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Cosby und Polanski sind raus «Die Zeiten, in welchen Übergriffe toleriert wurden, sind vorbei»

Die Oscar Academy hat zwei berühmte Mitglieder ausgeschlossen: Bill Cosby und Roman Polanski. Der Grund für diesen Entscheid: Die beiden Filmschaffenden hätten Ethikstandards der Akademie verletzt. SRF-Journalist und Hollywood-Kenner Philippe Klemenz deutet das Zeichen aus den USA.

Philippe Klemenz

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Philippe Klemenz beobachtet seit Jahren das Geschehen rund um die Traumfabrik Hollywood und nimmt für «Glanz & Gloria» regelmässig die Filmwelt unter die Lupe.

SRF News: Ist das ein Wendepunkt für die Academy, was den Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Filmbranche betrifft?

Philippe Klemenz: Ja, das ist ein Wendepunkt. Der Rauswurf des Produzenten Harvey Weinstein hat diese Entwicklung ins Rollen gebracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Regeln in Zukunft noch strenger ausgelegt werden und weitere berühmte Filmemacher wie Woody Allen die Academy verlassen müssen.

Zeichnet sich da der Trend zur Null Toleranz ab?

Mittlerweile herrscht tatsächlich eine Null-Toleranz-Stimmung: Genug ist genug. Frauen gehen konsequent auf die Barrikaden. Die aktuellen Entscheidungen sind Folgen der #MeToo- sowie der «Time’s Up»-Bewegungen.

Egal wie gut jemand ist, Übergriffe kann sich niemand erlauben.

Zudem achtet die Academy nach den #OscarSoWhite-Debatte 2015 bei der Auswahl ihrer Mitglieder mehr auf Diversität. Viele der neu Aufgenommen sind Frauen, gehören ethnischen Minderheiten an oder jüngeren Generationen. Der Grossteil der Mitglieder immer noch alt, weiss und männlich – aber eine Tendenz in die andere Richtung ist seit zwei Jahren deutlich erkennbar. Nun warten alle gespannt darauf, wen die Academy dieses Jahr in Juni aufnimmt. Ich gehe davon aus, dass sich das Verhältnis noch weiter zu Gunsten der Frauen und Minderheiten verschieben wird.

Gegen Polanski ermittelt die Justiz seit fast 40 Jahren. Er hat 1977 zugegeben, Sex mit einer 13-Jährigen gehabt zu haben. Weshalb hat die Academy trotzdem so lange mit dem Rauswurf gewartet?

Die Academy hat lange zwischen der Privatperson Polanski und dem Künstler Polanski unterschieden. Er gilt weiterhin unangefochten als Regie-Meister. Nun hat man sich entschieden, diese Unterscheidung aufzugeben. Das Zeichen: Egal wie gut jemand ist, Übergriffe kann sich niemand erlauben. In die USA einreisen kann Polanski unabhängig von dieser Entscheidung natürlich weiterhin nicht.

Der Rauswurf von Cosby und Polanski jetzt – ist das ein Signal an andere Künstler?

Ja, das ist ein klares Signal. Die Zeiten, in welchen Übergriffe toleriert wurden, sind vorbei.

Das Gespräch führte Viviane Bischoff.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Schaub (Kripta)
    Heuchlerische Populistenhystery: Polanski hat 1977 (!) zugegeben, dass er Sex mit einer 13-jährigen hatte? Sorry dass ich lachen muss. Wieso hat man nicht gleich die Mutter des Mädchens danach gefragt? Die war nämlich auch anwesend (war aber mit Alk und Koks anderweitig beschäftigt). Aber was solls: ein paar verknöcherte Academy-Sesselkleber suhlen sich nun vergnüglich in den letzten Zuckungen der #metoo-Modeerscheinung - Polanskis Filme aber, werden auch in 100 Jahren noch 1a-Qualität haben!
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    1. Antwort von Beat Morgenthaler (beatmaster)
      Das vermeintliche Verhalten der Mutter entschuldigt nicht das Treiben des schon damals Erwachsenen Polanski. Seine Veranwortung hatte er nicht wahrgenommen. Sonst wären alle pädophile Touristen in vielen Ländern ja Schuldfrei aus ihrer Perspektive
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Morgenthaler - Noe. Aber solange die mitwissenden Eltern missbrauchter Kinder nicht ebensolange wie der Schaender eingesperrt, sondern gar als Mitopfer abgefeiert werden, bleiben die Kinder schutzlos....
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  • Kommentar von Beat Morgenthaler (beatmaster)
    Woody Allen kann nicht aus der Akademie ausgeschlossen werden, da er nie Mitglied war Herr Klemenz
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
    Die Androhung von Strafe und sozialer Ächtung verhindern kriminelle Handlungen erwiesenermassen nicht. Sexuelle Übergriffe auf Minderjährige und Frauen machen da keine Ausnahme. Das die Filmwelt diesem Treiben (niederer Triebe) ein moralischer Riegel schiebt, dient dem aktuellen Zeitgeist. Künftige Verfehlungen werden, so lange sich Machos von Hormonen statt rationalem Verstand lenken lassen, nicht aus der Welt geschafft. Gilt für alle Lebenslagen ob Haus, Arbeit, Freizeit, Sport und Religion!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich bin da anderer Meinung. "Lange Zuschauen" und Toleranz fördert mit Sicherheit die Mentalität des "naja, kann man machen" oder "andere tun auch wenn sie können" etc. Gerade hinstehen und klar zum Ausdruck bringen "So nicht!" ist der Start in den Aufbau einer neuen Mentalität in der Branche.
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