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Manche Klimamassnahmen sind mitschuld am Artensterben
Aus Echo der Zeit vom 10.06.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
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Biodiversität und Klimakrise Artensterben aufgrund unkoordinierter Klimamassnahmen

Einige Ökosysteme stehen stark unter Druck wegen Massnahmen gegen den Klimawandel. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht.

Der Klimawandel und die Biodiversität sind eng miteinander verflochten, doch viele dieser Verbindungen sind noch wenig erforscht. Nun haben der Weltklimarat (IPCC) und der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) erstmals einen Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster verfasst, der die beiden Krisen zusammen unter die Lupe nimmt.

Das Gleichgewicht gerät ins Wanken

Dass immer mehr Staaten ihre Massnahmen zur CO2-Reduktion verstärken, ist eigentlich auch für die Artenvielfalt eine gute Nachricht, denn viele Tiere und Pflanzen leiden unter der Erderhitzung. Sie müssen in kühlere Regionen ausweichen und bringen dort das ökologische Gleichgewicht durcheinander.

Sesshaften Organismen wie Korallen droht bei wärmerem Wasser der Tod. Und Wälder leiden unter Dürrestress, sagt der Ökologe Markus Fischer von der Universität Bern. Er ist an dem Bericht von IPCC und IPBES mitbeteiligt.

Markus Fischer
Legende: Markus Fischer leitet das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern. zvg

«Aber wenn man jetzt Massnahmen ergreift, die nur ganz eng auf Klimaschutz ausgerichtet sind, dann kann das durchaus negativ für die Biodiversität sein», sagt Fischer. Er gibt ein Beispiel: «Wenn sie dort aufforsten, um Kohlenstoff zu speichern, wo vorher nie im Wald war und dadurch andere wertvolle Ökosysteme und deren Leistungen zerstören, so ist das natürlich schlecht für die Biodiversität.» Ähnliches ist schon passiert.

Massnahmen künftig besser abgleichen

In einigen Regionen Deutschlands etwa haben Maisfelder für Biogas wertvolle Brachflächen verdrängt, sagt der Ökologe Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und ebenfalls Mitautor des Berichts.

Jetzt gelte es, den Schutz für Klima und Biodiversität besser aufeinander abzustimmen: «Wir brauchen eine Transformation der verschiedensten Bereiche der Gesellschaft in Richtung Klimaschutz und lebenswerte Umwelt.»

Pörtner
Legende: Hans-Otto Pörtner hat 2019 den IPCC-Sonderbericht über die Ozeane und die Kryosphäre publiziert. imago images

Da gehöre die Artenvielfalt eben dazu, so Pörtner. «Und gleichzeitig gibt es in beiden Bereichen Lösungen, die sich gegenseitig verstärken. Die müssen wir herauskitzeln.» Er nennt als Beispiel die Moore, von denen auch in der Schweiz früher viele trockengelegt wurden. Erhalten sie wieder mehr Wasser, können sie CO2 speichern und bieten wieder Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig helfen Moore auch beim Hochwasserschutz.

Viele Zusammenhänge zwischen Klima und Biodiversität seien komplex und noch zu wenig verstanden, heisst es im Bericht. Zum Beispiel wird erst langsam klar, welchen Einfluss die Schleppnetzfischerei aufs Klima hat.

Mehrere UNO-Treffen im Herbst

In manchen Meeresboden ist viel CO2 gespeichert. Dieses gelangt ins Meer und teilweise in die Atmosphäre, wenn Schleppnetze den Boden aufwühlen.

Erste Schätzungen zeigen, dass ein Grossteil dieser Emissionen vermieden werden könnte, wenn nur vier Prozent des Meeresbodens geschützt würden, was auch der Artenvielfalt zugutekäme. Der Bericht zeigt also: Klimaschutz geht nicht, ohne auch für die Biodiversität zu sorgen – und umgekehrt. Das, müssten die Länder berücksichtigen, sagen die Experten, wenn sie im Herbst an den nächsten UNO-Konferenzen zu diesen Themen um Lösungen ringen.

Echo der Zeit, 10.06.2021, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    ... bitte in den Zusammenhang des Wehklagens über die CO2-Kompensation (ein Riesengeschäft) setzen: vgl. heutiger Artikel https://www.srf.ch/news/schweiz/nachhaltigkeit-klimaschutz-im-online-handel - Merksch öppis?
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Egal wie wir es drehen und wenden oder anders schönreden, es gibt einfach viel zu viele Menschen auf dieser Kugel. Nicht dass diese natürlich nicht überleben können, lieider aber nur auf Kosten anderer Biomasse.
    Die Natur hat uns mit Covid einen Schuss vor den Bug gegeben. Der nächste wird sitzen aber die Virusvarieanze wollten wir ja nicht jetzt kommt halt was anderes dass 2 mia. Menschen dezimiert. Ich denke es wird der Krieg um die letzten Rohstoffe der Moderne sein. Nur eine Vermutung.
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Ich bin voll bei Uhnen, Herr Gubser. Ich habe null VErständnis dafür, dass unsere hardcore Umweltschützer in Organisationen und Regierung dieses Thema konsequent totschweigen. Man MUSS über Geburtenregelungen weltweit (und auch bei uns!) reden dürfen! Dem -wachsenden!- Problem ist wegen der Überkompensationseffekte und der Abhängigkeitkomplexität technologisch nicht beizukommen. Sozial schon gar nicht.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Die Klimadiskussion ist wichtig. Längst ist der Spruch nicht mehr wahr, wenn gesagt wird „zum Glück können wir das Wetter nicht machen“. Wir, zumindest Industrialisierten, beeinflussen langfristig die Grosswetterlagen, zum Beispiel verkümmertes Polarhoch wegen Polarregionerwärmung lässt den Jetstream arg ins Trudeln kommen mit der Auswirkung, dass die Extremwettersituationen zunehmen, nicht gut für die Artenvielfallt. Wir alle sind in grosser Mitverantwortung für die Mitlebewesen.