«Emma ist nur eine Sternschnuppe»

Eltern wissen: Die Namensgebung ist eine Wissenschaft für sich. Ein Professor erläutert die Hintergründe der Namen. Das macht die Suche zwar nicht leichter, beruhigt aber gestresste Eltern.

Junger Säugling

Bildlegende: Und: Wie heisst es? Colourbox

SRF News: Was ist Ihnen beim Durchlesen der aktuellen Statistik durch den Kopf gegangen, Herr Löffler?

Heinrich Löffler: Spontan ist mir der Name Liam hängen geblieben, der vom englischen Namen William stammt. Interessant ist, wie Liam gesamtschweizerisch in den vorderen Rängen liegt. Sogar in der französischen Schweiz, die sich eigentlich gegen englische Vornamen sträubt. Vielleicht ist dieser Name auch nur eine Sternschnuppe, die in den nächsten Jahren wieder aus der Rangliste fliegt.

Auch «Sandra» ist so eine Sternschnuppe. 1987 war das der beliebteste Mädchenname, 2014 kam er nicht mal unter die Top 100. Wie kann so etwas passieren?

Das ist das Schicksal von Modenamen. «Sandra» war etwa 20 Jahre lang äusserst beliebt. Nach dieser langen Zeit wollen sich junge Eltern aber langsam von ihrer Vorgängergeneration unterscheiden. Sie wählen dann einen anderen Namen. Das gleiche wird mit dem Namen «Emma» geschehen.

Was auch auffällt: 1988 sind in der Deutschschweiz 721 kleine Sabrinas auf die Welt gekommen. 2014 aber nur 293 Emmas. Warum gibt es heute viel weniger «Allerweltsnamen» als früher?

Die Spitze hat sich tatsächlich verflacht. Heute ist die Auswahl viel grösser. Junge Eltern wählen Namen, die zweisilbig sind und möglichst selten. Im Zeitalter des Internets, informieren sich die Eltern und können sogar einen Namensgenerator verwenden. Ich denke, dass viele Eltern einen Namen wählen, der möglichst selten ist, aber trotzdem verständlich klingt. Man will ja nicht, dass das Kind später immer seinen Namen buchstabieren muss.

Wie hat man eigentlich früher die Namen vergeben?

Noch bis vor 20 Jahren hat die Familienbindung eine entscheidende Rolle bei der Namensgebung gespielt. Man hat das Kind nach den Grosseltern oder dem Götti genannt. Und auch den Heiligenkalender hat man zu Rate gezogen. Das liegt aber noch länger zurück.

Biblische Namen sind ja auch wieder en vogue.

Ja. Allerdings, sind Namen wie Benjamin, Joel oder David risikolos. Diese Namen kennt man auch im Ausland. Eine gewisse Bibelgläubigkeit ist vermutlich die Basis solcher Entscheide.

Wie finden Sie eigentlich Ihren Namen?

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Dauerbrenner Mia und Noah

0:47 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.8.2015

Mir geht es so wie denen, die einen Namen mit einer «geschriebenen» (Bernhard) und einen «gesprochenen» Version (Beni) haben. Im Pass steht Heinrich, gerufen werde ich von allen Heiner. Wenn jemand Heinrich zu mir sagt, zucke ich zusammen: entweder kennt er mich nicht oder er will mich auf den Arm nehmen.

Das Gespräch führte Beni Frenkel

«Die Spitze hat sich verflacht» Total der zehn am häufigst gewählten Vornamen. Berücksichtigt wurden nur die Top-10 der weiblichen Namen in der Deutschschweiz.

SRF

Professor em. Dr. Heinrich Löffler lehrte 30 Jahre lang am Deutschen Seminar der Universität Basel. 2006 erhielt er den Duden-Preis der Stadt Mannheim.

Die beliebtesten Namen 2014