Berner Luxushotel Bellevue Palace hat Grund zu feiern

In diesem Haus gingen gekrönte Häupter ein und aus, aber auch Präsidenten, Generäle, Diktatoren und Filmstars. Es wurde in der Literatur verewigt und zog auch Spione und andere finstere Gestalten an. Das Bellevue Palace Hotel in Bern kann dieses Jahr auf sein 100jähriges Bestehen zurückblicken.

Das Hotel Bellevue Palace steht direkt neben dem Bundeshaus und ist eines der führenden Fünfstern-Häuser der Schweiz. Die Gästeliste, die über die Jahre hinweg zusammengekam, ist eindrucksvoll: Im Bellevue Palace begrüsst wurden Staatsoberhäupter, aber auch Spitzen aus Politik, Industrie, Kultur und Gesellschaft. Nelson Mandela, Michail Gorbatschow, Evita Peron, die Queen, Jacques Chirac, Charlie Chaplin, Sophia Loren, Bruce Springsteen und Fidel Castro sind nur einige der prominenten Namen.

Video «Hundert Jahre Luxus» abspielen

Hundert Jahre Luxus

4:45 min, aus Schweiz aktuell vom 19.3.2013

Ein magischer Anziehungspunkt ist die hoteleigene Bellevue Bar. Sie ist legendärer Treffpunkt für Diplomaten und Journalisten, Reisende und Einheimische sowie Verhandlungsort für Geschäfte und für Gesellschaftsklatsch. Dort – sagt man zumindest – werden auch Bundesräte «gemacht» oder mögliche Bundesratskandidaten gewissermassen vom Tisch gewischt. Die Nacht vor einer Bundesratswahl wird als «Nacht der langen Messer» bezeichnet und soll vor allem in der Bellevue Bar sehr spannend sein.

Innenaufnahme der Bellevue Bar

Bildlegende: Die Bellevue Bar hat fast schon Kultstatus. pd

Auch wer noch nie in Bern war, kennt vielleicht das Bellevue Palace: John le Carrés Spionagethriller «Agent in eigener Sache» mit Sir Alec Guinness wurde 1981 dort gedreht. Auch andere Bücher hatten einen Schauplatz im Bellevue Palace, etwa Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon» oder Thomas Hürlimanns «Der grosse Kater».

Hauptquartier von General Wille

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte das Militär mit General Ulrich Wille das Bellevue Palace vier Jahre lang zum Hauptquartier gemacht. Das Ausbleiben vornehmer Gäste aus Europa führte zu empfindlichen Einbussen. In den 1920er-Jahren entspannte sich die Situation wieder. Das Hotel erlebte eine neue Blütezeit.

Verfeindete Gäste im selben Restaurant

Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Hotel für die Gäste geöffnet. Im hoteleigenen Restaurant «La Terrasse» sollen sich auf der einen Seite Gäste aus den Achsenstaaten und auf der anderen Seite die Angehörigen der alliierten Mächte getroffen haben. In dieser Zeit wurde die Bellevue Bar weltberühmt als Treffpunkt für Einheimische, Diplomaten, Parlamentarier, Funktionäre. Auch Spione sollen im Hotel ein- und ausgegangen sein.

Am Standort des Hotels Bellevue Palace war zuvor das Hotel Bellevue gebaut – auf der Felsterrasse hoch über der Aare und 1865 eröffnet. 1910 beschlossen die Söhne des ersten, in der Zwischenzeit verstorbenen Bellevue-Hoteliers, anstelle weiterer Modernisierungen und Erweiterungen am selben Ort ein völlig neues Hotel zu bauen. Auf doppelt so grossem Grundstück wurde das neue Hotel am 27. November 1913 mit einem grossen Fest eröffnet.

Geschenk der Nationalbank

Heute ist das Grandhotel das Gästehaus des Bundes und gehört seit 1994 der Eidgenossenschaft – ein Geschenk der Schweizerischen Nationalbank. Die Notenbank hatte 1976 die Mehrheit an der Hotel Bellevue Palace und Bernerhof AG erworben und damit den Fortbestand des Hotelbetriebs gesichert. Zuvor war das Haus in privatem Besitz, drohte aber in ausländische Hände zu fallen.