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Panorama Die Schweiz – ein klimatischer Risikokandidat?

Der Klimagipfel in Lima läuft. Pünktlich dazu hat die Umweltorganisation Germanwatch eine Bilanz von Naturkatastrophen vorgelegt. Ergebnis: Entwicklungsländer leiden am meisten. Und mit steigender Temperatur wird es noch gefährlicher. Wer jedoch glaubt, in der Schweiz sicher zu sein, täuscht sich.

Das Dorf Klosters in Graubünden ist am 23. August 2005 überflutet aus der Luft aufgenommen.
Legende: Das Dorf Klosters in Graubünden wurde am 23. August 2005 überflutet. Keystone

Vertreter von 195 Staaten zerbrechen sich bei der UNO-Klimakonferenz in Lima den Kopf darüber, ein Rahmenabkommen zum Stopp der Erderwärmung zu erstellen. 2015 soll es unterzeichnet, 2020 umgesetzt werden.

Und die Uhr tickt – glaubt man dem Weltklimarat. Der dokumentierte Anfang November in einem Bericht den Anstieg von Risiken infolge von Extremwetterereignissen, wenn die Temperaturen weiter steigen sollten. Heisst: Wenn es noch heisser wird, werden die Folgen von Naturkatastrophen schlimmer – noch schlimmer. Denn die Folgen von Unwettern sind heute schon gravierend. Wie gravierend sie sind, zeigt der aktuelle Klima-Risiko-Index (KRI) der deutschen Umweltorganisation Germanwatch.

Es trifft die Armen

Der KRI listet 159 Staaten auf. Platziert sind diese nach einem Wert (KRI-Wert), der sich unter anderen aus den ökonomischen Schäden und den Opferzahlen in Folge von Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen zusammensetzt. Die Zahlen basieren auf Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Versicherungsgesellschaft Münchner Rück.

Germanwatch hat daraus Ranglisten für den Zeitraum 1994 – 2013 und das Jahr 2013 erstellt. Kurz- und Langzeitstudie kommen zu demselben Ergebnis: Besonders die Entwicklungsländer leiden unter den Wetterextremen. Neun der zehn am stärksten betroffenen Staaten sind Staaten wie Honduras, Myanmar und Haiti.

Trotzdem: Auch hoch entwickelte Staaten finden sich auf den vorderen Plätzen. In der Langzeitstudie belegt die Schweiz den 30. Platz und befindet sich damit in illustrer Gesellschaft. Deutschland (22.) liegt sogar noch vor der Schweiz – Österreich nur wenige Plätze dahinter (42.). Wegen der hohen Todeszahlen würden die Entwicklungsstaaten vorne liegen, bei den Industrienationen seien es die hohen ökonomischen Schäden, erklärt Sönke Kreft, einer der Autoren der Studie und Teamleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.

Die Schweiz – ein klimatischer Risikokandidat?

Dass die Schweiz so weit oben rangiert, dafür haben laut Germanwatch folgende Gründe den Ausschlag gegeben:

  • 1999 gab es gewaltigen Schneefall im Januar und Februar, gefolgt von extremen Überschwemmungen im Frühjahr; Orkan «Lothar» wütete im Dezember, insgesamt gab es 1999 einen Schaden von 3,7 Mrd. US-Dollar (rund 3,6 Mrd. Franken)
  • 2003 forderte die extreme Hitzewelle in der Schweiz fast 900 Menschenleben auch die landwirtschaftlichen Schäden waren erheblich
  • 2005 gab es einen «Jahrhundertniederschlag» im August, 900 Gemeinden waren betroffen, daraus resultierte ein Schaden von 3,1 Mrd. US-Dollar (rund 3 Mrd. Franken)

Auch bei den anderen europäischen Ländern wie Deutschland sei der Hitzesommer 2003 für die hohen Opferzahlen verantwortlich, sagt Kreft.

Insgesamt sind nach Angaben von Germanwatch weltweit zwischen 1994 und 2013 mehr als 530'000 Menschen als direkte Folge von mehr als 15'000 Wetterereignissen ums Leben gekommen. Der finanzielle Schaden belief sich dabei auf mehr als 2,2 Billionen US-Dollar in Kaufkraftparitäten.

10 meist betroffene Länder 1994-2013

LandKRI-WertTote pro 100'000 EinwohnerSchäden in Millionen US-Dollar (Kaufkraftparitäten)
1.Honduras10.334.60813.56
2.Myanmar14.0014.801256.20
3.Haiti16.173.41261.41
4.Nicaragua16.672.98301.75
5.Philippinen19.501.132786.28
6.Bangladesch20.830.543128.80
7.Vietnam23.500.482918.12
8.Dominikanische Republik31.002.38274.06
9.Guatemala31.170.68477.79
10.Pakistan31.500.313988.92
22.Deutschland42.670.583842.95
30.Schweiz49.000.76525.40
41.Österreich57.330.33567.80

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Warum ist bei der Liste Honduras die Nummer Eins und nicht Myanmar? Dass wirtschaftliche Schäden gleich bewertet werden als Tote ist meines Erachtens bedenklich.
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  • Kommentar von Christian Vogel, Laupen
    Viele dieser aufgelisteten ärmsten Länder haben (noch) keine industrielle Entwicklung durchgemacht oder haben im Vergleich mit den Industrienationen noch einen Weg zu gehen. Liegen die Gründe in der geografischen Lage, in der Kultur & Religion, in den politischen Rahmenbedingungen..., oder ist es einfach das Wetter? Was ist die Absicht dieser Aufstellung? Geht es um Gerechtigkeit, wo das Wetter zuschlagen darf? Oder wer dafür verantwortlich gemacht wird und zahlen soll?
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  • Kommentar von P Zunger, Basel
    Wer auf Liste ist, hat bessere Chancen auf internationale Hilfe, wer nicht, wird hinten anstehen müssen. Die Nr. 4 soll hier Nicaragua sein, Wirbelstürme ist Gefahr, das gälte aber genauso für ganz Mittelamerika. Nicaragua's Probleme sind aber weit mehr Mensch gemacht wie Opfer von Klima: die Sozialisten (Sandinisten) haben Land in letzten 30 Jahren mit Planwirtschaft und Korruption völlig runter gewirtschaftet, heute "Armenhaus" von Mittelamerika. Daher ist es auf Hilfe angewiesen.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Was sollte Europa da tun? Etwa Geld hin senden damit es durch die Korruption und Misswirtschaft versickert?
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    2. Antwort von P Zunger, Basel
      @H Knecht: Genau darum geht es doch, unter dem Deckmantel von Klimaschutz fliessen heute schon weltweit Milliarden via CO2 Abgaben in "arme" Länder, die weit mehr aus menschgemachter Misswirtschaft (meist "sozialistisch"=korrupt) verarmt sind wie Umweltkatastrophen je angerichtet haben und anrichten werden können.
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