude des Bundesnachrichtendienstes.

Und der Zweck schliesslich wird kritisiert, weil die eigentliche Zielsetzung dieses Humboldtforums bis heute vielen unklar ist.

Ein Schweizer soll genau das ändern: Martin Heller soll aus einer unklaren Bestimmung ein interessantes, attraktives Konzept erarbeiten. Heller hat genau das schon einmal erfolgreich vollbrach: Er verhalf seinerzeit der Expo 02 zu einer erfolgreichen Bestimmung. In Berlin wird er das gleiche Problem antreffen, wie damals bei der Expo: Egal wie gut seine Ideen sind, sie werden schon angesichts der Kosten immer umstritten bleiben.

(buet; snep)

4 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuel Fischer, Killwangen
    Totaler Schwachsinn diese Prestigebauten! Ich wünschte, die Berliner könnten dieses Projekt stoppen - per Volksentscheid.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hansi Dragoner, Drachenstein
    Was hier wieder mal, was die Historie des Schlosses betrifft für ein Nonsens verzapft wird, ist schon haarsträubend. Zum einen wurde der Bau bereits 1443 begründet, natürlich mit späteren Änderungen, nicht erst "Anfang des 19. Jhdt".Auch wurde das Schloss im 2.Weltkrieg nicht "weitgehend weggebombt", es brannte zwar aus, doch es blieben die Außenmauern mitsamt dem plastischen Schmuck, die tragenden Wände und größtenteils die Haupttreppenhäuser erhalten. Ulbricht ließ es 1950 sprengen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hansi Dragoner, Drachenstein
    Spießige Kleingeister mögen derartige Bauvorhaben, für Berlin übrigens ein außerordentlich attraktiver städtebaulicher Akzent, kritisieren. Gottlob waren,was ich hier als Beispiel anführen möchte die bayerischen Könige keine kurzfristig denkenden Spießer. Sie hinterließen der Nachwelt Prachtbauten, die für Tourismus, Freizeit und Kultur nicht zu unterschätzen sind. 2012: 12,4 Mio Übernachtungen in München, 5 Mio Besucher bayerischer Schlösser, davon allein in Neuschwanstein 1,4 Mio.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen