«Die Geduld schwindet zusehends»

Seit Dienstagmorgen streiken die Piloten der Lufthansa auch bei Langstreckenflügen. Gestern waren die Mittel- und Kurzstreckenverbindungen dran. Insgesamt sind über 160'000 Personen betroffen. Während die Gewerkschaft mit weiteren Streiks droht, geht der Bevölkerung langsam die Geduld aus.

Menschen stehen in einer Schlange vor Lufthansa-Schaltern im Flughafen München

Bildlegende: 166‘000 Passagiere sind vom Streik betroffen, der Schaden wird auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Reuters

Reisenden könnten noch in dieser Woche weitere Streiks bei der Lufthansa drohen. «Sollte sich im Tarifkonflikt weiterhin nichts tun, sollte bei der Lufthansa weiter gemauert werden, dann schliessen wir weitere Streiks in dieser Woche nicht aus», sagte der Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit VC, Markus Wahl, am Dienstag. Noch bis Mitternacht wollten die Piloten der Lufthansa bundesweit Flüge auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken bestreiken. Die Lufthansa hatte daraufhin 1511 Flüge gestrichen, unter anderem Verbindungen nach Asien und in die USA.

Lufthansa blitzt vor Gericht ab

Die Lufthansa und die Gewerkschaft Cockpit streiten vor allem um die Übergangsversorgung für 5400 Piloten im Lufthansa-Konzern. Die Fluggesellschaft will, dass ihre Piloten künftig frühestens mit 60 statt wie bisher mit 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Die Pilotengewerkschaft wehrt sich dagegen. Ein Eilantrag der Lufthansa, mit dem der Konzern die Gewerkschaft zu einem Ende der Streiks zwingen wollte, scheiterte am Dienstag auch in der zweiten Instanz vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht.

Trotz des bundesweiten Pilotenstreiks blieb ein Chaos an den beiden Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München zunächst aus. Am Frankfurter Flughafen sei es «sehr ruhig», sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport. Die Lufthansa-Schalter seien besetzt, gestrandete Fluggäste würden mit Essen und Getränken versorgt.

Zürich nimmt's locker

Der Beruf des Piloten geniesse in der Bevölkerung zwar noch immer ein gewisses Ansehen, sagt Deutschland-Korrespondent Casper Selg. Langsam kippe die Stimmung aber – auch wegen des am Wochenende erfolgten Lokführer-Streiks. «Die Geduld schwindet zusehends», sagt Selg.

Von der Arbeitsniederlegung der Lufthansa-Piloten lässt man sich am Flughafen Zürich nicht beirren. Zwar wurden einige Flüge zwischen Zürich und Frankfurt gestrichen, verglichen mit den rund 750 Flugbewegungen pro Tag seien die Auswirkungen des Streiks auf den Betrieb aber gering, sagt eine Sprecherin. Die zukünftige Entwicklung werde man im Auge behalten. Die einschliesslich der Lufthansa-Tochter Germanwings acht Streiks in diesem Jahr hätten auf die Geschäftsbeziehungen mit der deutschen Airline keine Auswirkungen.

Sturm über London

Ausläufer des Hurrikans «Gonzalo» haben in Grossbritannien grössere Verkehrsprobleme verursacht. In verschiedenen Landesteilen waren der Flug-, Strassen-, Bahn- und Fährverkehr betroffen. Von und nach Heathrow, Europas grösstem Flughafen, wurden vorsichtshalber 80 Flüge gestrichen. Weitere 40 Flüge sollten wegen des Lufthansa-Streiks nicht abheben.