Bonjour, Ludwig Oechslin!

Sein «Meisterwerk» hat Ludwig Oechslin schon als Uhrmacher-Lehrling abgelegt: Er hat in der Vatikanischen Bibliothek in Rom die 1725 erbaute Farnesianische Uhr in ihre 462 Einzelteile zerlegt, sie revidiert und wieder zusammengesetzt.

Et voilà: Die Uhr ist sogar wieder gelaufen! Da hat sich auch Ludwig Oechslin, eigentlich ein bescheidener Mensch, «extrem gewundert»; inzwischen ist der Lehrling von einst schon längst zum Uhrmacher-Meister geworden und seit gut zehn Jahren Direktor des Internationalen Uhrenmuseums in La-Chaux-de-Fonds.

Wider die Sekunden-Hektik

Dabei war er ein «Spätberufener»: Zuerst hatte Ludwig Oechslin in Basel Altertumswissenschaften studiert, und sich erst der Uhrmacherei zugewandt, als es mit dem Studium nicht mehr so recht vorwärts ging. So weit auseinander liegen die beiden Interessen allerdings nicht: Denn Uhren waren früher mehr astronomische Apparate als genaue Zeitmesser. Die Sekunden-Hektik kam erst später, und Ludwig Oechslin kann ihr auch heute nicht viel abgewinnen.

Manager statt Patrons

Die Uhrenstadt La-Chaux-de-Fonds ist Wohn- und Arbeitsort von Ludwig Oechslin. Vor allem die Offenheit der Stadt gefällt ihm, das «Multikulti» im Jura. Und dass es mit der Stadt in den letzten Jahren wieder aufwärts gegangen ist, freut ihn.

Allerdings hat die ganz grosse Uhrenkrise der 70er Jahre dazu geführt, dass viele Betriebe an grosse Uhrenkonzerne verkauft wurden: «Die Dynastien gingen zugrunde, sie wurden ersetzt durch ein Managertum.» Nun bestimmen die Manager aus Genf statt die Patrons aus La-Chaux-de-Fonds – und auch die grossen Zeiten des FC oder des Eishockeyclubs sind deshalb vorbei; lokales Engagement interessiert die grossen Weltkonzerne nicht.

«Wenn die Zeit richtig geht, fühlt man sich wohl»

Als Altertumswissenschaftler und Philosoph war Ludwig Oechslin eine Zeit lang auch Professor an der Universität Neuenburg, den «Röstigraben» indes hat er nie gesehen und nie gespürt. Immer wieder hat er auch selber neue Uhren konstruiert, etwa die Türler-Uhr in Zürich.

Und viel hat sich Ludwig Oechslin auch mit der Erfahrung der Zeit beschäftigt: «Zeit entsteht nur über die Erinnerung; sie ist eine Erfindung des Menschen». Und wenn wir uns nicht langweilen und auch nicht stressen, «so spüren wir die Zeit meist gar nicht – und wir fühlen uns wohl».

Serie «Bonjour les Romands!»

8.–12.7.: Jacqueline de Quattro

15.–19.7.: Jean-Pierre Rochat

22.–26.7.: Sami Kanaan

29.7.–2.8.: Magali Jenny

5.–9.8.: Isabelle Guisan

12.–16.8.: Ludwig Oechslin

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ludwig Oechslin: Philosoph, Uhrmacher-Meister und Museumsdirektor. Bildquelle: www.beaweinmann.ch

    «Bonjour les Romands»: Ludwig Oechslin - Der «Mann der Zeit»

    Aus Rendez-vous vom 16.8.2013

    «Bonjour, les Romands!», sagen wir heute zum letzten Mal. Die Sommerferien gehen langsam zu Ende, die Rendez-Vous-Sommerserie aus der Westschweiz auch. Zum letzten Mal sind wir bei Ludwig Oechslin, im Uhrenmuseum in La-Chaux-de-Fonds.

    Das Thema heute: die Zeit, die Zeitmessung, und die Zeiterfahrung.

    Die Fragen an unseren «Mann der Zeit» stellt Urs Siegrist.

    Urs Siegrist

  • Ludwig Oechslin: Philosoph, Uhrmacher-Meister und Museumsdirektor. Bildquelle: www.beaweinmann.ch

    «Bonjour les Romands»: Ludwig Oechslin und die Farnesianische Uhr

    Aus Rendez-vous vom 15.8.2013

    Diese Woche sind wir im Uhrenmuseum in La-Chaux-de-Fonds bei Ludwig Oechslin. Schon als Uhrmacher-Lehrling hat er sein Meisterwerk abgelegt und die Farnesianische Uhr mit über 400 Teilen in der Vatikanischen Bibliothek revidiert und wieder zum Laufen gebracht.

    War das mutig oder übermütig? Was sagt uns der Feilenstrich eines Uhrmachers? Und wie kommt ein Student der Altertumswissenschaften überhaupt dazu, auch noch eine Lehre als Uhrmacher zu machen?

    Urs Siegrist

  • Ludwig Oechslin: Philosoph, Uhrmacher-Meister und Museumsdirektor. Bildquelle: www.beaweinmann.ch

    «Bonjour les Romands»: Ludwig Oechslin - über den «Röstigraben»

    Aus Rendez-vous vom 14.8.2013

    Diese Woche besuchen wir Ludwig Oechslin, den Direktor des Internationalen Uhrenmuseums in La-Chaux-de-Fonds. Er lebt und arbeitet dort seit gut zehn Jahren: Wie sieht er den «Röstigraben»? Wie lebt es sich am Rande der Schweiz? Und wie wurde die Westschweiz zur «Uhren-Schweiz»?

    Die Fragen an Ludwig Oechslin stellt Urs Siegrist.

    Urs Siegrist

  • Ludwig Oechslin: Philosoph, Uhrmacher-Meister und Museumsdirektor. Bildquelle: www.beaweinmann.ch

    «Bonjour les Romands»: Ludwig Oechslin - die Uhrenindustrie prägt

    Aus Rendez-vous vom 13.8.2013

    Während der Sommerzeit besuchen wir besondere Persönlichkeiten in der Westschweiz; diese Woche Ludwig Oechslin, den Philosophen und Uhrmacher-Meister in La-Chaux-de-Fonds. Als Direktor des dortigen Uhrenmuseums wohnt und arbeitet er in der Uhrenstadt.

    Auf 1000 Metern, im Neuenburger Jura gelegen, ist das Schicksal der Stadt eng mit dem der Uhrenindustrie verwoben. Die Fragen an Ludwig Oechslin stellt Urs Siegrist.

    Urs Siegrist

  • Ludwig Oechslin: Philosoph, Uhrmacher-Meister und Museumsdirektor. Bildquelle: www.beaweinmann.ch

    «Bonjour les Romands»: Ludwig Oechslin, Museumsdirektor

    Aus Rendez-vous vom 12.8.2013

    Zum Abschluss der Sommergespräche aus der Westschweiz sind wir in La-Chaux-de-Fonds bei Ludwig Oechslin. Er hat Altertumswissenschaften studiert und eine Uhrmacher-Lehre gemacht, er ist Philosoph und Uhrmacher-Meister, in jeder Hinsicht also ein Mann der Zeit.

    Urs Siegrist hat den Museumsdirektor in seinem Uhrenmuseum getroffen.

    Urs Siegrist