Zum Inhalt springen

Header

Video
Nach Spitalkonkurs: Patientendossiers unauffindbar
Aus Kassensturz vom 20.04.2021.
abspielen
Inhalt

Fehlende Patientenakten Nach Spitalkonkurs: Patientendossiers unauffindbar

Nach der Schliessung des Paracelsus-Spitals in Richterswil kommen nicht mehr alle Patienten an ihre Krankengeschichte.

Das lokale Spital geht Konkurs: Für Patientin M.B. war es ein Schock, als das Richterswiler Paracelsus-Spital schliessen musste. Letzten Herbst wurden die finanziellen Probleme des Spitals bekannt, kurz darauf musste es schliessen. In diesem Februar wurde der Konkurs eröffnet. M.B. musste neue Ärzte suchen – und wollte dazu ihre Krankengeschichte vom Paracelsus-Spital haben. Da kam der zweite Schock: Ihre Akte ist unauffindbar. Vor rund einem Jahr war sie zum letzten Mal in einer Untersuchung, da lag ihr Dossier noch vor ihr auf dem Tisch. Wo es jetzt ist, weiss niemand genau. M.B.: «Für meine weitere Behandlung wäre das Dossier wichtig. Man sollte auch bei einer Spitalschliessung sorgfältig mit den Akten umgeht.»

Video
Susanne Gedamke, Patientenorganisation «Ein fehlendes Dossier kann für die Patienten schwerwiegende Folgen haben.»
Aus Kassensturz vom 20.04.2021.
abspielen

Aufbewahrungspflicht gilt über den Konkurs hinaus

In einem Patientendossier stehen wichtige und sensible Daten. Für Susanne Gedamke, Geschäftsführerin der Patientenorganisation, ist es problematisch, wenn die Akten nicht gefunden werden: «Das kann für die Patienten schwerwiegende Folgen haben. Lücken in der Patientengeschichte sind ein grosses Problem.»

Patientendossier
Legende: Rund 20'000 dieser Dossiers aus dem Paracelsus-Spital Richterswil liegen in Kisten verstaut in einem Archiv. SRF

Spitäler müssen die Krankengeschichten sicher aufbewahren und den Patientinnen und Patienten zugänglich machen. In der Regel während zehn Jahren nach der letzten Behandlung. Die Schliessung des Paracelsus-Spitals dürfte eigentlich nichts daran ändern: Im Patientengesetz des Kantons Zürich steht, dass die Aufbewahrungsvorschriften auch im Falle einer Betriebsaufgabe gelten. Spitäler müssen also rechtzeitig vorsorgen, dass die Krankengeschichten auch nach einem Konkurs richtig aufbewahrt sind – und die Patientinnen und Patienten Zugriff auf ihr Dossier haben. Beim Richterswiler Spital ist dies manchen Patientinnen und Patienten nicht möglich.

Video
Konkursverwalter: «Wir glauben, dass sich alle Dossiers finden lassen. Aber wir brauchen noch etwas Zeit.»
Aus Kassensturz vom 20.04.2021.
abspielen

Konkursverwalter wird zum Patientendossier-Verwalter

Wer seine Krankengeschichte vom Paracelsus-Spital haben möchte, wird an die Konkursverwaltung verwiesen. Also an die Firma, die verkauft, was das Spital besitzt und dieses Geld an die Gläubiger verteilt. Nun muss der Konkursverwalter plötzlich die Patientenakten organisieren – etwas grundsätzlich anderes. Am Anfang sei man etwas überfordert gewesen, da das Archiv sehr komplex sei: analoge Daten an verschiedenen Orten, digitale Daten mit unterschiedlichen IT-Systemen. Die Dossiers seien nicht unauffindbar, sondern schwierig zu finden: «Wir glauben, dass sich alle finden lassen. Aber wir brauchen noch etwas Zeit,» so der Konkursverwalter.

Video
M.B.: «Für die weiten Behandlungen ist dass Patientendossier wichtig.»
Aus Kassensturz vom 20.04.2021.
abspielen

Für Patientenvertreterin Susanne Gedamke sind solche Verzögerungen nicht tolerierbar: «Patienten müssen schnell auf ihre Daten zurückgreifen können. Die Zeit kann ein lebenswichtiger Faktor sein.»

Es stellt sich die Frage, ob das Paracelsus-Spital seine Aufbewahrungspflicht richtig erfüllt hat und für die Schliessung genügend vorgesorgt hat. Besitzer war ein privates Gesundheitsunternehmen. Dessen Chef war Verwaltungsrat des Paracelsus-Spitals. Er will gegenüber «Kassensturz» kein Interview geben – auch wenn er in der Verantwortung steht.

Kassensturz, 20.04.2021, 21:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Wölfli Imhof  (WIm)
    Wann endlich sind wir in der Lage, alle medizinischen Akten zB auf einem Chip der Krankenkassenkarte zu speichern, damit alle behandelnden medizinischen Fachkräfte schnell und ungehindert Zugriff haben? Datenschützerische Gegenargumente sind hier nur hinderlich.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Dieser "schnell und ungehinderte Zugriff" hat m.E. viel zu viel Missbrauchspotenzial. Ich finde, die Patientenakte gehört zu den persönlichen Akten - nicht an die Öffentlichkeit.
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Ein weiterer Grund für elektronische Patientendossiers auf welche man mit den richtigen Berechtigungen im Notfall weltweit zugriff hat. Impfpass inklusive ;-).
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      An Th. Trefzer: Ihr Vertrauen in elektronische Patientendossiers möchte ich nur eine Minute haben. Eine Suche wie in diesem Fall wäre danach aussichtslos, möglicherweise wären alle Daten (verbotenerweise) bereits an Dritte weitergegeben/verkauft worden. In der IT-Welt gibt es im übrigen eine finale "delete"-Taste, innerhalb einer Sekunde ist alles für immer gelöscht.
    2. Antwort von Urs Widmer  (pinkpoet)
      Es ist immer eine Sache von Menschen - Swisscom hat schon Daten gelöscht...es wird immer wieder vorkommen, solange es Menschen gibt...
    3. Antwort von Werner Ammann  (W.A.)
      @Mark R. Koller: Auch die Schweiz wird um ein elektronisches Patientendossier nicht herumkommen, die Vorteile sind zu gross. Gerade dieses Beispiel zeigt auch, dass Dossiers in Papierform auch nicht sicher sind. Beispiele von gut funktionierenden elektronischen Patientendossies gibt es in verschiedenen Ländern (ich kenne das von Finnland gut). Ein Finales delete gibt es bei einer vernünftigen. implementation (Backup) nicht. Leider entwickelt die Schweiz im Moment 8 verschiedene Systeme (teuer).
  • Kommentar von Martina Wili  (Mimi1487)
    Info an die Redaktion: Seit dem 01.01.2020 ist die Aufbewahrungspflicht von Patientenakten auf 20 Jahre angehoben worden.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Martina Wili
      Guten Tag Frau Wili

      Die Informationen im Artikel sind korrekt. Die Aufbewahrungspflicht ist grundsätzlich in den kantonalen Gesetzen geregelt – für das Paracelsus-Spital in Richterswil im zürcherischen Patientinnen- und Patientengesetz. Gemäss §18 sind es in der Regel zehn Jahre. In anderen Kantonen gilt die gleiche Frist.

      Am 1. Januar 2020 trat das neue Verjährungsrecht mit der von Ihnen genannten Frist von 20 Jahren bei Personenschäden in Kraft. Das betrifft in erster Linie Haftungsfälle. Diese können auch im Gesundheitsbereich sein wie beispielsweise mutmassliche Ärztefehler. Deshalb empfiehlt etwa die FMH, Krankengeschichten 20 Jahre aufzubewahren, damit die Akten für einen allfälligen Haftpflichtfall auch nach der abgelaufenen zehnjährigen Aufbewahrungspflicht zur Verfügung stehen. Es wird angenommen, dass die kantonalen Fristen in Zukunft angepasst werden.

      Liebe Grüsse, SRF News