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Reaktion auf Leak Fifa veröffentlicht Bericht zu Manipulation bei WM-Vergaben

Legende: Video FIFA veröffentlicht Garcia-Bericht abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 27.06.2017.
  • Der Untersuchungsbericht des damaligen Fifa-Chefermittlers Michael Garcia befeuert insbesondere Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Katar.
  • Klare Beweise für den Kauf einer Endrunde scheint es jedoch weder im Bezug auf Katar noch bezüglich Russland zu geben.
  • Die heutige Publikation des über zwei Jahre alten Reports, Link öffnet in einem neuen Fenster erfolgt aufgrund eines Beschlusses der neuen Ethikkommission nachdem einzelne Details durchgesickert waren.

Im 430-Seiten-Dokument des US-Juristen Michael Garcia aus dem Jahr 2014 werden mehr oder weniger gravierende Verstösse praktisch aller damaligen WM-Bewerber gegen die Ethikregeln des Fussball-Weltverbandes beschrieben. Klar wird auch, dass deutlich mehr anrüchiges Material gegen Katar als gegen Russland, zusammengetragen wurde.

Lustreisen und Millionen für ein 10-jähriges Kind

So sollen drei stimmberechtigte Mitglieder des damaligen Fifa-Exekutivkomitees in einem Privatjet des katarischen Fußball-Verbandes nach Rio de Janeiro geflogen worden sein, Nobelunterkunft und Sause inklusive. Zudem landeten zwei Millionen Dollar auf dem Konto der 10-jährigen Tochter eines Exko-Mitglieds. Der Bericht stellt aber auch fest, dass es «keinen Beweis in den Protokollen» für eine Verbindung der Zahlung zur Katar-Bewerbung gebe.

Hamad bin Khalifa Al-Than und Sepp Blatter mit WM-Pokal
Legende: Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani Konkrete Beweise, dass das Emirat Katar die WM 2022 gekauft hat, scheint auch die Garcia-Untersuchung nicht zu liefern. Keystone

Einige dieser Vorwürfe sind nicht neu und wurden von den katarischen WM-Machern immer dementiert. Dass sie auch Garcia in seinem Report festhielt, geben ihnen aber nun einen offiziellen Anstrich.

Beweise für gekaufte WM fehlen

In seiner Zusammenfassung kommt Garcia zu dem Schluss, dass vor allem Fifa-Wahlmänner sich nicht an die Regeln hielten. Einige Exekutivmitglieder hätten «persönlichen Nutzen» gesucht, um ihren Status in den Heimatländern zu verbessern. Den klaren Beweis für eine gezielte Einflussnahme auf die WM-Abstimmung zugunsten Katars konnte Garcia aber in seinen rund zwei Jahre währenden Untersuchungen offenbar nicht feststellen.

Russland konnten gar so gut wie keine gravierenden Verstösse nachgewiesen werden. Obwohl beispielsweise Geschenke und Annehmlichkeiten wie Kreml- und Ballettbesuche für Mitglieder der Fifa-Exekutive aufgeführt werden.

Selbst wenn die kompletten Kosten das übersteigen, was man gewöhnlich als nebensächliche Kosten ansehen würde, war die Übernahme der Kosten nicht per se verboten.
Autor: Garcia-Berichtzu russischen Geschenken an Exko-Mitglieder

Allerdings waren die Computer des russischen Bewerbungskomitees zum Zeitpunkt der Untersuchung schon zerstört.

Keine gravierenden Vorhaltungen werden dem früheren FIFA-Chef Joseph Blatter gemacht. Allerdings wird notiert, dass er kurz vor der Stimmabgabe einem Bonus von 200 000 Dollar für alle – auch für zwei gesperrte Exko-Mitglieder – zustimmte.

Kehrtwende in der Fifa-Kommunikation

Obwohl der Garcia-Bericht bereits seit mehr als zwei Jahren vorliegt, hatte ihn die Fifa bisher nicht vollständig veröffentlicht. Nachdem die Deutsche Bild-Zeitung am Montag Einzelheiten daraus geleakt hatte, änderte der Verband nun seine Strategie radikal.

Präsident Gianni Infantino habe die Veröffentlichung «bereits in der Vergangenheit verschiedentlich verlangt», heisst es in der Mitteilung. Zu Sündenböcken für das lange Schweigen werden die ehemaligen Spitzen der Ethikkommission Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely erklärt. Eckert hatte immer persönlichkeitsrechtliche Bedenken geäussert.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    Es ist eben wie im alten Rom. Die die sich über die Korruption bei der FIFA beschweren, hätten sich genauso über die Haltungsbedingungen der Löwen im Kolosseum beschweren können. Es wird sich nichts ändern solange die Sestertii rollen. Die Zusachauer könnten diesen Saustall mit einem Schlag aufräumen - aber will denn sowas?
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Söihäfeli-Söideckeli" - Man recherchiere selber, dann findet man ein riesen Netz im lukrativen "Sport-Geschäft" und damit sehr viele ebenso skrupellose Profiteure, bis in die Politik - das gilt auch für die Schweiz!! Da gibt es nur eine klare Massnahme: "ausmisten" und Neuaufbau, weniger Geld, dafür mehr ehrlichen "Sport"!! Aber, wer ist bereit, diese "Sport-Mafia" auszuhebeln und neu aufzubauen, wo doch so viel Geld fliesst.....?? Schweizer Bundesbehörden für den Sport??
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  • Kommentar von Chrigi Gross (chrigig)
    Es gibt nur eine Lösung: Alle Nationalmannschaft-Spieler müssen die WM boykottieren, dann schauen wir mal was dann die FIFA macht...
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    1. Antwort von Benjamin Thiel (BThiel)
      Die Zuschauer zahlen all diese Rechnungen. Wenn die Zuschauer die WM nicht mehr schauen würden... Es ist ein Sumpf ohne echte Opfer, zumindest interessiert es die "Opfer" nicht. Aber die Spieler? Die verdienen damit einen Haufen Geld. Und vom Sportilichen Aspekt ist es nun mal das wichtigtse Ereignis im Leben eines Spielers.
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