Die Schattenseiten des Kommerzes am Everest

Gegen 900 Bergsteiger wollten im vergangen Jahr auf den Gipfel des Mount Everest. Das Abenteuer ist längst zum Big Business geworden. Extrembergsteiger der Sorte Steck stören hier nur das Geschäft. Nach Ueli Steck äussert sich nun auch Expeditionskollege Simone Moro zum Vorfall.

Die Bergsteiger Ueli Steck, Jonathan Griffith und Simone Moro.

Bildlegende: Die Bergsteiger Ueli Steck, Jonathan Griffith und Simone Moro. (v. l. n. r.) Ueli Steck

«Motherfucker, what are you doing?» Dieses Schimpfwort auf 7100 Meter brachte das Fass zum Überlaufen. Auf den verbalen Streit am Berg folgte im Camp 2 eine handfeste Auseinandersetzung. Ueli Steck wurde tätlich angegriffen und mit Steinen beworfen. «Man wollte uns umbringen, die Sherpas wollten Blut sehen» sagt Steck gestern im Interview mit «10vor10».

Erstmals nimmt Expeditionskollege Simone Moro Stellung zum Eklat am Mount Everest. Moro bestätigt im Wesentlichen die Schilderungen von Ueli Steck. Die beiden hätten die Seile der Sherpas überquert, ohne diese zu berühren. 

Ohne ersichtlichen Grund kam es dann zum Streit zwischen dem Leader der Sherpas und Ueli Steck. «Weder Steck noch ich waren am Seil, einzig unsere Steigeisen gaben uns Halt auf dem Eis», beschreibt Moro die Situation. «Die Sherpas warfen mit Eisstücken nach uns, es war wirklich sehr gefährlich – ein Sturz jederzeit möglich. In dieser Situation habe ich Motherfucker, what are you doing? geschrien.»

Simone Moro bestätigt gleichlautend, wie Ueli Steck die Ereignisse im Camp 2. «Die wollten uns wirklich umbringen» schreibt Moro in einem Mail, das SRF News Online vorliegt.

Als Grund für den Streit sieht Moro die zunehmende Kommerzialisierung des Alpinusmus in Nepal und speziell am Mount Everest.

Grosses Geschäft

«Die Sherpas wollen sich einen immer grösseren Teil des Geschäfts am Berg sichern, unabhängige Bergsteiger stören diese Expansionsstrategie.» Der Tagessatz für einen Sherpa liegt bei etwa 500 US-Dollar. Nicht eingerechnet sind  Zulagen für Lasten, Höhe und Ausrüstung.

Nicht nur die Sherpas machen Kasse am Berg, auch Nepal verdient tüchtig an den Lizenzen mit.  Nach Schätzungen des nepalesischen Tourismus-Ministeriums liegen die Einnahmen zwischen 4 und 9 Millionen Dollar. Tendenz steigend.

Der Eklat am Mount Everest könnte sich allerdings negativ auf das Geschäft mit den zahlenden Bergsteigern auswirken. Der Aufstand der Sherpas gegen das Team von Ueli Steck ist bestimmt nicht die beste Werbung.

Video «Ueli Steck spricht über den Eklat am Mount Everest» abspielen

Ueli Steck spricht über den Eklat am Mount Everest

16 min, vom 6.5.2013