Tragödie im Himalaya Die Tour, die Ueli Steck zum Verhängnis wurde

Der Berner Extrem-Bergsteiger Ueli Steck ist am Sonntag an einem Berg in Nepal gestürzt und tödlich verunglückt. Der Schweizer Helikopterpilot Maurizio Folini und Fotograf Robert Bösch sind in Nepal vor Ort und versuchen, das Unglück des Ausnahme-Alpinisten zu verstehen.

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Ueli Stecks einsamer Tod

3:52 min, aus 10vor10 vom 1.5.2017

Ueli Steck war Anfang April nach Nepal aufgebrochen. Dort wollte er sein jüngstes Projekt realisieren: die Everest-Lhotse-Überschreitung ohne zusätzlichen Sauerstoff. Steck wollte die beiden Berge von über 8000 Metern Höhe in weniger als 48 Stunden überqueren. Auf einer Vorbereitungstour am Nuptse ist Ueli Steck am Sonntag tödlich verunglückt.

Freund musste Steck bergen

Der Schweizer Helikopterpilot Maurizio Folini unterstützt während der Bergsteiger-Saison die Bergretter am Himalaya. Gemäss seinen Angaben änderte Steck vor der Tour kurzfristig seine Pläne.

Ueli Steck an einem Felsen.

Bildlegende: Ueli Steck gehörte zu den allerbesten Bergsteigern der letzten Jahrzehnte, sagt Reinhold Messner. Keystone

Folini flog gestern den Helikopter für die Bergung von Ueli Steck. «10vor10» erzählt er, dass Steck zur Vorbereitung seiner Tour zum South Col, einem Pass zwischen Everest und Lhotse, aufsteigen und am Abend zum Basislager zurückkehren wollte.

Am Samstagnachmittag hatte Steck seinem Partner Tenji in einer SMS seine Planänderungen mitgeteilt. Er habe ihm geschrieben, dass er nicht mehr an den South Col gehe, sondern an den nahegelegenen Nuptse wolle. An diesem Berg ist der Unfall passiert. Wie Ueli Steck stürzte, ist nach wie vor unklar.

Erst die Bergung, dann die Emotionen

Helipilot Folini unterstützt während der Hochsaison die Bergrettung in Nepal bei besonders schwierigen Einsätzen, so auch gestern. Mit einer Maschine der Fishtail Air flog der Pilot zur Absturzstelle auf 5600 Meter Höhe.

Helfer laden den Helikopter aus.

Bildlegende: Die sterblichen Überreste von Ueli Steck wurden nach Kathmandu geflogen. Keystone

Den Moment der Bergung seines Freundes beschreibt er so: «Bei der Landung habe ich erfahren, dass für Ueli Steck jede Hilfe zu spät kommt. Im ersten Moment habe ich mich dann nur auf meine Tätigkeit konzentriert, also auf die Leistung des Helikopters, auf den Wind und die Organisation der Bergung.» Die Emotionen hätten ihn später eingeholt, als er alleine war.

Pilot Maurizio Folini betont: «Es ist ein grosser Verlust, nicht nur im alpinistischen Bereich sondern auch für die Menschheit.»

«  Ueli Steck gehörte zu den allerbesten Bergsteigern der letzten Jahrzehnte.  »

Reinhold Messner
Bergsteiger-Legende

Fotograf Robert Bösch erschüttert

Auch Kameramann und Freund Robert Bösch ist bestürzt über die Nachricht von Ueli Stecks Tod. Er hält am Telefon fest: «Ueli Steck wird bestimmt als inspirierender Bergsteiger in die Geschichte eingehen. Er hat seine Projekte immer akribisch vorbereitet, hat sie kompromisslos durchgezogen und hat das ganze Bergsteigen klar weitergebracht.»

Robert Bösch ist am Montag in Nepal angekommen. Er sollte Ueli Steck auf seiner Tour für Bildaufnahmen begleiten. Bösch hat in den letzten Jahren viele der Extremtouren Stecks dokumentiert.

Ehefrau in Nepal eingetroffen

Ueli Stecks Frau ist heute in Nepal eingetroffen, seine Eltern werden morgen erwartet. Vor Ort will sich die Familie um die Beerdigung kümmern. So würdigt auch Bergsteiger-Legende Reinhold Messner gegenüber SRF seinen Kollegen: «Ueli Steck hatte die Fähigkeit das zu machen, er hatte die Ausdauer das zu machen, die Schnelligkeit das zu machen.»