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Unser Mann bei der Nasa Ein Schweizer will das All erobern

Thomas Zurbuchen ist Forschungschef bei der US-Weltraumbehörde. Die Sonnenfinsternis lässt das Herz des Berners hüpfen.

Thomas Zurbuchen ist ein nüchterner Mensch – ein Naturwissenschaftler, der sich mit Zahlen und Fakten herumschlägt, der berechnet, kombiniert, analysiert. Doch wenn es um die Sonnenfinsternis geht, leuchten seine Augen wie bei einem kleinen Kind: «Man ist quasi zwischen einem Stern, dem Mond und unserem Planeten. Solch ein kosmisches Ereignis will jeder Mensch einmal erlebt haben.»

Zurbuchen erlebt es wie kaum jemand sonst: Er gehört sozusagen zum Empfangskomitee der schwarzen Sonne: «Ich werde in einem Flugzeug über der Küste des Bundesstaates Oregon sein. Dort, über den Wolken, werde ich den Schatten empfangen, bevor er über das Land geht.»

Sonnenfinsternis USA

Den Fensterplatz hoch über der Erde hat Zurbuchen seiner beruflichen Stellung zu verdanken. Der 49-jährige Astrophysiker ist Forschungschef bei der Nasa, so etwas wie der oberste Wissenschaftler der amerikanischen Weltraumbehörde. Dort verantwortet er die über 100 Forschungsmissionen im Weltall: «Alles vom Weltraum-Teleskop Hubble bis zu den drei Satelliten um den Mars herum. Dazu kommen diejenigen beim Jupiter, Saturn oder der Satelliten, der vom Pluto zum nächsten Objekt unterwegs ist.»

Neben diesen Missionen verantwortet Zurbuchen die «strategische Voraussicht» der Nasa: «Wo wollen wir in den nächsten zehn, zwanzig Jahren hin?» Dafür stehen Zurbuchen über sechs Milliarden Dollar im Jahr zur Verfügung. Forschungsgelder, die er und seine Leute vielen tausend der besten Weltraum-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitergeben können – ein selten einflussreicher Posten.

Der Wissenschaftsstandort USA ist bei weitem der Beste.
Autor: Thomas ZurbuchenForschungschef der Nasa

Dass ein Wissenschaftler aus der Schweiz, ein Junge aus Heiligenschwendi am Thunersee besetzt, Chef der Nasa wird, findet Zurbuchen selber gar nicht so abwegig: «Als Kind habe ich Heiligenschwendi die Sterne beobachtet. Es ist einer der schönsten Nachthimmel der Schweiz.» Seinen Aufstieg zum Forschungschef der Nasa habe er aber auch dem Schulwesen in der Schweiz zu verdanken.

Aufbruch aus der kleinen Schweiz

In der Primarschule, im Gymnasium, an der Universität: Überall hätten ihn Lehrerinnen und Lehrer gefördert, sagt Zurbuchen. Und der Nationalfonds ermöglichte dem jungen Doktor der Physik 1996 einen Forschungsaufenthalt in den USA. Was für ein Jahr geplant war, wurde eine Entscheidung fürs Leben.

Der junge Forscher aus der kleinen Schweiz machte in den USA Karriere, wurde Assistent, dann ordentlicher Professor an der University of Michigan, Ann Arbor. Letztes Jahr dann der Sprung nach Washington auf den Chefsessel der Nasa.

Nun ist Zurbuchen, inzwischen auch US-Bürger, definitiv im Zentrum der Wissenschaftsmacht Nummer Eins angekommen: «Der Wissenschaftsstandort USA ist bei weitem der Beste. Die Nummer Zwei ist viel weiter zurück, als die meisten Leute denken.»

Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops von 2015
Legende: «Hubble» liefert einmalige Einblicke ins Universum: Hier eine Aufnahme des Adlernebels von 2015, Reuters

Weltraumforschung in Zeiten von Trump

Gerade die Atmosphärenwissenschaft scheint es in den USA im Moment aber ziemlich schwer zu haben. Der Umweltminister droht mit der Löschung von ganzen Datensätzen. Präsident Trump höchstpersönlich hält den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen. Viel Geschrei, meint Zurbuchen, mit wenig Folgen.

Schlussendlich sei für ihn nur eines wichtig: «Was sagen die Budgets? Wie stimmen diese Politikerinnen und Politiker, wenn es am Ende ums Geld geht? Tatsache ist, dass die Nasa mit der aktuellen Regierung eines der grössten Budgets hat, das sie je hatte.»

Die Nasa werde von beiden Parteien, Republikanern und Demokraten, gestützt. Und es gebe wenig Anzeichen, dass das ändern werde. Im Übrigen nehme die Wissenschaftsfeindlichkeit überall zu. Auch in Europa lachten viele über Donald Trump, lehnten dann aber Impfungen ab. Das sei genau gleich irrational.

Die Bibel hilft vielen Menschen, ein besseres Leben zu führen. Aber es ist kein wissenschaftliches Buch.
Autor: Thomas ZurbuchenForschungschef der Nasa

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssten ihre Arbeit den Leuten besser erklären, fordert Zurbuchen. Zum Beispiel jenen 40 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, die die Evolutionstheorie ablehnten, nicht einfach als Idioten abstempeln und links liegen lassen.

Diskussion und Aufklärung seien wichtig, betont Zurbuchen. Und da fühle er sich in einer guten Position, sei er doch selber in einer evangelikalen Familie aufgewachsen. Er kenne die Bibel und achte Leute, die sie als moralische Richtschnur läsen: «Die Bibel hilft vielen Menschen, ein besseres Leben zu führen. Aber es ist kein wissenschaftliches Buch.»

Zuweilen aber kommen sich Glaube und Wissenschaft sehr nahe – während einer Sonnenfinsternis zum Beispiel. Wenn der Mond die Sonne verdeckt, wenn es mitten am Tag dunkel wird und die Vögel verstummen. Dann ist das Gelegenheit für hochkomplexe Experimente, aber auch Gelegenheit, bloss zu staunen.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Breitschmid (Markus in Washington)
    Der Herr Prof. Dr. Zurbuchen macht in diesem kurzen Bericht soviele treffende Aussagen, welche genauer und gescheiter sind, als das was man über einen Zeitraum von einigen Monaten hinweg in den verschiedenen Medien liest und zu hören bekommt. Es wäre interessant mehr von Herrn Zurbuchen zu vernehmen, ganz speziell auch zu politischen Themen, welche in den Medien immer vorallem auf moralischer Ebene diskutiert werden.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Gratuliere Hr. Zurbuchen. Fein gesagt.
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    @Zurbuchen: Die Wissenschaft ermöglicht Menschen die materielle Welt zu untersuchen und die vorhandenen und funktionierenden, physikalischen Funktion zu verstehen. Es ist keine Disziplin die über das Materielle hinausgehen kann. Jedes kleine Kind dass von seiner Mutter Zuneigung, Liebe und Barmherzigkeit usw. bekommt, weiss aber, dass es viel mehr als materielle Funktionen gibt...
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    1. Antwort von Mike Pünt (Scientist)
      Dann ist Liebe also etwas Übernatürliches? Vor 500 Jahren hätten Sie das ja noch behaupten können. Doch heute wissen wir, dank der Wissenschaft, dass Gefühle in unserem Gehirn entstehen (auch wenn viele Fragen noch offen sind). Die Wissenschaft ermöglicht es alles zu untersuchen. Alles, was existiert. Das heisst, solange sich etwas nicht untersuchen lässt, sollten wir auch nicht daran glauben.
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    2. Antwort von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
      @M.P. Sie beweisen sich ja gerade eben selbst, dass sie einen grossen Glauben haben, nur eben einzig und alleine ein Glauben an das was ihnen die Wissenschaft sagt, was man messen und sehen kann. Liebe ist nicht ein Gefühl sondern Ursprung davon und die Materie des Hirns ist ein beteiligtes Werkzeug um Liebe wirksam werden zu lassen. Die Quelle ist nicht das Werkzeug.
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    3. Antwort von Mike Pünt (Scientist)
      Natürlich glaube ich an die Wissenschaft. Sie ist nachweislich die Methode, die es uns erlaubt herauszufinden wie die Dinge wirklich funktionieren. So müssen wir nicht irgendwelche Behauptungen aufstellen, wie zb. dass die Liebe der Ursprung aller Gefühle ist. Woher wissen Sie das? Kann man das testen? Wenn Sie einfach etwas behaupten, dann gaukeln Sie damit vor die Antwort zu wissen und das erschwert den Fortschritt. Es ist auch unehrlich.
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