SpaceX setzt auf Recycling «Elon Musk hatte den richtigen Riecher»

Zum ersten Mal hat SpaceX eine Rakete mit einem recycelten Antrieb ins All geschickt. Ein wichtiger Schritt für die Raumfahrt, findet der Spezialist Men Jon Schmidt.

Wenn eine Rakete startet, stösst sie ihren Antrieb ab. Dieser versinkt im Meer. Bis jetzt. Die Raumfahrt-Firma SpaceX hat es geschafft, diesen Antrieb kontrolliert auf einer im Meer schwimmenden Plattform zu landen. Dieser recycelte Antrieb ist nun zum ersten Mal wiederverwendet worden.

SpaceX- und Tesla-Gründer Elon Musk selbst spricht von einem Meilenstein für die Raumfahrt. Auch der Raumfahrt-Spezialist Men Jon Schmidt zeigt sich beeindruckt.

Men Jon Schmidt: Bislang ist es niemandem ausser SpaceX gelungen, diese sogenannten Erststufen zu bergen und sie wieder einsatzfähig zu machen. In der Vergangenheit wurden verschiedene Versuche getätigt, die Vorhaben wurden aber wieder aufgegeben. Offensichtlich hatte Elon Musk vom Verfahren her genau den richtigen Riecher. Allgemein wäre es wünschenswert, wenn die Startkosten von Raketen reduziert werden könnten. Denn ein Raketenstart ist immer noch eine sehr teure Angelegenheit.

SRF: Könnten so Raumfahrtfirmen tatsächlich in die Gewinnzone kommen, indem ein Teil wiederverwendet wird?

Das ist erstrebenswert. Die Kosten für einen Raketenstart ist so berechnet, dass die Firma, welche die Rakete anbietet, auch etwas daran verdient. Dieses Geld braucht es für Weiterentwicklungen. Sie sind immer das teuerste an einem Produkt. Wenn nun die Kosten für den Rakteten-Startpreis tiefer ausfallen, können weitere Entwicklungen angekurbelt werden. So können Raumfahrtfirmen mit der Zeit gehen.

Warum kommt das Recycling erst jetzt, wenn so massiv Kosten eingespart werden können?

Mit der Entwicklung der wiederverwendbaren Raumfähre «Space Shuttle» wurde ein einzigartiger Versuch bereits durch die Nasa gemacht. Dabei handelt es sich um ein bemanntes System. Nach 25 Jahren im Einsatz zeigt sich jedoch, die Wartung aller Komponenten haben Unmengen gekostet. Obschon dreiviertel der Komponenten wiederverwendbar waren. Entsprechend wurde das System nicht billiger als bei den früheren Wegwerfraketen. Das neue amerikanische Raketensystem, das 2018 mit der «Orion»-Kapsel zum Einsatz kommen soll, basiert ebenfalls auf einem Wegwerfsystem – ähnlich wie bei der berühmten «Saturn 5», die für die Mondflüge verwendet wurde.

Die Versuche von SpaceX sind vielversprechend, sagen Sie. Wird es in ein paar Jahren also nur noch recycelte Raketen geben?

Möglicherweise. Wenn dieses Beispiel jetzt Schule macht, die Kosten tatsächlich gedrückt werden können, wird es nicht lange gehen, bis andere nachziehen. Somit schauen wir in eine hoffnungsvolle Zukunft. Es wird also gar nicht mehr so lange dauern, bis Raketen als wiederverwendbare Systeme ins All geschossen werden.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.