Der Dopingjäger verlagert sein Arbeitsgebiet

Nach 14 Jahren als Leiter des Antidoping-Labors in Lausanne tritt der Westschweizer Martial Saugy von seinem Posten zurück. Der 62-Jährige angesehene Dopingjäger führt seinen Kampf fortan am neu geschaffenen interdisziplinären Institut an der Uni Lausanne fort.

Martial Saugy neben einem Computer-Bildschirm.

Bildlegende: Martial Saugy ist künftig an der Uni Lausanne tätig. Keystone

Im Antidoping-Labor Lausanne herrscht Hochbetrieb: Hunderte eingefrorene Urin- und Blutproben werden aus dem Tiefkühler geholt und mit neusten, verfeinerten Methoden nachgetestet. Es sind Proben, die an Olympsichen Spielen von 2008 in Peking und 2012 in London genommen wurden.

Auf der Jagd nach Dopingsündern

Ist es nicht frustrierend, als Dopingjäger so viele Jahre hinterher zu hinken? «Na ja, daran habe ich mich gewöhnt», sagt Martial Saugy. Das gehöre quasi zu seiner Berufsdefinition. Tatsächlich aber sehe er sich als eine Art Jäger. «Manchmal ist die Beute weit weg, manchmal bin ich ihr aber so dicht auf den Fersen, dass ich zuschlagen kann.»

as Antidoping-Labor in Lausanne war vor 20 Jahren weltweit das erste Institut, das Blutproben analysierte. Zuvor waren nur Urinproben untersucht worden. Die Blutanalysen führten später zum individuellen biologischen Blutpass eines jeden Athleten, in dem die regelmässig genommenen Blutwerte verzeichnet sind. Denn Abweichungen können ein Indiz auf ein Dopingvergehen sein.

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Das System Armstrong

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Revolutionärer EPO-Test

Ebenfalls bahnbrechend war der erfolgreiche Nachweis kleinster Mengen des leistungssteigernden Blutdopings EPO. Für diese Pionierarbeit erntete Saugy viel Ruhm, aber auch Kritik. Vorgeworfen wurde ihm etwa, dass er die Nachweismethoden zu detailliert preisgegeben hatte – und dies ausgerechnet einem der damals prominentesten Sportler, dem Radfahrer Lance Armstrong. Dieser hat inzwischen zugegeben, gedopt zu haben.

Aus heutiger Sicht ist anzunehmen, dass die Informationen von Martial Saugy für das Umfeld von Lance Armstrong der Schlüssel waren, um sein Dopingvergehen zu vertuschen. Saugy: «Das war 2002. Diese neue EPO-Nachweismethode musste wie jede neue Methode durch alle Instanzen standhalten, also auch vor dem internationalen Sportgerichthof TAS.»

Armstrong verunglimpfte den Test

Deshalb sei er verpflichtet gewesen, vor Gericht die Methode detailliert aufzuzeigen. «Wir hatten damals zwar einen Fall gewonnen, einen anderen aber verloren. Daraufhin stellte allen voran Armstrong unsere Methode als unbrauchbar und lächerlich dar.» Er, Saugy, habe sich gegen die Vorwürfe gewehrt, unter anderem indem er vor den wichtigsten Fahrern denselben Vortrag gehalten habe wie vor Gericht.


Der Dopingjäger geht

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Gedacht waren diese Erläuterungen also als Abschreckung und zur wissenschaftlichen Verteidigung der neuen Nachweismethode. «Aus heutiger Sicht bin ich dabei vielleicht ein Risiko eingegangen, aber damals deutete nichts darauf hin, dass meine Ausführungen hätten missbraucht werden können», sagt Saugy heute.

Die weitere Entwicklung gab ihm Recht: Unzählige Sportler wurden des EPO-Dopings überführt. Nur von Lance Armstrong gab es zwar zahlreiche verdächtige, aber nie positive Proben.

Ganzheitlicher Ansatz der Dopingbekämpfung

Saugy war stets ein engagierter Dopingjäger, der seine Arbeit nicht auf Analysen im Labor reduzierte. Neu leitet er das interdisziplinären Antidoping-Forschungsinstitut der Uni Lausanne. Die Zusammenarbeit mit Forensikern, Kriminologen, Juristen und Soziologen soll auch das Umfeld untersuchen.

Wie der jüngste Fall aus Russland zeigt, ist organisiertes Doping immer noch ein aktuelles Thema. Dopingbekämpfer Saugy ist überzeugt, dass der ganzheitlichere Ansatz nötig ist, um Doping in Zukunft noch effizienter zu bekämpfen.

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