Die «Sesamstrasse» macht Kinder klug

Zwei US-Forscher haben Erstaunliches herausgefunden: Fernsehen kann auch klug machen. So profitieren Kinder im Vorschulalter davon, wenn sie die Kindersendung «Sesamstrasse» schauen.

Einige der bekanntesten Puppen der «Sesamstrasse» posieren.

Bildlegende: Die «Sesamstrasse» verhilft Kindern im Vorschulalter zu besseren Wahrnehmungs- und Lernfähigkeiten. Keystone

Bibo, der gelbe Vogel Big Bird oder Graf Zahl machen kleine Kinder fit für die Schule. Das ist nun wissenschaftlich belegt. Gemäss einer neuen Studie hat die «Sesamstrasse» die kognitiven Fähigkeiten der späteren Grundschüler gestärkt. Sie haben bessere Noten erhalten und sind weniger sitzengeblieben.

Alle Probleme kann die «Sesamstrasse» nicht lösen

Zwei Ökonomen haben für ihre historisch angelegte Untersuchung zwei Gruppen verglichen: Jene Kinder, welche die «Sesamstrasse» nach dem Start vor fast 50 Jahren nicht empfangen konnten und Kinder, die Fernsehempfang hatten. Die Studie zeigt auch, dass vor allem Buben profitierten, dazu aber auch schwarze und arme Kinder.

«Natürlich kann die ‹Sesamstrasse› nicht alle Probleme im amerikanischen Bildungswesen lösen», betont der Ökonom Philip Levine, einer der Studienautoren. Wenn man mehr für die Schwierigkeiten von armen Schulkindern tun wolle, müsse man mehr investieren als fünf Dollar. So viel kostet eine Folge der «Sesamstrasse» pro Kind und Jahr.

Vorteil ist zeitlich begrenzt

Die öffentlichen Schulen in den USA sind chronisch unterfinanziert, weil sie kaum staatlich unterstützt werden. Sie sind deshalb auf private Spender angewiesen. Immerhin zeigt die neue Untersuchung, dass die «Sesamstrasse» kleinere Kinder auf die Schulzeit vorbereiten kann. 80 Millionen Kinder haben die Kindersendung seit 1969 allein in den USA geschaut.

Doch auf ewig können Big Bird Bibo und seine Kameraden den Kindern nicht helfen. Die frühen positiven Auswirkungen der «Sesamstrasse» gehen später verloren: Die Kinder der beiden untersuchten Gruppen sind als Erwachsene nicht mehr mit besonderen Erfolgen aufgefallen, wie die Studie ebenfalls herausfand.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

«Diese Erkenntnis zeigt, dass es Lernsendungen geben sollte, die ältere Zielgruppen ansprechen», sagt Ökonomie-Professor Levin deshalb. Potenzial sieht er zum Beispiel bei den «Massive Open Online courses», meist kostenlose Online-Kurse für Erwachsene. Oder man kreiere eine «Sesamstrasse» für Erwachsene, meint er. Denn: Wie heisst es dort so treffend? Wer nicht fragt, bleibt dumm.