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Panorama Die «Weltwoche» steht vor Gericht

Theaterprojekte schaffen es selten in die News. Doch der Schweizer Regisseur Milo Rau hat ein Gespür für brisante, medienwirksame Themen und Settings. Zurzeit macht er im Theater Neumarkt in Zürich der «Weltwoche» den Prozess.

Legende: Video Roger Köppel stellt sich dem Gericht nicht abspielen. Laufzeit 4:49 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.05.2013.

Das Theater war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das Bühnenbild stellt eine Gerichtssituation dar, in der sich an Holztischen Richterin, Anklage, Verteidigung und die Geschworenen gegenübersitzen.

Doch keiner auf der Bühne ist ein echter Schauspieler. Es sind Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medien, die sich bereit erklärt haben, in diesem fiktiven Prozess eine Rolle zu übernehmen.

Sieben Geschworene – Bürger und Bürgerinnen der Schweiz – werden am Sonntagabend darüber entscheiden, ob die «Weltwoche» in drei Anklagepunkten für schuldig erklärt wird. Es geht um den Verstoss gegen den Artikel 258 des Schweizer Strafrechts «Schreckung der Bevölkerung», Artikel 261 «Rassendiskriminierung» und Artikel 275 «Gefährdung der verfassungsmässigen Ordnung». Auch wenn das Ganze im Theater stattfindet und das Urteil juristisch folgenlos sein wird, geht es Regisseur Milo Rau mit den Zürcher Prozessen um die Wirklichkeit. «Was ich hier mache, ist fiktionalisiere etwas Reales. Also ich nehme einen realen Fall, aber ich habe ein komplett fiktionales Tribunal. In dem aber eine Realität entsteht, die auch wieder real ist.»

So viel hat der gestrige Abend, an dem die Plädoyers der Anklage und der Verteidigung vorgetragen wurden, schon gezeigt: Es geht um grundlegende moralische Fragen. Steht die Medienfreiheit über dem Schutz vor Minderheiten. Ab wann wird eine publizistische Haltung zu einem juristischen Fall. Und nicht zuletzt die Frage, ob das Theaterformat der Zürcher Prozesse diese Diskussion in Gang bringen kann. (aebyni;weis)

«Die Zürcher Prozesse»

«Die Zürcher Prozesse»

Das einmalige Experiment im Theater Neumarkt in Zürich geht am heutigen Samstag 12 Uhr weiter und das Urteil wird am Sonntagabend gesprochen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho, Schmerikon
    Also ich frage mich ja schon, wie weit unsere Demokratie noch mit den Füssen getreten wird. Haben nun wirklich schon überall die Linken Medien das sagen, dies wäre ein fataler Fehler und dies darf auch nicht sein in einer Demokratischen Gesellschaft. Ansonst sind wir wirklich mit der Zeit in einem Diktaturstaad. Hoffe nicht das dies soweit kommt! Wanner kritisiert BAZ, Zürich führt Theater von R.Köppel vor Gericht.Hetzerei pur wo bleibt die Friedensvermittlung im eigenen Land der Schweiz.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Was der Ex Chef der Weltwoche herauslässt, ist mir auch zuwider. Die Linken wollen die Demokratie, die Meinungsfreiheit und die übrigen Werte, welche die Schweiz stark gemacht haben grobschlächtig mir Füssen treten, Das lässt die düsteren Zeiten der UdSSR und der DDR aufkommen. Ungeheuerlich! Als Gegenpol zu den linksgerichteten Mainstreammedien braucht es Medien, welche die Realität erkennen und die Probleme mutig thematisieren.
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  • Kommentar von Nicolas Müller, Basel
    Und die WW lacht sich ins Fäustchen. Gratiswerbung in fast allen Medien in der Höhe von umgerechnet mehreren hunderttausend Franken! Negativwirkung durch dieses Theater = null.
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