Die «Bomben» des Gurlitt-Erbes

In die Aufarbeitung der Sammlung kommt Bewegung: Am Montag hat das Kunstmuseum Bern die Annahme des Gurlitt-Erbes bekanntgegeben, Stunden später wurden die Geschäftsbücher online gestellt und nun ist auch die Liste mit den rund 1600 Werken im Internet zu finden. Unter den Malereien sind Glanzstücke.

Bilder auf Tischen ausgebreitet.

Bildlegende: Unter den vielen Werken, die auch in der Salzburger Villa von Gurlitt gefunden wurden, sind einige Glanzstücke. Keystone

Das Signal aus dem Kunstmuseum Bern ist deutlich: Die Erben der Gurlitt-Sammlung wollen Transparenz.

«Schöner Dienst an der Öffentlichkeit»

Der Einblick in die bislang so geheimnisvolle Gurlitt-Sammlung freut Provenienzforscherinnen und Kunsthistoriker. Etwa Marc Fehlmann, Direktor der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur: «Das, finde ich, ist ein sehr schöner Dienst an der Öffentlichkeit, dass das so rasch publiziert wird.»

Den wirklichen Wert des Sammlung einzuschätzen, das sei jetzt noch zu früh, fügt Fehlmann hinzu - aber ein erster Blick auf die Listen im Netz macht klar: «Es ist ein durchmischtes Slots, mit ein paar ganz schönen Bomben drin, wo man sich wirklich mit den Kollegen in Bern auch freuen muss.»

Kunstexperte gerät ins Schwärmen

Und die «Bomben» in der Gurlitt-Sammlung? Kunstexperte Fehlmann gerät schon bei der Aufzählung einzelner Werke ins Schwärmen: «Der Cézanne, La Montagne Sainte-Victoire, finde ich ganz toll. Die frühe Arbeit von Picasso. Dann das tolle Aquarell von Kandinsky.»

Der Kunstschatz, den das Kunstmuseum Bern geerbt hat, ist allerdings heterogen, enthält nicht nur Glanzstücke. Und: Der Schatz beinhaltet eben auch NS-Raubkunst und verdächtige Raubkunst. Mit dieser Aufarbeitung wird sich die von Deutschland bezahlte Taskforce weiterhin beschäftigen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Aus Regional-Diagonal vom 29.11.2014

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    Der gebürtige Freiburger ist ein Mann mit vielen Interessen: Er war in Bern der Mister Euro 08, managte die Zusammenführung von Stadttheater und Symphonieorchester und führt mit seiner Frau 25 Kindertagesstätten.

    Brigitte Mader

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    Susanne Brunner

  • Noch immer offene Fragen rund um das Gurlitt-Erbe

    Aus Tagesschau vom 25.11.2014

    Auch einen Tag nach der Bekanntgabe des Kunstmuseums Bern, das Erbe von Kunstsammler Gurlitt anzunehmen, sind viele Fragen offen. Zum Beispiel: welche Bilder werden dem Besucher des Museums dereinst gezeigt werden?

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    Gurlitt-Sammlung: «Eine grosse Chance für Bern»

    Aus Echo der Zeit vom 24.11.2014

    Die Gurlitt-Sammlung kommt nach Bern. Deutschland sorgt mit einer «Task Force» für die Erforschung allfälliger Raubkunst und mögliche Raubkunstbilder kommen erst gar nicht nach Bern.

    Die perfekte Lösung? Catherine Hickley ist Journalistin, befasst sich seit Jahren mit Raubkunst und schreibt ein Buch über den Fall Gurlitt. Ein Gespräch.

    Karin Salm und Peter Voegeli