Deutscher Bahnstreik trifft die Schweiz

Auch der Bahnverkehr hierzulande ist vom Lokführerstreik im Nachbarland betroffen: So fallen etwa die direkten Verbindungen von Zürich und Bern nach Deutschland am Samstag und Sonntag aus. Sowohl SBB als auch die Deutsche Bahn informieren im Internet über die Verkehrslage.

Lok steht an einem Haltesignal

Bildlegende: Über das Wochenende sollen die meisten deutschen Züge vor Rotsignalen stehen. Keystone

Die Lokführer-Gewerkschaft (GDL) hat am Samstagmorgen einen zweitägigen Streik im Personenverkehr der Bahn begonnen. «Betroffen ist der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr», sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin.

Der 50-stündige Ausstand trifft nicht nur Wochenendpendler, sondern auch viele Urlaubsreisende, weil in neun deutschen Bundesländern Schulferien beginnen oder enden. Stimmen aus Politik und Wirtschaft forderten die zerstrittenen Tarifpartner auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die GDL will mit dem Ausstand den Bahnverkehr in ganz Deutschland lahmlegen.

Bis Montagmorgen 04.00 Uhr

Der Güterverkehr wird bereits seit Freitagnachmittag bestreikt. Kurz zuvor hatte die Bahn ein neues Tarifangebot vorgelegt - ohne Erfolg. Der gesamte Streik sollte am Montagmorgen um 04.00 Uhr enden, hiess es von der GDL. Die Bahn bat ihre Fahrgäste, sich auf ihrer Internetseite über die Ersatzfahrpläne zu informieren.

Die GDL will mit dem Arbeitskampf im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn den Druck auf die Unternehmensleitung erhöhen. Sie fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine kürzere Arbeitszeit. Ausserdem strebt sie die Federführung bei Tarifverhandlungen auch für Zugbegleiter und andere Bahnmitarbeiter an, die bislang von der grösseren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden.

«An der Grenze zur Irrationalität»

Bahn-Vorstand Ulrich Weber kritisierte den Streikaufruf der Lokführergewerkschaft GDL scharf. «So kurzfristig und in dieser Dimension sind die Streiks völlig verantwortungslos und an der Grenze zur Irrationalität», sagte der Manager. Weber bemängelte, dass sich die Gewerkschaft trotz des jüngsten Tarifangebots «keinen Millimeter» bewege.

Der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, kritisiert die GDL ebenfalls hart. Er sagte: «Das ist eine riesengrosse Verantwortungslosigkeit der GDL. Wenn die Kunden weg bleiben und die Ware nicht ankommt, weil die Bahn nicht fährt, ist das eine absolute Katastrophe für unsere Unternehmen und Beschäftigten.» Sanktjohanser warnte, es könne zu erheblichen Lieferverzögerungen kommen.

Keine Züge nach Deutschland

Der Massenstreik hat auch Auswirkungen auf den Schweizer Schienenverkehr. «Die Züge von Zürich nach Stuttgart respektive München werden nur bis nach Schaffhausen beziehungsweise Bregenz geführt. Die Nachtzüge ab Basel verkehren dagegen normal», erklärte der SBB-Mediensprecher. Nähere Informationen über die genauen Auswirkungen lägen zurzeit noch nicht vor. Auf ihrer Internetseite rät die SBB derzeit von einer Reise nach Deutschland ab.

Die Deutsche Bahn plant derweil Ersatzfahrpläne für die beiden Streiktage am Samstag und Sonntag, wie ein Sprecher sagte. Die Details würden noch ausgearbeitet und sollten im Laufe des Tages veröffentlicht werden. Online können Kunden zum Teil bereits sehen, ob ihre Zugverbindung ausfällt oder nicht.

Fahrgast-Informationen

Die SBB informiert über die Verkehrslage auf ihrer Webseite zur Bahnverkehrsinformation. Die Deutsche Bahn liefert Störungsmeldungen für den Regionalverkehr gestaffelt nach einzelnen Bundesländern und speziell für Fernverbindungen in der Live-Auskunft.

Chaos trifft Fussballfans

Der Bahnstreik trifft am Wochenende auch etwa 100'000 deutsche Bundesliga-Fans. Alle Fussball-Sonderzüge werden gestrichen. Bremer sind auf dem langen Weg nach München, Augsburger reisen nach Mainz und Berliner sind auf dem Weg nach Gelsenkirchen. Viele Fans werden wohl mit dem Auto reisen – Staus auf den Strassen sind vorprogrammiert.