Burger aus Mehlwürmern? Nein, danke

Zwar dürfen im kommenden Jahr in der Schweiz voraussichtlich Lebensmittel aus Insekten verkauft werden. Doch die essbaren Kerbtiere werden kaum zum Kassenschlager. Zu viele Menschen hierzulande ekeln sich vor dem Verzehr.

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Wenig Akzeptanz für Insekten als Nahrungsmittel

1:45 min, aus Tagesschau vom 13.7.2015

Ab dem kommenden Jahr dürfen in der Schweiz voraussichtlich Insekten für die menschliche Ernährung verkauft werden. Die grosse Nachfrage nach Lebensmitteln aus Kerbtieren wird aber wohl ausbleiben. Eine Studie von Berner Konsumentenforschern zeigt nämlich, dass das Interesse bis anhin eher bescheiden ist.

Kerbtiere: nachhaltig und in der Produktion ökologisch

Dabei gäbe es laut der Berner Fachhochschule (BFH) gute Gründe, Insekten statt Fleisch als Proteinquelle zu nutzen: Ihre Produktion gilt als nachhaltig, erzeugt wenig Treibhausgase, verbraucht wenig Wasser und könnte im grossen Massstab auch preislich interessant sein. Zudem lieferten Insekten hochwertige, gesunde Proteine mit einem tiefen Fettgehalt.

Insekten in einer Essschale.

Bildlegende: Der Nussgeschmack von Insekten könnte auch kulinarisch interessant sein. Keystone

Letztlich könnte der teilweise Nussgeschmack von Insekten auch kulinarisch interessant sein. «Solche Argumente kommen bei den Konsumenten aber nicht immer an», sagte Thomas Brunner von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL.

Ekel steht Verzehr entgegen

Der Dozent für Konsumentenverhalten hat mit Kollegen eine schweizweite Erhebung zur Entomophagie – dem Verzehr von Insekten – durchgeführt – mit folgenden Kernresultaten: An und für sich stehen die Schweizerinnen und Schweizer Insekten-Food neutral gegenüber, was dessen Nachhaltigkeit, Gesundheit, Preis und Geschmack betrifft.

Doch ist die Bereitschaft, Insekten zu verspeisen, nichts desto trotz eher gering. Dies deshalb, weil sich 44 Prozent der Befragten vor der Entomophagie ekeln. Die Studie zeigt aber auch, dass rund ein Viertel aufgrund des fehlenden Angebots auf den Verzehr von Kerbtieren verzichtet. So bleibt also die Hoffnung, dass wenigstens 25 Prozent der Konsumenten Interesse an Speisen aus Insekten hätten, wenn sie denn verkauft würden.

Ein Mann isst Insekten.

Bildlegende: Fast die Hälfte der befragten Schweizer ekelt sich vor dem Verzehr. Keystone

Romandie aufgeschlossener

Insgesamt scheint die Romandie dem Insekten-Food – etwa zu Burger, Riegel oder Ravioli-Füllung verarbeiteten Mehlwürmern – weniger abgeneigt als die Deutschschweiz. Beide Landesteile gehen aber hierin überein, dass sie im Essen erkennbare Insekten eher ablehnen.

Das Fazit der Konsumentenforscher lautet demnach wie folgt: Die Beschäftigung mit dem Thema führe zu einer höheren Akzeptanz der Entomophagie. Wer Insekten-Produkte vermarkten wolle, müsste aber behutsam vorgehen – und in einem ersten Schritt Produkte ohne sichtbare Insekten anbieten.