Ein Bankomat für Gott

Es gehört zum Ritual: Am Schluss des Gottesdienstes klingelt das Münz für die Kollekte. Doch viele haben in den USA gar kein Bargeld mehr im Portemonnaie. Deshalb gibt es jetzt Bankomaten für die Kirche. Gespendet wird per Kreditkarte. Und das rentiert sich – auch für den Erfinder.

Ein Mann wirft Geld in einen Opfertopf.

Bildlegende: Gehört möglicherweise auch hierzuladen irgendwann der Vergangenheit an: Die Barspende am Schluss des Gottesdienstes. Keystone


Ein Bankomat für den Herrgott. (Ruth Wittwer)

4:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.03.2013

In den USA gibt es keine staatlichen Kirchen. Jeder kann eine Kirche gründen, solange er sie finanzieren kann. Amerikas Kirchen sind deshalb alle auf Spenden angewiesen. Die Bürgerinnen und Bürger kennen das. Sie werden von klein auf damit vertraut gemacht, dass Spenden eine Selbstverständlichkeit ist.

Doch immer weniger Bürgerinnen und Bürger tragen Bargeld mit sich. Es klingelt nicht mehr in den Opfertöpfen. Amerikaner bezahlen fast alles und fast immer mit Kreditkarte. Und das können sie nun auch in der Kirche.

Die Idee kommt von Marty Baker, dem Pastor einer Pfingstgemeinde im Südstaat Georgia. Und die Idee ist einfach: Beim Ausgang der Kirche steht ein Bankomat. Doch dieser gibt kein Geld, er nimmt es - es ist ein Bankomat für Gott. 

Baker wollte den Menschen helfen. «Wir realisierten, dass die Leute spenden wollen.» Mit seiner Erfindung sei das so schnell und einfach wie das Bezahlen im Lebensmittelladen oder an der Tankstelle, sagt Baker. Karte durchziehen, Betrag eintippen, Name, Telefonnummer eingeben -  und fertig.

Heiliges Startup-Unternehmen

Mit den Spenden finanziert Baker seine Kirche. Auch Missionen in Honduras oder Obdachlosenheime werden unterstützt. Durchschnittlich 150 Dollar spenden die Anhänger seiner Kirche. Das sind bis zu 40 Prozent mehr als vor der Einführung der Spendenmaschinen.

Baker ist aber nicht nur Pfarrer, sondern auch Geschäftsmann. Er hat seine Spendenkioske – wie sie in den USA genannt werden -  weiter verkauft. Mittlerweile stehen sie in fast 1000 Kirchen oder anderen sozialen Institutionen. Baker verdient an jedem dieser Automaten mit. Nach eigenen Angaben erhält er jeweils 300 bis 400 Dollar.  Gott habe nichts dagegen, sagt Baker dazu. «Gott hat mich dazu gebracht, es war seine Idee.»

(luek)