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Panorama «Costa Concordia» taucht im Morgengrauen auf

Die Aufrichtung des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» vor der toskanischen Insel Giglio kommt gut voran. Die ganze Nacht hindurch wird an der Bergung des leck geschlagenen Kolosses gearbeitet. Eigentlich wollte man nach zwölf Stunden fertig sein.

Legende: Video ««Costa Concordia» von Felsen gehoben» abspielen. Laufzeit 2:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.09.2013.

Vor der italienischen Insel Giglio kommt die Aufrichtung des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» gut voran. «Wir haben die erste Phase überstanden, alles läuft nach Plan», berichtete Zivilschutzchef Franco Gabrielli.

«Wenn man davon absieht, dass alles viel länger dauert als geplant, dann ist diese Bergung schon ein Erfolg», sagt SRF-Korrespondent Philipp Zahn auf Giglio. Auch was die Umwelt angehe, denn bislang sei nicht vermeldet worden, dass irgendwelche Umweltschadstoffe ausgetreten seien.

Bei 20 Grad kippt das Schiff in die aufrechte Position

Nach Angaben von Technikern ist der bisher versunkene Teil des Schiffes stark verzogen. Dies stelle jedoch kein Problem für die Aufrichtung dar.

Umweltschützer hatten befürchtet, dass bei der Aufrichtung giftige Stoffe ins Meer gelangen könnten. Bislang seien aber keine Schadstoffe ausgelaufen, sagte SRF-Korrespondent Zahn.

Experten rechnen, dass 29'000 Tonnen Müll ins Meer gelangen könnten. Die Menge des giftigen Materials werde jedoch nicht so gross sein, dass eine dauerhafte Schädigung des Meeresraums zu erwarten sei.

Legende: Video «Zeitraffer der Costa-Concordia-Erhebung» abspielen. Laufzeit 0:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.09.2013.

Wegen der nächtlichen Gewitter konnte der «Control Room» erst am Montagmorgen seinen Betrieb aufnehmen. Von dort aus steuert das zwölfköpfige Bergungsteam aus sicherer Entfernung das Aufrichten des Schiffes. Die Operation wurde auch nach Einbruch der Dunkelheit weitergeführt. Im Morgengrauen des Dienstags soll der Koloss aufgerichtet sein.

Bergung teurer als Kauf

Ziel ist es, das Wrack in die Vertikale zu bringen, mit Hilfe von Stahlseilen und Flaschenzügen. Nachdem das riesige Schiff in die Vertikale gebracht wird, soll die Costa Concordia auf einer im Meeresgrund verankerten Plattform fixiert werden. Danach soll die Suche nach den Leichen der letzten beiden Vermissten des Unglücks beginnen.

Kostenpunkt für Bergung, Abtransport und Verschrottung: Über 750 Millionen Euro – also 300 Millionen mehr als der italienische Luxusdampfer einst gekostet hat. Die Reederei Costa Crociere wird dies bezahlen müssen – und zwar alleine.

Wenn das Schiff einmal in Rotationsbewegung kommt, ist die Schwerkraft so stark, dass man es nicht stoppen kann.
Autor: Nick SloaneSüdafrikanischer Bergungsexperte

Seit Monaten arbeiten etwa 500 Spezialisten aus 20 Ländern rund um die Uhr an der Bergung. Ob das Manöver tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten. Denn nach Angaben der Techniker ist nicht sicher, ob das Schiffswrack den enormen Belastungen standhalten wird. Es besteht die Gefahr, dass der rostende Rumpf auseinanderbricht. Noch grösser ist aber die Gefahr, dass das Wrack sich nicht drehen lässt.

Es gebe keinen «Plan B» für den Fall, dass das Manöver scheitert, sagte Bergungsexperte Nick Sloane von der US-Firma Titan. Zusammen mit dem italienischen Unternehmen Micoperi führt das Unternehmen die Bergungsarbeiten aus.

Falls das komplizierte Unterfangen tatsächlich gelingt, soll der 290 Meter lange Kreuzfahrtriese Anfang 2014 in einen noch unbestimmten Hafen geschleppt und dort verschrottet werden.

20 Monate liegt sie schon auf Grund

Rückblick: Auf ihrer Jungfernfahrt 2005 war sie das grösste Kreuzfahrtschiff Italiens: Die «Costa Concordia». Kapitän Francesco Schettino lenkte sie im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen. Das Schiff schlug leck und kippte auf die rechte Seite.

Das Schiffsunglück vor Giglio kostete 32 der 4229 Passagiere das Leben. Kurz nach der Katastrophe wurde gemunkelt, dass Kapitän Schettino das Schiff auf einen Felsen auflaufen liess, weil er vor einer blonden Frau ein bisschen angeben wollte. Schettino bestreitet dies allerdings.

Was genau am Abend des 13. Januar 2012 geschah, wird weiterhin das Gericht klären müssen. Der Prozess gegen Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassens eines Schiffes in Seenot wird am 23. September im toskanischen Grosseto fortgesetzt. Dem Unglückskapitän drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Journalisten twittern von der Costa Concordia-Bergung

22 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Gautschi, 5313 Klingnau
    Gewaltsübung für 700 Mio. Euro, fast doppelt so teuer wie der Neupreis dieser Rostlaube - die Umweltschäden und die Verschrottung noch nicht einberechnet. Ich denke für 100 Mio. Euro hätte die Katalanische Mafia das Wrack innerhalb von zwei Wochen entsorgt. Falls der verkokste Kapitän verurteilt wird, es eine Zivilklage gibt, dann hat er ein Problem. Angenommen er müsste pro Monat Euro 1'000.-- abstottern, dann hätte er 58'333 Jahre Zeit dafür.
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  • Kommentar von Martin Kobel, Lützeflüh
    Sehr Interessant ....die Daten und Fakten. Aber noch wichtiger, wie hoch ist das Ding? So könnte man sich auch vorstellen wie weit es schon aus dem Wasser ist.
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  • Kommentar von Walter Schweizer, Oberscherli
    Sehr spannend! Ich verfolge ihren Livestream seit ca. einer Stunde. Ich gehe davon aus, dass die Kameras fix montiert sind. Das Schiff scheint sich nicht nur langsam zu drehen, sondern auch leicht nach unten rechts zu verschieben. Kommt das gut so?
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