Bye bye, Hitzesommer!

Eine Kaltfront macht der grossen Hitze ab Freitag den Garaus – der Hochsommer ist dann wohl vorbei. Zeit für eine kleine Bilanz: Wie war er, der Sommer 2015? Lesen Sie, was Meteorologen, Spitäler und Badibetreiber sagen und warum Glaceproduzenten mit grosser Hitze nicht nur glücklich sind.

Drei junge Männer springen in den Vierwaldstättersee.

Bildlegende: Ab ins Wasser: Am Vierwaldstättersee suchen Jugendliche Abkühlung im See. Keystone/Archiv

  • Das sagt der Meteorologe

«Es war ein aussergewöhnlicher Sommer», fasst SRF-Meteorologe Peter Pöschl die vergangenen Wochen zusammen. Ein heisser vor allem. «Die Hitze hatten wir Hochdruckgebieten zu verdanken, die heisse Luft aus Nordafrika – via Spanien und Frankreich – heran brachten.»

Vor allem der Juli sticht heraus. Der Schweizer Höchstwert von 41,5 Grad – gemessen am 11. August 2003 in Grono im Misox (GR) – wurde zwar nicht geknackt. Lokale Rekorde gab es in der Westschweiz, im Engadin, im Wallis sowie auf der Alpensüdseite zuhauf. «Wir hatten viele Orte, an denen der heissesten Juli seit Messbeginn im Jahr 1864 registriert wurde», sagt Pöschl.

Auch die Zahl der Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad – erst dann sprechen die Meteorologen von einem Hitzetag – war ungewöhnlich hoch. Im Süden zählten die Meteorologen bis jetzt mehr als 30 Hitzetage, im Norden waren es etwas weniger.

Und überhaupt: Abgeschrieben haben die Experten den Sommer noch nicht. «Jetzt kommt zwar eine Kaltfront, die uns ab Samstag Temperaturen um oder sogar unter 20 Grad bringen wird», sagt SRF-Meteorologe Peter Pöschl. «Aber bis Monatsende sind immer noch einzelne Tage mit Temperaturen bis zu 30 Grad möglich.»

Schatten eines Kindes, das ein Glace schleckt

Bildlegende: Heisser Sommer = Rekordabsatz beim Glace? Nicht ganz richtig. Keystone

  • Das sagt ein Glaceproduzent

Je heisser der Sommer, desto grösser der Glaceabsatz? Nicht ganz richtig. Sicher ist ein guter und vor allem langer Hochsommer dem Geschäft nicht abträglich. Aber: «Unser Hauptgeschäft machen wir im Frühjahr», sagt Leo Peterhans, Betriebsleiter des Baselbieter Glaceherstellers Gasparini. Sprich: Was bis Juni nicht drin ist, lässt sich bis zum Herbst nicht mehr aufholen.

Auch gilt: Grosse Hitze ist nicht unbedingt gut fürs Geschäft. «Ab 30 Grad stagniert der Umsatz», sagt Peterhans. «Die Leute haben dann einfach nicht mehr so viel Lust auf Süsses.» Bei grosser Hitze steige eher noch der Absatz von erfrischenden Sorbets. Ab etwa 33 Grad sei aber auch da Schluss. «Dann wollen die Leute nur noch eins: Wasser trinken», sagt Peterhans.

Alles in allem dürfte 2015 für Gasparini, einen vergleichsweise kleinen Glacehersteller, ein sehr gutes Jahr werden. Betriebsleiter Peterhans rechnet nach eigenen Angaben mit einem Wachstum von gut 20 Prozent. «Eine Topsaison, weil sie früh begann und lang dauerte».

  • Das sagen die Badis

Die Schwimmbäder können sich dieses Jahr wirklich nicht beklagen. An den vielen Hitzetagen hatten viele nach der Arbeit und am Wochenende nur ein Ziel: das nächste Bad. Entsprechend gut sind die Zahlen. Die Berner Bäder haben bereits einen neuen Rekord aufgestellt. Sie zählten bis zum 10. August 1,3 Millionen Besucher – so viele noch nie, wie ein Sprecher vom Berner Sportamt gegenüber Radio Energy Bern sagte.

Menschen dicht gedrängt in der Badi Oberer Letten in Zürich

Bildlegende: Dichtestress am Oberen Letten in Zürich: Die Zürcher Badis rechnen in diesem Sommer noch mit einem Rekord. Keystone

Auch in Zürich liegt der Rekord in Reichweite. Stand 13. August verzeichneten die Bäder 1,5 Millionen Eintritte. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2003 und liegt bei 1,68 Millionen. «Wir rechnen damit, dass er noch gebrochen wird», ist Manuela Schläpfer vom Sportamt Zürich zuversichtlich. Das grösste Gedränge herrschte in den Zürcher Bädern übrigens Anfang Juli. Am 4. und 5. Juli wurden insgesamt 130'000 Besucher gezählt. «An normalen Sommerwochenenden sind es etwa 50'000», so Schläpfer.

  • Das sagen die Detailhändler

Abkühlung gefällig? Ventilatoren, Klimageräte und Klimaanlagen sorgen an heissen Tagen für angenehme Erfrischung. Deshalb sind sie der Verkaufsschlager in diesem Hitzesommer. «Do it + Garden verzeichnete bisher Rekordumsätze und wurde seit Beginn der Hitzeperiode regelrecht überrannt. Bisher wurden in Do-it-Filialen rund 4,5-mal so viele Ventilatoren verkauft wie im vergangenen Jahr», sagt Migros-Mediensprecherin Estelle Dorsaz. In den meisten Geschäften sind sie sogar ausverkauft.

Aktuell laufen auch sämtliche Wassersport-Artikel wie beispielsweise Gummiboote, Stand Up Paddles und Luftmatratzen sehr gut. «Die beliebtesten Boote sind bei Sportxx vor allem die grösseren ab 3 Personen», betont Dorsaz.

  • Das sagen die Spitäler

Grosse Hitze ist nicht jedermanns Sache – einigen Menschen setzt sie gar gefährlich zu. Das bestätigt das Zürcher Unispital auch für diesen Sommer. «Im Verlauf des Sommers hat es immer wieder Tage gegeben, an denen deutlich mehr Patienten als üblich in den Notfall kamen, weil die hohen Temperaturen zu Gesundheitsproblemen führten», so Mediensprecher Claudio Jörg. Am Berner Inselspital wurden mehr Notfallpatienten registriert als in anderen Monaten. Allerdings: «Der Anstieg ist im Sommer normal», sagt Mediensprecher Markus Hächler. «Das hat ganz einfach damit zu tun, dass viele Hausärzte in den Ferien sind.» Zu Problemen oder Engpässen habe das nicht geführt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Erhöhtes Risiko für Wanderer

    Aus Tagesschau vom 9.8.2015

    Mit der grossen Hitze treibt es die Menschen in die Berge. Die Hitze lässt aber auch die Gletscher schmelzen. Beides führt zu mehr Bergunfällen.

  • Die Studie des Bundes zeigt: Unter dem Strich kostet eine Hitzewelle vier Milliarden Franken.

    Hitze als grosse Gefahr für die Schweiz

    Aus Echo der Zeit vom 2.7.2015

    Westeuropa und die Schweiz stöhnen unter den heissen Temperaturen von über 30 Grad. Und soeben legt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine Analyse über Katastrophen-Risiken vor. Fazit: Zu den drei grössten Risiken für die Schweiz zählt eine Hitzewelle.

    Gaudenz Wacker