Zum Inhalt springen

Panorama Cannabis-Vereine: Eine Genfer Idee stösst auf Interesse

In Uruguay können Konsumenten seit dieser Woche Cannabis legal erwerben, im US-Staat Colorado seit Anfang Jahr. Auch in der Schweiz bewegt sich etwas: In Genf möchte ein Komitee die Cannabis-Abgabe in Vereinen ermöglichen. Die Idee war auch Thema eines internationalen Kongresses in Basel.

Im US-Staat Colorado ist Cannabis seit Anfang Jahr fast so leicht erhältlich wie eine Flasche Schnaps in der Schweiz. Die Bedingungen für den legalen Cannabis-Kauf in einem lizenzierten Laden sind: ein Mindestalter von 21 Jahren und eine gültige Identitätskarte, erklärt Barbara Brohl. Sie ist die Direktorin des Steuerdepartements von Colorado, das Abgaben aus dem Cannabis-Verkauf einzieht und die Produktion überwacht.

Eine Person dreht einen Joint
Legende: Wie liberal soll ein Staat sein beim Konsum von Cannabis? Keystone

In Colorado ist der Cannabis-Verkauf weitgehend liberalisiert. Die Stimmbevölkerung hat es so entschieden. Und bisher bewähre sich das Modell, sagt Barbara Brohl. Die Produzenten hielten sich an die Richtlinien, und die Abgaben würden fliessen – rund drei Millionen Dollar pro Monat, die zweckgebunden in Prävention oder Sicherheit fliessen.

Ganz so weit wie Colorado möchte in der Schweiz SP-Politiker Arnaud Moreillon nicht gehen. Er setzt sich in Genf für eine Legalisierung ein. Ihm und seinen Mitstreitern von links bis rechts schwebt für Genf und möglichst weitere Schweizer Städte aber ein ähnliches Modell vor: eine begrenzte Cannabis-Abgabe für Volljährige in Vereinen. «Die letzten 30 Jahre haben gezeigt: Repression funktioniert nicht», sagt Moreillon. Schliesslich würden heute Hunderttausende in der Schweiz kiffen.

Weniger Konsumenten durch regulierte Abgabe?

Sein Ziel: weniger Cannabis-Konsumenten – dank regulierter Abgabe. Denn bei einem geregelten Verkauf würden Kiffer direkt auf die Gefahren von Cannabis aufmerksam gemacht. Zudem schwäche ein legaler Verkauf den Schwarzmarkt. Den Handel auf der Strasse empfinden vor allem in Westschweizer Städten viele als Problem der öffentlichen Sicherheit.

Ihr Modell durchsetzen möchten die Genfer, indem sie es als wissenschaftliches Forschungsprojekt deklarieren. Das wäre die einzige Möglichkeit, Cannabis legal abzugeben.

Doch schon regt sich Widerstand. «Geht gar nicht», kommentiert die Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler. Schliesslich habe die Schweizer Stimmbevölkerung vor erst fünf Jahren die Hanf-Initiative bachab geschickt. Geissbühler spricht von einer Legalisierung durch die Hintertür. «Das halte ich für sehr problematisch. Die Bevölkerung ist dagegen – und dennoch tut man das Gegenteil.»

«Das falsche Signal»

Cannabis sei eine Droge, könne psychische Krankheiten verursachen. Da sei eine legale Abgabe das komplett falsche Signal. Gerade an Jugendliche müsse die Botschaft vielmehr heissen: Hände weg davon. Die Argumentation, dass etwas für Unter-18-Jährige gefährlich sein soll, für Erwachsene aber nicht, sei zudem sehr schwierig. «Für die Jungen ist das nicht nachvollziehbar.»

Die Genfer lassen sich davon nicht beirren. Und nicht nur sie. Interesse am Genfer Vorschlag haben mittlerweile mehrere weitere Schweizer Städte bekundet. Bern, Basel oder Winterthur.

Rechtlich steht das Projekt allerdings auf wackligen Beinen: Beim Bundesamt für Gesundheit sagt Markus Jann, er verfolge die Genfer Idee zwar mit Interesse. «Es ist aber mehr als zweifelhaft, ob ein solches Projekt im Rahmen der geltenden Gesetze überhaupt möglich ist.»

Drei Maximen in Colorado

Vom Berner Bundesamt zurück zur obersten Steuerverwalterin von Colorado, Barbara Brohl. Drei Maximen, sagt sie, habe die Verwaltung für den legalen Cannabis-Verkauf festgelegt: Jugendschutz, eine rechtlich kontrollierte Produktion und: kein Kiffer-Tourismus. Das funktioniere bisher, sagt Barbara Brohl. Soll Colorado also ein Vorbild für die Schweiz sein? Das könne sie nicht beurteilen, sagt die Staatsdienerin diplomatisch.

Lange Zeit war die Schweiz drogenpolitisch mit ihrer kontrollierten Heroinabgabe Pionierin. Beim Cannabis fahren heute andere Länder einen liberaleren Kurs.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jan Tinner, Buchs
    habe vor kurzem die Unterhaltung im Fernseher gespannt beobachtet und finde es sollte über so was mit Leuten diskutieren die auch Ahnung haben. Ehrlich gesagt schäme ich mich als Schweizer wen ich so was hören muss von unseren Politiker. Vor allem ist es ein Witz das einzelne Leute so wenig Ahnung haben dann noch bei so einer runde dabei sein dürfen. Hört euch doch einfach mal zaubersteuer an von Götz Wiedmann. Hoffe beim nächsten mal mit in der runde zu sitzen das dieser Terror endlich endet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Fadri Pitsch, 8004 Zürich
    Wertvoller Bericht. In vielen Spitäler wird Weltweit Cannabis zur Schmerztherapie, anstelle von mit grossen Nebenwirkungen verursachenden Medikamenten, eingesetzt. Teilweise wird es heimlich gemacht. Viele Naturprodukte haben eine ideale Wirkung . Nur hat die mächtige Medikamenten Industrie wie Novartis gar kein Interesse, an solchen Produkten. Die Lobbyisten in Bern sind gerade für die Chemische Industrie penetrant und teilweise so aufdringlich und beschenken auch unsere Mediziner.Umdenken!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Was soll das? Warum Vereine? Damit würde man ja diejenigen welche nicht so einem Club beitreten genau so im Regen stehen lassen und der illegale Verkauf würde eher noch zunehmen. Gebt es doch einfach frei. Wir brauchen dazu keine schweizer Zwangsneurotiker und Bessermenschen die alles in ihrem Leben regeln wollen (wenn es nur ihr eigenes Leben wäre, aber die möchten am liebsten alle dazu zwingen). Absurd, als wolle man die Alkoholkonsumenten registrieren lassen (oha, dass kommt sicher noch).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Sebastian Ramseier, Bern
      Eine vernünftige Ansicht. Hört endlich auf, das Leben zu Tode regulieren zu wollen! Leider kann man sich jetzt schon vorstellen, wie eine Legalisierung und Regulierung aussähe: Kontrolle von A bis Z (unter dem Deckmantel der Qualitätskontrolle) mit mehrmaligen jährlichen, kostenpflichtigen Audits; Sicherheitsmassnahmen zwecks Jugenschutz; sich als Cannabiskonsument in für alle möglichen Instanzen einsehbare Register einschreiben müssen. Verbot privaten Anbaus, aus "Sicherheitsgründen", usw.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen