Zum Inhalt springen

Header

Video
Grosse Sensation, wenn das Baby kommt
Aus DOK vom 20.04.2017.
abspielen
Inhalt

Trend zum Kaiserschnitt Das Geschäft mit der Geburt

Die Kaiserschnittrate steigt – auch in der Schweiz. Eine hohe Anzahl an Kaiserschnitten ist für Kliniken ein lukratives Geschäft. Darüber reden möchte niemand.

Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten sind die Kaiserschnittraten weltweit sprunghaft angestiegen. In China beispielsweise von sechs auf über 50 Prozent, in Brasilien, dem Land mit der höchsten Kaiserschnittrate der Welt, bekommen in manchen Kliniken bereits 90 Prozent der Frauen ihr Kind auf dem Operationstisch.

Video
China: Am Glückstag zur Welt kommen
Aus DOK vom 20.04.2017.
abspielen

Doch auch in Europa sind die Zahlen alarmierend. In der Schweiz und Deutschland haben sich Schnittentbindungen innerhalb von wenigen Jahrzehnten mehr als verdoppelt, sie liegen momentan bei 32 Prozent. Insbesondere Privat- und Belegkliniken tragen zu den extremen Steigerungen bei. So auch eine grosse Schweizer Privatklinikkette, in deren Häusern manchmal mehr Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, als auf natürlichem Weg.

Niemand will darüber reden

Wir wollten wissen, warum das so ist, von Ärztinnen und Ärzten erfahren, wie es zum Beispiel beim Standort Zürich zu einer Kaiserschnittrate von 58 Prozent kommt. Doch unsere Dreharbeiten waren nicht erwünscht. Vor der Kamera wollte sich niemand zu den hohen Raten äussern. Warum nicht?

Ein Grund könnte sein, dass der geplante Kaiserschnitt seit einiger Zeit wesentlich kritischer betrachtet wird, als dies noch vor zehn Jahren der Fall war. Lange Zeit dachten Mediziner, eine Schnittentbindung bedeute zwar für die Mutter ein etwas höheres Risiko, sei aber für das Baby das Beste. Doch neue Studien zeigen ein anderes Bild: Während natürlich geborene Kinder den Geburtskanal passieren und ihr Immunsystem dabei von der ersten Sekunde an lernt, mit einer Vielzahl an Keimen umzugehen, werden Kaiserschnittkinder in das sterile Milieu des Operationssaals geboren.

Forscher finden immer mehr Indizien dafür, dass dies die Ursache für spätere Erkrankungen sein kann. Kaiserschnittkinder sind nachweislich anfälliger für Asthma, Allergien, Diabetes, Fettleibigkeit, Zölliakie und weitere Autoimmunerkrankungen.

Wunschkaiserschnitt liegt im Trend

Keine Frage, der Kaiserschnitt kann Leben retten, er hat die Müttersterblichkeit weltweit erheblich gesenkt. Doch die Indikationen für die einstige Notfall-OP sind heute vielfältiger denn je, und Ärzte führen die Schnittentbindung oft allzu bereitwillig aus. Auch der so genannte Wunschkaiserschnitt – eine Schnittentbindung ohne medizinischen Grund – liegt bei Frauen weltweit im Trend.

Video
Kaiserschnitt-Trend in Brasilien
Aus DOK vom 20.04.2017.
abspielen

Genau das konnte unser Drehteam in Brasilien beobachten. Wir hatten Zugang zu einer Privatklinik, in der bis spät in die Nacht operiert wird – in fünf OPs gleichzeitig. Die Kinder kommen hier nahezu im Halbstundentakt zur Welt. «Geburten am Fliessband» – viel Zeit für Emotionen bleibt da nicht. Wir haben uns beim Drehen der Kaiserschnittszenen gefragt, ob die Frauen mit Wunschkaiserschnitt vorher wirklich wussten, worauf sie sich einlassen.

Lukratives Geschäftsmodell

Eine hohe Anzahl an Kaiserschnitten beschert Kliniken nicht nur mehr Umsatz, sondern sorgt auch für die effiziente Nutzung von Personal und OP-Räumen. So wird der Kaiserschnitt zum lukrativen Geschäftsmodell für weltweit agierende Privatklinikketten, die ihren Aktionären Gewinne bescheren sollen.

Geburt an einem Glückstag

Chinesische Ärzte akzeptieren den Wunschkaiserschnitt ohne grosses Nachfragen. «Eltern möchten, dass ihr Kind an einem Glückstag zur Welt kommt», sagt Tao Duan, Direktor der Geburts- und Kinderklinik in Shanghai.

Aber auch andere Überlegungen spielten eine Rolle: «Wenn das Geburtsdatum für Ende August oder Anfang September berechnet wurde, wünschen die Eltern die Geburt im August. Denn alle Kinder, die vor dem 1. September geboren werden, dürfen ein Jahr früher zur Schule gehen.»

Doch die Entscheidung für immer mehr Kaiserschnitte ist ein tiefer Eingriff in die Evolution des Menschen. Sie stellt Geburtsmedizin und Gesellschaft vor eine grosse Herausforderung. Ist der Trend zum Kaiserschnitt überhaupt noch aufzuhalten?

Den Dokfilm sehen

Box aufklappen Box zuklappen
Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Lucas Kunz  (L'art pour l'art)
    So, hat man nun bei SRF diesen Artikel zu dem absolut stossenden Betrugs-und Missbruachthemas im Gesundheitswesen in die Rubrik "Panorama" versteckt ... derweil die überproportional steigenden Gesundheitskosten ein zentrales Thema wären.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Hanspeter Müller  (HPMüller)
    Das ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Solange wir Spitäler haben, die für die Besitzer Gewinn abwerfen müssen (die privaten für Südafrikanische Investoren, die öffentlichen für die Kantone) und Aerzte, die ohne Einschränkung in die Schweiz kommen und absahnen dürfen wird es solche Exzesse geben. Bei den Kaiserschnitten wird es halt an den Zahlen ersichtlich. Aber auch viele der durchgeführten Augen-, Herz-, Bauch- und Gelenkseringriffe sind nicht sinnvoll.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Armin Hug  (Hugi)
    Meine Frau hat unsere beiden Kinder per Kaiserschnitt bekommen. Bei der ersten Geburt lag im Spitalzimmer neben meiner Frau eine Frau, bei der der Kaiserschnitt erst nach einer abgebrochen "normalen" Geburt durchgeführt wurde. Im Vaginalbereich war sie arg verletzt und litt stark. Die Unversehrtheit der Vagina dürfte für viele Paare auch ein Grund sein, den Kaiserschnitt zu wählen - doch zugeben dürften dies die Wenigsten.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten