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Ganz schön schräg Eine Bergbahn mit «Wursträdli» als Markenzeichen

Die 84-jährige Stoosbahn braucht einen Ersatz. Das neue futuristisch anmutende Fahrzeug fährt mit 110 Prozent Steigung so steil wie noch keine Standseilbahn zuvor.

Legende: Video Neu designte Bergbahnen sind im Trend abspielen. Laufzeit 03:24 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.08.2017.

Wer bis anhin von einer «Standseilbahn» sprach, der meinte eine schräg gebaute Schienenbahn, welche stets etwa in derselben Neigung einen Berg erklimmt. Diese Definition ist ab heute passé.

Die Standseilbahn Schwyz-Stoos, welche am 17. Dezember eröffnet wird, fährt eben und zugleich extrem schräg. Bis zu 47,7 Grad schräg liegt das Trassee im extrem steilen Gelände. Doch schlecht wird es dabei niemanden, denn die vier Personenkabinen werden durch eine hydraulische Steuerung immer waagrecht gehalten.

Grafik Höhenprofil

«Dass wir nun weltweit eine Rekordbahn bauen, hat nichts mit Kalkül zu tun», meint Bruno Lifart, der Neubau-Projektleiter bei den Stoosbahnen. Es sei zwar von Vorteil, mit dieser Eigenschaft von sich reden zu machen, aber Sachzwänge und Vorschriften hätten den Ausschlag zu dieser Pilotbahn gegeben.
Einerseits war die ursprünglich geplante Gondelbahn in der Fluglinie des benachbarten Schiessstandes. Für die Sicherungsanlagen hätte man vier bis fünf Millionen in die Hand nehmen müssen.
Und auch eine Modernisierung der alten Bahn kam nicht in Frage: «Eine neue Bahn auf dem alten Trassee hätte eine Spurverbreiterung nötig gemacht. Während zwei Jahren wäre die Bahn bei der Erneuerung ausser Betrieb gewesen. Unmöglich für die 150 Einwohner auf dem Stoos und für den Bahnbetrieb ein finanzielles Fiasko», ergänzt Lifart. Fünfzehn verschiedene Bahntypen und Varianten habe man geprüft, bis dieser Bahntyp feststand. Mit einer Bahn auf einem neuen Trassee sind diese Probleme jetzt gelöst.
Zudem wird die Verbindung vom Tal auf den Stoos nun doppelt so schnell. Die 743 Meter Höhendifferenz sind nun in rund vier Minuten zu schaffen. Die neue Bahn mit den vier «Wursträdli» flitzt mit bis zu zehn Metern pro Sekunde und Steigungen von null bis 110 Prozent durch drei Tunnels in die Höhe und hinunter.

52 Millionen kostet die Weltneuheit

Ein- und ausgestiegen wird so flach wie bei einem SBB-Zug. Doch diese Weltneuheit hat auch seinen Preis: Der Neubau kostet rund 52 Millionen Franken. Und es könnte noch teurer werden: Die Bahnbetreiberin und die Arbeitsgemeinschaft stehen miteinander nämlich im Clinch, weil der Bau volle zwei Jahre länger als abgemacht gedauert hat.

Jetzt stellen beide Seiten finanzielle Forderungen. Noch ist unklar, ob ein aussergerichtlicher Vergleich möglich wird. So oder so – offiziell eröffnet werden soll die steilste Personen-Standseilbahn der Welt am 17. Dezember 2017, rechtzeitig zur nächsten Skisaison.

Grafik Design Seilbahn Stoos

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    2010 sprach man von einer Betriebsaufnahme im Jahre 2013.... 2011 dann vom "ersten Spatenstich" 2012 (der erfolgte tatsächlich) und 2 Jahren Bauzeit, 2013 konnte man die Bauarbeiten aufnehmen (Inbetriebnahme laut Medienmitteilung auf die Wintersaison 2015/2016).... Erinnert irgendwie an die Autobahn im Oberwallis, wo der Eröffnungstermin "Herbst 2009" durch 2014, dann 2016, dann 2019 und mittlerweile offiziell durch 202X(!) ersetzt wurde.... sind ja "nur ein paar Dutzend Millionen"...
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  • Kommentar von René Pfeifer (Whistler)
    In St. Louis in den USA gibts den legendaeren " Gate to the West " . Im innern faehrt ein ebensolches Bahnli zu einer Aussichtsplattform zuoberst im Bogen. Ist nicht so gross, aber die Technik ist dieselbe. Dort sind keine runden Kabinen, sondern aneinandergereihte Viererkabinen. Absolut sehenswert mit Super-Aussicht auf die Stadt .
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  • Kommentar von Roger Schmid (BenSisko)
    Top, schön mal was neues zu sehen! Da geht technisch was...aber warum ein Schiessstand Vorrang hat und ein günstigeres Projekt nicht realisiert werden kann...??? Tzzzz...Sache gitz ide Schwiiz :-(
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