Das neue Globi-Buch Ein ETH-Werbespot auf 100 Seiten

Mit «Globi und die verrückte Maschine» hofft die ETH, Kinder für Technik und Wissenschaft zu begeistern. Damit sich dereinst manche von ihnen an der Technischen Hochschule ausbilden lassen.

Globi, der freche blaue Vogel mit dem Béret und der rotschwarz karierten Hose, ist auch 85 Jahre nach seiner Erschaffung noch immer eine der populärsten Schweizer Kinderbuch-Figuren. Soeben ist das neuste seiner Abenteuer erschienen: «Globi und die verrückte Maschine».

Kooperation mit der ETH

Der 87. Globi-Band ist einmal mehr in Kooperation mit einer Schweizer Institution entstanden, diesmal mit der ETH Zürich. Daran zeigt sich der Wandel, den Globi durchgemacht hat: Vom anarchistischen Lausbuben zum Botschafter mit pädagogischem Auftrag. Diesmal lautet dieser, dass sich die Kinder dank Globi schon früh für Forschung und Technik begeistern sollen.

Die ETH selbst hat das Projekt an den Globi-Verlag herangetragen. «Vielleicht kommen die Kinder später zu uns, um Wissenschaft und Technik zu studieren», sagt ETH-Rektorin Sarah Springman zum erhofften Effekt, den der Comic-Band haben soll. Das neue Globi-Abenteuer entpuppt sich denn auch als ETH-Werbespot auf 100 Seiten.

Im Gegenzug verpflichtet sich die ETH, dem Verlag fünftausend Exemplare abzukaufen. Das ist immerhin ein Fünftel der Erstauflage. Auf diese Weise haben sich in früheren Jahren schon die Zürcher Stadtpolizei, das Fernsehen SRF, die Post oder die SBB Globis Gunst erkauft.

Globi war schon immer eine Werbefigur

Verliert Globi dadurch nicht einen Teil seiner Glaubwürdigkeit beim jungen Publikum? Das glaubt Gisela Klinkenberg nicht. Die Leiterin des Globi-Verlags sagt: «Ich glaube, wir schaffen es, dass Globi für Kinder die spannende Abenteuerfigur bleibt, die er schon immer war – dank seiner pfiffigen, neugierigen Art, die an Daniel Düsentrieb erinnert.»

Ausserdem sei das Zusammengehen von Globi mit Werbung nichts Neues. Schliesslich sei die Figur ja vor 85 Jahren vom Warenhaus Globus erfunden worden, fügt Klinkenberg an. In der Schweiz gebe es viele interessante Institutionen, welche für die Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten – wie die SBB, der Flughafen Zürich oder der Nationalpark. Diese bringt Globi den Kindern näher.

Vom Tierquäler zum Vegetarier

Globi-Sammler und Experte Beat Frischknecht stellt fest, dass Globi früher viel anarchistischer gewesen sei als heute: «Früher hat er Streiche gespielt und Tiere geplagt – heute hilft er der Polizei, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz. Als Polarforscher macht Globi ausserdem auf den Klimawandel aufmerksam. Er kocht vegetarisch und ist enorm brav und vorbildlich.»

«  Früher hatte Globi mit seinen Streichen eine Art Stellevertreterfunktion für die Kinder. »

Beat Frischknecht
Globi-Experte

Globi habe seit seiner Erfindung 1935 eine eigentliche Wandlung durchgemacht – wie das auch für die Situation der Kinder der Fall sei, so Frischknecht weiter. Früher sei Kindern fast alles verboten gewesen, heute dürften sie praktisch alles. «Deshalb hatte Globi mit seinen Streichen früher eine Art Stellevertreterfunktion für die Kinder, heute ist er zum Vorbild für gutes Tun geworden.»

Globi-Figur in Farbe steht neben Scholkade-Globis.

Bildlegende: Schoggiglobi – gedruckt an der ETH mit einem Schoggidrucker- srf

Bei den Kindern immer noch beliebt

Eigentlich müsste man befürchten, dass dies die Kleinen langweile, sagt Frischknecht. «Doch offensichtlich gefällt das den Kindern.» In der Tat verkaufen sich auch die neuen, gesponserten Globi-Abenteuer sehr gut. Die Erstauflagen sind jeweils innert eines Jahres ausverkauft.

Globi mag in den letzten Jahren einiges an Frechheit verloren haben, aber aus kommerzieller Sicht ist der blaue Comic-Vogel noch immer ein Überflieger.

Globi an der ETH

Globi an der ETH

Am Mittwoch war Globi in «Fleisch und Blut» an der ETH zu Gast. Dort präsentierte er den neuesten Band der Kinderbuch-Reihe «Globi und die verrückte Maschine». Sehen Sie hier die Bilder dazu.

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