Die kommende Nacht nimmt (fast) kein Ende

Die Nacht von Montag auf Dienstag ist die längste Nacht des Jahres auf der Nordhalbkugel. In der Schweiz gibt es während mindestens 15 Stunden und 20 Minuten nicht einen Sonnenstrahl. Nördlich des Polarkreises dauert die Nacht jetzt sogar 24 Stunden – oder einen ganzen Tag lang.

Lange Nacht über Igis und dem Sarganserland.

Bildlegende: Lange Nacht über Igis und dem Sarganserland (Archiv). Keystone/Archiv

Die kommende Nacht, also die Nacht von Montag auf Dienstag ist die längste Nacht des Jahres. Dabei müssen wir in der Schweiz während mindestens 15 Stunden und 20 Minuten ohne jeglichen Sonnenschein auskommen. So lange dauert es nämlich in Chiasso, dem südlichsten Punkt der Schweiz, vom Sonnenuntergang am Montagabend bis zum Sonnenaufgang am Dienstagmorgen.

Fährt man von Chiasso nach Norden, so wird die Nacht noch länger. Am längsten dauert sie in der Schweiz in Bargen. Dort, am nördlichsten Punkt unseres Landes, dauert die Nacht sogar 15 Stunden und 36 Minuten, also noch eine gute Viertelstunde länger als in Chiasso. Fährt man noch weiter nach Norden wird die Nacht noch länger.

Ewige Nacht

Nördlich des Polarkreises, also nördlich von 66,5 Grad nördlicher Breite, meldet sich der Tag komplett ab. Dort dauert die Nacht 24 Stunden am Tag. Auf dem Polarkreis oder knapp nördlich davon liegen beispielsweise die norwegische Stadt Bodö oder das finnische Rovaniemi. Auf den anderen Kontinenten findet man kaum mehr bekannte Siedlungen in dieser Breitenlage.

Die Vorstellung der kolossalen Dunkelheit in diesen Gebieten ist aber falsch. Direkt am Polarkreis hat man eine mehrstündige Dämmerungsphase, die bei wolkenlosem Himmel sehr spektakulär sein kann. Im norwegischen Tromsö, auf knapp 70 Grad nördlicher Breite gelegen, dauert die sogenannte bürgerliche Dämmerung morgen Dienstag, am kürzesten Tag des Jahres, immer noch 4 Stunden und 21 Minuten. Von bürgerlicher Dämmerung spricht man, wenn die Sonne weniger als 6 Grad unter dem Horizont steht. Bei klarem Himmel ist es während der bürgerlichen Dämmerung noch möglich, ohne Kunstlicht ein Buch zu lesen.

Monatelang keine Sonne

Direkt am Polarkreis geht die Sonne nur an einem oder zwei Tagen nicht auf. Entfernt man sich vom Polarkreis Richtung Pol, so wird die Polarnacht immer länger. In Tromsö dauert die Polarnacht, also die Zeit ohne jeglichen Sonnenschein, vom 27. November bis am 15. Januar, also genau 50 Tage. In Longyearbyen, dem Hauptort der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen auf 78 Grad Nord, dauert die Polarnacht vom 27. Oktober bis am 15. Februar. Dort gibt es also während 81 Tagen keinen Sonnenschein mehr.

Häuser im norwegischen Longyearbyen, wo es während 81 Tagen keine Sonne gibt.

Bildlegende: Häuser im norwegischen Longyearbyen, wo es während 81 Tagen keine Sonne gibt. Keystone/Archiv

Theorie und Praxis

In jedem Schulbuch ist nachzulesen, dass es am kürzesten Tag nördlich des Polarkreises keinen Sonnenschein mehr gibt.

Dies ist nicht ganz korrekt. Durch die Beugung des Sonnenlichtes in der Atmosphäre und weil die Sonne kein Punkt, sondern eine Kugel ist, gibt es beispielsweise in Bodö heute noch Sonnenlicht, obwohl die Stadt knapp nördlich des Polarkreises liegt. Rein mathematisch steht die Sonne aber 0,2 Grad unter dem Horizont.

Auch das ist aber nur Theorie. Bildet nicht gerade das Meer den Horizont, sorgen Hindernisse, wie Berge, Häuser usw. für ganz andere Sonnenauf- und Untergangszeiten. So gibt es auch in der Schweiz Gegenden, die auf Grund ihrer topographischen Umgebung im Winter keinen Sonnenschein haben, so beispielsweise Teile von Visp im Rhonetal oder auch die Gemeinde Starkenbach im Toggenburg. Egal wo man sich aber auf der nördlichen Erdhalbkugel befindet. Ab Mittwoch wird es wieder länger hell.

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SRF Meteo hält die aktuellsten Wetterinformationen bereit.

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