Zum Inhalt springen
Inhalt

Verteilung der Geschlechter Frauen zieht's in die Städte

In ländlichen Kantonen leben oft signifikant weniger Frauen als Männer. Das hat mehrere Gründe.

In der Innerschweiz – mit Aussnahme von Luzern – sowie in den Kantonen Aargau, Thurgau, Glarus und den beiden Appenzell leben signifikant weniger Frauen als Männer. Der Hauptgrund ist, dass viele Frauen ländlichen Gegenden in der Vergangenheit den Rücken kehrten.

Höchster Männeranteil in Appenzell Innerrhoden

Schweizweit beträgt der Frauenanteil 50,5 Prozent. Am meisten Frauen leben prozentual mit 51,8 Prozent in Basel-Stadt, am wenigsten in Appenzell Innerrhoden mit 48,7 Prozent. Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur ständigen Wohnbevölkerung von 2015. Einen Frauenüberhang gibt es vor allem in der Westschweiz und in urbanen Regionen wie Zürich, Bern und Basel.

Eine wichtige Rolle spielt der Arbeitsmarkt. Es gebe grundsätzlich mehr Stellen für Männer in der Landwirtschaft und in der Industrie, erklärt Martin Schuler, emeritierter Professor der ETH Lausanne (EPFL). Gesundheitsjobs und jene im Verkauf und der Administration richteten sich eher an Frauen.

Die Jobs im Dienstleistungssektor seien in der Regel in den Städten angesiedelt, während sich Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Industrie in Dörfern und ländlichen Gegenden konzentrierten, sagt Geographie-Professor Jacques Lévy von der EPFL.

Migration beeinflusst Städte

In der Folge wanderten Frauen aus ländlichen in urbane Regionen ab. Dies hat deutliche Spuren in der Statistik hinterlassen. So fehlen in der Zentralschweiz vor allem Frauen in der Altersgruppe über 50, wie EPFL-Professor Schuler erklärt.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Frauen eine um vier bis fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben. Dass ein höherer Frauenanteil in einem Kanton mit einer älteren weiblichen Bevölkerung zusammenhängt, zeigt sich gut in Bern und Basel-Stadt. In der Zentralschweiz gibt es dagegen auch deshalb mehr Männer, weil in der Schweiz mehr Knaben als Mädchen geboren werden.

Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis hat aber auch die Zuwanderung. Laut BFS sind vor allem städtischen Kantone «weiblicher» geworden. Kantone wie Zürich, Waadt, Basel und Genf verzeichnen nicht zufällig einen überdurchschnittlichen Ausländeranteil zwischen 26 und 41 Prozent.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Also ich sehe auf dieser Karte eher ein ausgeglichenes Bild. Die einten Kantone habe etwas mehr Frauen, die anderen mehr Männer. Von massiven Wegzug kann keine Rede sein. Und wenn Frauen wegziehen, dann wohl eher, weil auf dem Land halt mehr angepackt werden muss als in einem Bürojob bei einer Tasse Kaffee in der Stadt. Interessant wäre eine Untersuchung, wie viele wieder von den Städten wegziehen. Es ist ja nicht alles Gold was glänzt, hohe Steuern, mehr Gewalt, hohe Mieten, Lärm.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die Rot-Blaue Grafik macht es visuell dramatischer als es rein nach Zahlen ist. Liest man die Werte (BS 51.8 %, AI 48.7 %) als "Extreme", relativiert sich das ganze. 50.5 % Frauenanteil lässt sich mit der höheren Lebenserwartung von Frauen erklären. Der gering grössere Anteil für "Männer" bei Geburten wird im Laufe des Lebens reduziert, da Männer auch mehr Risiko gehen, Gefahren ausgesetzt sind. Früher starben Frauen durch Erschöpfung bei Geburt und Arbeit, Männer mehr durch Konflikte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Carsten Ramsel (Carsten Ramsel)
    Geschätzte SRF-Redaktion, Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel. Sie schreiben in der Schweiz würden mehr Knaben als Mädchen geboren. Wie erklären Sie oder vielleicht besser das Bundesamt für Statistik die höheren Zahlen an Knabengeburten? Dies ist reproduktiv äusserst ungewöhnlich und meines bescheidenen Wissens nur in solchen Ländern der Fall, in denen weibliche Föten abgetrieben werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von
      Das Ungleichgewicht zum Zeitpunkt der Geburt beruht darauf, dass im Verlauf der Schwangerschaft insgesamt mehr Mädchen sterben als Jungen. Das ist unseres Wissens in allen Ländern so. Warum überleben mehr Jungen die Schwangerschaft? Dazu haben wir nichts gefunden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Danke für die Frage, auch ich ging immer davon aus, dass uhne menschlichen Einfluss ehr Mädchen geboren werden. Scheint aber gemäss Metastudien wirklich umgekehrt zu sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Liebes SRF, die Antwort von gestern 22.48 geht nicht auf die Behauptung im obenstehenden Text ein: "In der Zentralschweiz gibt es dagegen auch deshalb mehr Männer, weil in der Schweiz mehr Knaben als Mädchen geboren werden." Wieso soll es ausgerechnet in der Zentralschweiz mehr Männer geben, wenn in der CH mehr Knaben als Mädchen geboren werden?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen